Neu-Ulm Biogas will die ECO-Projects Entwickklungsgesellscahft im Steinhäule am Ortsrand von Pfuhl erzeugen. Viel Biogas. Und nicht wenige sind dagegen, wie sich bei zwei Parteiveranstaltungen zeigte. Die rund sechzig Besucher, die zu den „Grünen“ ins „Café d‘Àrt“ kamen, eher aus ethischen Gründen. Etwa doppelt so viele, die es zur CSU in den Pfuhler Museumsstadel zog, mehr aus praktischen Gründen.
Was da im Steinhäule entstehen soll, wird mit großem Misstrauen, ja auch mit Unmut beobachtet. Grünen-Stadtrat Rainer Juchheim bekannte als Veranstaltungsleiter, seine Partei habe im Ausschuss zwar für den Bebauungsplan zur Biogasanlage gestimmt, wolle sich nun aber doch erst mal informieren, was da eigentlich geplant sei. Damit kam er nicht gut an.
Ebenso wenig Pfuhls CSU-Ortsvorsitzender Johannes Stingl, der nicht sich selbst, wohl aber die betroffenen Pfuhler informieren wollte. Immerhin konnte er für sich verbuchen, seine Fraktion habe als einzige im Ausschuss gegen die Baupläne gestimmt. Für den ehemaligen Pfuhler Stadtrat Hermann Hillmann jedenfalls der völlig falsche Weg. Erst zu beschließen, danach zu informieren, heiße doch, „erst das Hintere, dann das Vordere zu tun“.
Mit stoischer Ruhe berichteten in den überfüllten Räumen die ECO-Gesellschafter Robert Harder und Ingolf Heinemann trotz zeitweilig heftiger, teils auch polemischer Angriffe. Die Leute glaubten ihnen einfach nicht, was sie da ausführten. Rund 70000 Tonnen Grünzeug sollen jährlich aus einem Umkreis von bis zu 37 Kilometern mit täglich 15 Lkw-Fahrten aus den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, Dillingen und Alb-Donau ins Steinhäule transportiert werden. Benötigt würden dazu 1400 Hektar Anbaufläche, von denen allerdings gut tausend ohnehin schon vorhanden seien. Investiert würden knapp 15 Millionen Euro. Die anliefernden Bauern könnten mit 2,6 Millionen Euro jährlich rechnen.
Rainer Juchheim, der ja lernen wollte, ließ Fraktionskollegin Annette Neulist Argumente für die Biogasanlage vorbringen, obwohl die eigentlich dagegen war. GAU-Geschäftsführer Wolfgang Gaus konnte sämtliche Naturschutzargumente gegen die Anlage ins Feld führen, sprach sich aber durchaus für kleine, dezentrale Gaserzeuger aus. Bauernobmann Otto Herrmann war froh, dass „endlich mal Bauern und GAU einer Meinung sind“. Jeder dieser Sprecher hatte bei den Grünen sieben Minuten. Dieses Zeitdeputat nutzte Johannes Stingl in Pfuhl ganz allein für sich, um mithilfe kaum verständlicher, schon gar nicht lesbarer Folien das Projekt vorzustellen.
Einig waren sich die abendlichen Besucher beider Veranstaltungen, dass ECO-Projects mit 70 000 Tonnen viel zu groß plane, dass die Anlage nicht in die Landschaft passe, dass einige Wenige auf Kosten Vieler Gewinne machten.
Auf der Grünen-Versammlung überwogen wohl ethische Argumente. Monokulturen wie Maisfelder mit vier Meter hohen Pflanzen machten die Kulturlandschaft kaputt. Lebensmittel dürften nicht zweckentfremdet zu Gas gemacht werden. Steigende Preise wurden befürchtet, weil der Gigant ECO-Projects den örtlichen Markt beherrschen und kleine Gasproduzenten zur Aufgabe zwingen könne. Bemängelt wurde, dass bisher nicht mal die Grünen eine „Ökobilanz“ zur geplanten Anlage vorweisen könnten. Die soll nun nachträglich zusammengestellt werden.
Praktische Fragen standen im Museumsstadel im Vordergrund. Niemand mochte glauben, dass die Gasproduktion aus Silage völlig ohne Geruchsbelästigung für die Nachbarschaft auskommt. Johannes Stingl will „das noch prüfen lassen“. Keine Antwort gab es zur Frage, wo denn in den Landkreisen die Silos seien, um das geerntete Grünzeug bis zur Abfuhr nach Pfuhl zwischenzulagern. Auch für an die Bauern zurückgegebene Gärreste würden Silos gebraucht. Dass die ungeliebte Anlage ausgerechnet nach Pfuhl komme, liege am dort vorhandenen „Gasnetzkoppelpunkt“, sagten die Gesellschafter, in den das produzierte Gas eingespeist werden könne.
„Die Sache wird schnell unmoralisch“, sagte ein Landwirt, „wenn hier eine Anlage gebaut wird, nur um Geld damit zu verdienen“. Mancher bekundete „Zweifel an der Seriosität“ der Gesellschaft.
Denkbar aber, dass sich alles rasch von selbst löst. Wohl aus Lärmschutzgründen will ECO-Projects die Kammerkrummenstraße für ihre Vierzigtonnentransporter vertraglich meiden und ausschließlich das Sträßchen entlang der Pfuhler Baggerseen nutzen. Das aber sei bei sommerlichem Badewetter sowieso zugeparkt, frohlockte die Versammlung. (grr)