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Senden

25.07.2019

Investoren sollen sich in Senden an Kindergärten und Straßen beteiligen

Am Standort der ehemaligen Spinnerei in Ay will ein Investor Wohnungen bauen. Doch davor soll eine soziale Bodennutzung in Kraft treten.
Bild: Kaya

Der Stadtrat in Senden will Investoren bei neu geplanten großen Baugebieten zur Kasse bitten: Sie sollen ihren Anteil an Straßenreparaturen und Kindergärten beitragen.

Wohnhäuser statt Gewerbegebäude, modern statt historisch: So könnte man das Wohnprojekt am Illerkanal in Senden beschreiben. Die Firma Allgaier will, wie berichtet, am Ortseingang von Illerkirchberg kommend circa 140 bis 150 Wohnungen errichten. Dazu muss der Bebauungsplan geändert werden, denn derzeit sind dort keine Mehrfamilienhäuser in verdichteter Bauweise möglich. Geplant werden sollen jedoch viergeschossige Gebäude plus Staffelgeschoss. Zum einen wolle man auf die Art vergleichsweise wenig Baugrund für viele Wohneinheiten verwenden, zum anderen lohne sich barrierefreies Bauen mit Aufzug erst ab vier Geschossen, sagte Planer Erwin Zint. Eine ähnliche Bebauung plant die Sendener Wohnungsbaugesellschaft bei der Herrenmühle, auch das Seniorenheim ist so hoch. Das Planungsbüro Zint & Häußler stellte den städtebaulichen Entwurf vor, der bei den Räten generell gut ankam, da einige gewünschte Änderungen eingearbeitet wurden.

Dennoch könnte sich die Realisierung des Projekts noch etwas hinziehen, denn die Räte möchten erstmals ein neues Modell anwenden: die sozialgerechte Bodennutzung (Sobon). Der Gedanke dahinter: Bauherren an den Kosten für Infrastruktur zu beteiligen, die durch die neue Bebauung entstehen – beispielsweise Straßenreparaturen oder mehr Kindergartenplätze. Denn das Grundstück eines Investors erfährt durch einen neuen Bebauungsplan in der Regel eine gewisse Wertsteigerung. Kommunen sorgen also für bezahlbaren Wohnraum, indem sie städtebauliche Verträge mit Investoren schließen, die die Gebäude errichten. Ein Teil der Wohnungen soll so für Menschen mit geringerem Einkommen bezahlbar sein.

In Senden soll die neue Bau-Richtlinie gelten

Ein entsprechendes Konzept der Stadt Landsberg hat Bürgermeister Raphael Bögge vor einem Jahr schon einmal als Beispiel ins Gespräch gebracht. Vor gut zwei Wochen hat dann die SPD-Fraktion den Antrag gestellt, die Sobon einzuführen. So könne auf Dauer eine Verbesserung in der Wohnraumversorgung mit bezahlbarem Wohnraum erreicht werden, schreibt Fraktionsvorsitzender Georg Schneider. Die Richtlinie sorge für Transparenz und Kalkulierbarkeit der Kosten für alle Seiten. Zudem könne die Stadt jeweils einen bestimmten prozentualen Anteil an Sozialwohnungen bestimmen. Die Räte waren, wie vor einem Jahr auch schon, angetan. Deswegen vertagten sie den Entwurf für das Gebiet an der ehemaligen Spinnerei. Zunächst solle überlegt werden, wie es in Sachen Sobon weitergehen könnte. Lediglich die Freien Wähler und die Grünen wollten lieber jetzt Wohnungen schaffen und mögliche Kosten in einem Vertrag klären.

Investoren sollen sich in Senden an Kindergärten und Straßen beteiligen

Planer Erwin Zint sagte, es könne auch parallel zu einer Sobon-Richtlinie ein Bebauungsplan entwickelt werden. Dieser erhalte lediglich zunächst keine Rechtskraft. Zu den Ideen für das Gebiet bekam sein Büro Lob zu hören. Einige Punkte, die die Räte gestört hatten, sind nun geändert: Die Bebauung rückt vom angrenzenden Landschaftsschutzgebiet weiter weg, ebenso vom Illerkanal. Die Firma Allgaier wolle Teile vermieten und verkaufen. Man befinde sich zudem in Gesprächen mit dem Betreiber des nahe liegenden Seniorenheims Haus Konrad bezüglich der Anmietung zweier Häuser für betreutes Wohnen. Zudem könne man über einen gewissen Anteil an bezahlbarem Wohnraum sprechen, so Zint. Das Kraftwerk werde noch dieses Jahr abgerissen und neu gebaut. Durch die Abwärme könnten Wohnungen beheizt werden, diese Details seien jedoch noch kein Bestandteil der derzeitigen Planung.

So zufrieden die Räte mit der Planung waren, so wenig gefiel einigen die Geschosshöhe am Stadteingang. Dort solle man ein Stockwerk wegnehmen, der Eingang müsse schöner gestaltet werden, forderten Edwin Petruch (Freie Wähler) und Walter Wörtz (CSU). Georg Schneider dagegen wollte diese Freiheit den Architekten überlassen, zudem müsse man Boden schonen. Anton Leger (BiSS) forderte mehr Parkplätze.

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