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Ulm

23.07.2019

Kloster Wiblingen: Die Basilika wird vollendet

Der Moment der Unterschrift (von links): Claudius Winterhalter, Dekan Kloos und Kirchengemeinderatsvorsitzender Klaus Ungerer.
Bild: Dagmar Hub

Jetzt ist es beschlossene Sache: Für 1,3 Millionen Euro wird im Kloster Wiblingen eine Orgel gebaut.

Die Klänge zum Festakt kamen vom E-Piano im Bibliothekssaal der Wiblinger Klosteranlage. In absehbarer Zeit schon sollen Kirchenmusikfreude (und Musikfreunde insgesamt) in Wiblingen in den Genuss schönerer Klänge kommen: Claudius Winterhalter, einer der renommiertesten deutschen Orgelbauer der Gegenwart, der Wiblinger Dekan Ulrich Kloos sowie Kirchengemeinderatsvorsitzender Klaus Ungerer unterzeichneten im Bibliothekssaal den Vertrag, aufgrund dessen Winterhalter nun beginnen kann, die geplante Hauptorgel der Wiblinger Basilika St. Martin zu bauen. Eingeweiht soll sie im ersten Halbjahr 2021 werden.


Der heiß ersehnte Termin zum September 2020 ist nicht zu halten, weil Winterhalter erst jetzt mit dem Bau der Orgel beginnen kann, da alle behördlichen Genehmigungen und die Ergebnisse der Statiker vorliegen. Es wird ein Tag im Jahr 2021 sein, an dem die Orgel feierlich eingeweiht werden kann. Dafür dürfen sich Musikfreunde wie Organisten auf ein außergewöhnliches Erlebnis freuen: Es brauche eine fantastische Orgel, um die einzigartige Wiblinger Basilika zu vervollkommnen, sagte Winterhalter. Er werde alles daran setzen, ein Instrument höchster Qualität zu bauen, das in seiner Klangvielfalt höchsten Ansprüchen genüge. Noch gähnt eine Lücke an jener Stelle der Empore von St. Martin, an der die Erbauer der Wiblinger Basilika eine Hauptorgel vorgesehen hatten - zur Einweihung der Basilika 1784 hatte das Geld für eine Orgel gefehlt, und ein späterer Orgelbau war in den Wirren der Säkularisation nicht mehr beschlossen worden. In Wiblingen gewöhnte man sich an die Lücke auf der Empore. Bis Ulrich Kloos 2014 nach Wiblingen kam: Der Kirche fehle etwas, dachte Kloos, als er erstmals in „seine“ neue Kirche kam. Bereits ein Jahr später fiel der Beschluss, dass St. Martin eine Orgel bekommen sollte. Ein Orgelbau-Förderverein gründete sich - und nun, knapp vier Jahre später, ist die Hälfte der Summe von 1,3 Millionen Euro vorhanden, die für den Bau der Orgel und die anfallenden Nebenkosten auflaufen wird. Als schwerer Schlag wurde das Ausbleiben eines erhofften Bundes-Zuschusses in Höhe von 400000 Euro empfunden, muss diese Summe doch nun zusätzlich aus Spenden und Patenschaften angesammelt werden. Doch bereits für zwei komplette Register und 196 Pfeifen haben Menschen Patenschaften übernommen; die Kosten für derartige Patenschaften betragen zwischen 50 und 25000 Euro.

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Volker Linz, Orgelsachverständiger für die Region, erinnert sich an jenen Moment, als Ulrich Kloos ihn über seine Pläne in Kenntnis setzte. Ihm sei fast der Hörer aus der Hand gefallen, berichtet Linz, und auch Ulrich Kloos selbst weiß, dass ihn anfangs viele für einen Fantasten gehalten haben, ist der Bau einer Orgel wie die für St. Martin vorgesehene - mit 54 Registern, 2419 Pfeifen und einem Zimbelstern - etwas Außergewöhnliches. Die Disposition des Instrument werde einen enorm ergiebigen Klangfarbenreichtum ermöglichen, schildert Linz.

Von 20 Monaten Bauzeit geht Claudius Winterhalter aus - wenn denn alles gut geht. Denn viel hängt vom Winter und der Temperatur in St. Martin ab: Orgelbau benötigt stabile Umgebungstemperaturen, erklärt der 66-jährige Orgelbauer. Bei Temperaturen unter zwölf Grad in der Kirche kann nicht gearbeitet werden, weil niedrigere Temperaturen während des Baus die spätere Fähigkeit einer Orgel beeinträchtigen würden, die Stimmung zu halten. Und wenn ein solch beeindruckendes Instrument gebaut wird, das sich in St. Martin einfügen soll als wäre die Orgel seit jeher so geplant gewesen, dann kommt es auf ein paar Wochen nicht an. Qualität ist angesagt - schließlich wurde das (mehrfach zerstörte) Kloster Wiblingen 1093 gegründet. Claudius Winterhalters Orgel dürfte die erste sein, die an diesem Ort erklingen wird. (köd)

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