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Kommentar: Ulm und der lange Schatten des Islamismus

Kommentar

Ulm und der lange Schatten des Islamismus

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    Ein Islamist verteilt in Berlin kostenlose Koran-Exemplare an Passanten.
    Ein Islamist verteilt in Berlin kostenlose Koran-Exemplare an Passanten. Foto: Britta Pedersen, dpa

    Seit nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bekannt geworden war, dass im Neu-Ulmer Multikulturhaus Hassprediger und selbst Terrorpilot Mohammed Atta verkehrten, reißen die Horror-Nachrichten nicht ab. Kopf der „Sauerlandgruppe“, die den Massenmord an Amerikanern plante, war der Ulmer Fritz Gelowicz. Und im Internet warben Islamisten aus der Region um Unterstützung für den „Heiligen Krieg gegen Ungläubige“.

    So schrillten jetzt alle Alarmglocken, als ruchbar wurde, dass eine Gruppe radikal-islamistischer Salafisten 25 Millionen Exemplare des Koran in Deutschland verteilen will, von denen Hunderttausende bereits gedruckt wurden – ausgerechnet in Ulm. Ist das nicht verdächtig? Nur auf den ersten Blick. Der Druckerei ist sicher nicht das geringste Fehlverhalten vorzuwerfen. Sie hat sich für den Auftrag sogar das O. K. des Verfassungsschutzes geholt. Obwohl es dafür rechtlich keine Veranlassung gibt, wurden weitere Aufträge der Kölner Salafisten auf Eis gelegt.

    Dass die örtliche Islamistenszene etwas mit dem Auftrag für die Ulmer Bücherfabrik zu tun hat, ist unwahrscheinlich. Es ist wohl schlichtweg Zufall, dass die Region wieder einmal im Zusammenhang mit islamistischen Umtrieben ins Gerede gekommen ist.

    Salafismus - Strömung des Islamismus

    Zur islamistischen Strömung gehört der Salafismus. Diese religiöse und politische Bewegung orientiert sich an einem idealisierten Bild der Frühzeit des Islam. Das arabische Wort «Salaf» steht dabei für Ahnen und Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte, weite Gewänder und Kopfbedeckungen. Frauen, die kein Kopftuch tragen, begehen nach Überzeugung von Salafisten eine schwere Sünde.

    In Deutschland stehen Teile der Salafisten-Bewegung im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen. Nach dem jüngsten Verfassungsschutzbericht üben viele salafistische Einrichtungen vor allem auf junge Muslime Anziehungskraft aus. Das Gedankengut könne eine Radikalisierung fördern.

    Vermutlich war es auch Zufall, dass in Ulm und Neu-Ulm die „größte Brutstätte für islamistische Extremisten“ entstanden ist. Diese Einschätzung amerikanischer Experten jedenfalls fand sich in geheimer US-Diplomatenpost, die das Internetportal Wikileaks enthüllt hatte. Warum sich einige Schlüsselfiguren des radikalen Islamismus’ ausgerechnet hier angesiedelt und dann immer mehr Anhänger angelockt haben, bleibt ein Geheimnis.

    Die Geschichte um den Koran aus Ulm passt nicht in das übliche Muster. Doch das ist leider kein Grund zum Aufatmen. Auch nach der Schließung des Multikulturhauses und des Islamischen Informationszentrums in Ulm ist die örtliche Szene nach Informationen aus Behördenkreisen weiter aktiv.

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