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Ulm

29.01.2020

Krankenschwester soll versucht haben, fünf Neugeborene zu töten

Ein Haftbefehlsantrag gegen eine Krankenschwester der Ulmer Säuglingsstation wegen des Verdachts des versuchten Totschlags wurde gestellt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Gegen eine Krankenschwester des Ulmer Universitätsklinikums wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Frühgeborene waren durch Betäubungsmittel in Lebensgefahr.

Es ist der Albtraum aller jungen Eltern: Eine Krankenschwester des Ulmer Universitätsklinikums soll versucht haben, fünf Babys auf der Frühgeborenenstation mit Betäubungsmittel zu töten. Am Dienstag erließ die Staatsanwaltschaft Ulm Haftbefehlsantrag gegen eine Frau wegen des Verdachts des versuchten Totschlags an Frühgeborenen in fünf Fällen.

Urinproben von fünf Frühchen Rückstände mit Morphin

Auf die Spur gekommen ist das Klinikum der Angeklagten, weil in Urinproben von fünf Frühchen Rückstände von Morphin festgestellt worden seien. Diese Proben wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft veranlasst, weil in den frühen Morgenstunden des 20. Dezember vergangenen Jahres fünf Babys in einem Zimmer nahezu zeitgleich an lebensbedrohlichen Atemproblemen gelitten haben. Drei der fünf Kinder mussten künstlich beatmet werden, wie das Klinikum mitteilt. In der Annahme, dass es sich um einen gefährlichen Infektionsausbruch handeln könnte, sei unverzüglich das Gesundheitsamt informiert worden. Aufgrund der sofortigen medizinischen Intervention sei eine weitere Verschlechterung des Zustands der Neugeborenen verhindert worden. Die Kleinen seien im Verlauf von 48 Stunden stabilisiert worden, konnten wieder selbstständig atmen und deshalb nach Hause entlassen werden.

Aufgrund der ungewöhnlichen Atemnot seien sofort spezielle Laboruntersuchungen veranlasst worden. Das Ergebnis dieser Untersuchungen zeigt den Grund für die zeitweise gesundheitliche Verschlechterung der Kinder: Sie hatten ein Betäubungsmittel verabreicht bekommen. Das Universitätsklinikum Ulm stellte deshalb am Freitag, 17. Januar, bei der Polizei Ulm Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts des versuchten Totschlags.

Muttermilch mit Betäubungsmittel

Die Polizei durchsuchte daraufhin das Umfeld von sechs Personen, die an jenem Freitag vor Weihnachten Dienst hatten. Dabei wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem Spind in der Umkleide des Klinikums eine Spritze mit Muttermilch gefunden, die nach den ersten Ergebnissen der kriminaltechnischen Untersuchung im Landeskriminalamt Baden-Württemberg Morphin enthält.

Gegen die Krankenschwester, die den Spind mit der Giftspritze nutzt, wurde am Mittwoch wegen des dringenden Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlags in fünf Fällen Haftbefehl erlassen. Erst im Rahmen einer am Donnerstag angesetzten gemeinsamen Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Ulm wollen die Ermittler Details zu den Ermittlungsergebnissen und dem aktuellen Sachstand nennen. Auch die Klinik will sich erst dann äußern. Bis dahin bleibt es bei einer Pressemitteilung: „Wir bedauern es sehr, dass es zu einem solchen Zwischenfall gekommen ist, und entschuldigen uns ausdrücklich bei den Eltern und Kindern dafür. Die Sorge der Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder können wir alle sehr gut nachempfinden“, schreiben darin Professor Udo X. Kaisers, Vorstandsvorsitzender und Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm. Sie hätten „alles in ihrer Macht stehende unternommen“, um die lückenlose Aufklärung des Falls zu unterstützen.

In den vier Geburtsräumen der Ulmer Uniklinik kommen jedes Jahr rund 3.000 Kinder zur Welt. Die Klinik auf dem Eselsberg versorgt 50.000 Patienten jährlich und ist nach eigenen Angaben eine der bundesweit größten Kliniken für problematische Schwangerschaften („Perinatalzentrum“) der höchsten Versorgungsstufe („Level 1“).

Hotline für Eltern

Für medizinische Rückfragen von Eltern und Angehörigen in diesem Zusammenhang hat das Universitätsklinikum Ulm eine Telefon-Hotline geschaltet, die ab sofort unter der Nummer0731/500 44404 erreichbar ist.

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