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Oberelchingen

09.06.2019

Krimiautor Hermann Severin: Im zweiten Leben Schriftsteller

Schreibt gerne Bücher – und ist gerne von welchen umgeben: Hermann Severin Huber, in seinem Büro in seinem Haus in Oberelchingen.
Bild: Dagmar Hub

Früher war Hermann Severin Huber Rechtsanwalt, im Ruhestand wandte er sich dem Schreiben von Kriminalromanen zu. Dabei weiß er am Anfang selbst noch nicht, wie die Geschichte ausgehen wird

Auf keinem Umschlag seiner Bücher steht sein Familienname: Als Autor nennt sich der Oberelchinger Jurist Hermann Severin Huber nach seinen beiden Vornamen „Hermann Severin“. Als Rechtsanwalt vertrat er seine Mandanten dagegen während seiner beruflichen Laufbahn unter seinem Namen Hermann Huber. Seine Berufstätigkeit und seine Leidenschaft fürs Schreiben von Kriminalromanen und Thrillern aber sieht der Oberelchinger als zwei verschiedenen Lebensphasen zugehörig. Was er zeitlebens blieb und bleibt: „Ein zutiefst liberaler, lebensfroher, barocker bayerischer Katholik.“

In seinem ersten Roman "Heuschreckentanz" ging es um Selbstjustiz

Mit dem Schreiben begann der 1947 geborene Huber erst nach Ende seiner Anwaltstätigkeit, und in den Romanerstling floss noch seine juristische Lebenserfahrung ein: Im 2017 erschienenen Debütroman „Heuschreckentanz“ steht ein Unternehmer im Mittelpunkt, der von seinen eigenen Leuten betrogen und mithilfe eines Insolvenzverwalters um sein Vermögen gebracht wird. „Ich wollte zeigen, dass es Betrugsformen gibt, bei denen ein Betrogener mit legalen Mitteln nichts mehr verhindern kann, wenn die Dinge im Laufen sind.“ Ein afrikanischer Freund des Betrogenen rät in der Erzählung zur Selbstjustiz – an der der Unternehmer aber zerbricht, weil er aufgrund seiner westlichen Sozialisation langfristig doch nicht damit umgehen kann.

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Krimiautor Hermann Severin: Im zweiten Leben Schriftsteller

2017 erschienen auch der Essay „Ende mit Hopsasa und Trallala“ und „Donaublut“, ein Roman mit starkem Bezug zur Region: Hier geht es um Organhandel und internationale Bandenkriminalität entlang der Donau. Auf dem Cover fließt die Donau blutrot durch Ulm, umfließt das Münster, das auf einer Insel zu thronen scheint.

Auf dem Titel von Hermann Severin jüngstem Thriller „Raupensicht“ liegt die Nacht über Friedrich II. Jagdschloss Castel del Monte in Apulien. Vier Abiturienten spürten im Rahmen ihrer Abschlussfahrt den Geheimnissen des zwischen 1240 und 1250 errichteten Gebäudes nach, nach dessen Vorbild sogar der Drehort von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ gebaut wurde. Die Abiturienten gerieten ins Visier der sizilianischen Cosa Nostra und des israelischen Geheimdienstes. 20 Jahre später kommen zwei der damaligen Abiturienten auf undurchschaubare Weise ums Leben.

Hermann Severin hat alle Schauplätze seiner Bücher selbst besucht

Sarajewo, Srebrenica, Apulien, Südafrika – und jede Menge Geschichtswissen, spannend und unterhaltsam verpackt: Hermann Severin Huber reist viel, und er reist gern. „Ich habe alle Orte meiner Bücher besucht“, berichtet er. Und Geschichte hat ihn seit jeher fasziniert, wenngleich er seinem neuen Roman Voltaires Satz voranstellt, die Geschichte sei eine Lüge, „auf die man sich geeinigt hat“. Ach ja, Voltaire – in Hubers Büro in seinem Haus in Oberelchingen stehen in den Regalen Schopenhauers Werke neben denen Victor Hugos, Hans Küngs und Hermann Hesses: Philosophie und Literatur sind ihm ähnlich wichtig wie das Reisen. Und zu Voltaires Erkenntnis über die Lüge ergänzt Huber: „Die großen Lügen werden oft eher geglaubt als die kleinen.“ Aus dieser Überzeugung heraus nährt sich beispielsweise die Naivität der jungen Frauen, die in „Donaublut“ Opfer von Menschenhändlern werden.

Was treibt Hermann Severin Huber an den Schreibtisch? Neben dem Umstand, dass er dem Leser spannende Unterhaltung bieten möchte, wolle er seine Umwelt von der Frage des „Wie“ zur Frage nach dem „Warum“ bringen, erzählt der Autor. „Mir ist es zu wenig, zu fragen, wie ein Politiker möglichst viele Menschen dazu bringt, ihn zu wählen. Interessant ist doch die Frage, warum er das tut.“ Er sei seit jeher ein politischer Mensch, erzählt Huber, und seine selbst gestellte Aufgabe erfülle sich darin, „wenn ein Leser die Pflugschar nach der Lektüre ein bisschen tiefer zieht.“

Wobei er niemals mit erhobenem Zeigefinger vorgehen möchte, sagt der Autor. Deshalb gibt es in seinen Büchern auch keinen allwissenden Erzähler; die Handlung entwickelt sich aus den Dialogen seiner Figuren. „Ich weiß zu Beginn des Schreibens, was ich erzählen will. Wie das Buch am Ende ausgehen wird, weiß ich da noch nicht“, sagt er. „Die Figuren entwickeln ihr Dasein.“ Deshalb steckt in seinen Büchern auch stets ein Stück gesellschaftlicher Realität, das er dann in die heimische Region einbezieht. „Wenn die Erzählung irgendwo in weiter Ferne spielt, berührt sie die Leser weniger, als wenn sie vor Ort passiert.“

Eines ist dem Oberelchinger wichtig: Manipulieren möchte er seine Leser nie. Denn Grundlage einer demokratischen Gesellschaft müsse es sein – sagt Huber – „die Tür immer soweit offen zu lassen, dass der andere möglicherweise Recht haben könnte“.

Alle Titel von Hermann Severin sind im Buchhandel und online erhältlich.

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