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Landkreis Neu-ULm: Gähnende Leere bei Schlecker

Landkreis Neu-ULm

Gähnende Leere bei Schlecker

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    Eine geschlossene Filiale der Drogeriekette Schlecker.
    Eine geschlossene Filiale der Drogeriekette Schlecker. Foto: Malte Christians

    Einladend ist anders: grelles Neonlicht. Die übergroßen, abgenutzten Regale im Neu-Ulmer Schleckerland können nur mühsam gefüllt werden, der hellbraune Kachelboden aus den 80ern beißt sich farblich mit dem blauen Erscheinungsbild von Schlecker. „Fleisch“ und „Wurst“ steht in roten Lettern schmucklos über der ziemlich verwaisten Frischetheke. Leerstände im Eingangsbereich signalisieren: Dieser Standort hat die besten Tage hinter sich, das einstmals ambitionierte „Schleckerland“ im Neu-Ulmer Industriegebiet ist seit geraumer Zeit auf dem absteigenden Ast.

    Durch die Insolvenz des Mutterkonzerns fürchten die zehn Mitarbeiter erst recht um ihre Jobs. „Wir sind weiter für Sie da“ steht wie zum Trotz auf Handzetteln, die am Eingang gleich neben dem März-Kundenmagazin ausliegen, von dessen Titel eine bildhübsche Brünette lächelnd die „große Preissenkungsinitiative“ ankündigt. Den Schlecker-Mitarbeitern ist das Lachen weitgehend vergangen. „Uns bleibt ja nichts übrig, als abzuwarten“, sagte die Kassiererin. Mehr nicht. Ärger mit ihrem Arbeitgeber will sie vermeiden. Ob Schlecker in der Leibnizstraße bleibt, ist ungewiss.

    Die verbliebenen Mieter brauchen einen Magneten

    Drogeriekette: Das ist Schlecker

    Mit 21 Jahren, 1965, steigt der gelernte Metzgermeister Anton Schlecker in die väterliche Fleischwarenfabrik in Ehingen bei Ulm ein.

    Das Unternehmen erwirtschaftet damals mit 17 Metzgerei-Filialen nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 7,2 Millionen Euro.

    Im gleichen Jahr gründet der Junior-Chef das erste Selbstbedienungs-Warenhaus am Rande der schwäbischen Stadt.

    Damit legt er die Basis für eine europaweit aufgestellte Drogeriemarktkette, zu der seit 2007 auch die Kette "Ihr Platz" gehört.

    Schlecker war mit etwa 10.000 Filialen, einem Umsatz von 7,42 Milliarden Euro und über 50.000 Beschäftigten Europas führender Drogeriemarkt-Unternehmer.

    Auch die deutschen Drogerieketten führte er an, gefolgt von dm und Rossmann.

    Im Januar 2012 geht Schlecker in die Insolvenz.

    Mai 2012: Schlecker wird zerschlagen. Für die insolvente Drogeriemarktkette sieht der Gläubigerausschuss "keine Perspektive" mehr.

    Im November 2017 wird Anton Schlecker wegen Bankrotts zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Seine Kinder erhalten Gefängnisstrafen.

    Den verbliebenen Mietern des „Schleckerlandes“ – ein Getränkemarkt, Friseur, Bäckerei und ein Schlüsseldienst – ist klar: Es muss etwas geschehen. Wenn Schlecker als Magnet ausfällt, können auch die verbliebenen Läden dichtmachen. Verkaufsflächen zwischen 60 und 1000 Quadratmeter im Zuschnitt „frei wählbar“ bewirbt ein Plakat der  Schlecker Immobilienverwaltung. Die Leerstände geben ein trostloses Bild ab. „Schauen Sie sich hier um. Ich würde hier auch nicht einkaufen“, sagt die Angestellte einer Bäckerei. Gemunkelt wird, dass das Kaufland bereits wie andernorts, wenn ein Schleckerland dichtmachte, als Nachfolger in den Startlöchern steht. „Für uns wäre das die beste Lösung“, heißt es.

    Wie berichtet, hält der Neu-Ulmer Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz eine Sanierung der Drogeriekette prinzipiell für möglich. Der Verwalter hatte harte Einschnitte beim Konzern aus Ehingen angekündigt. Rund 2400 Filialen – etwa 44 Prozent der deutschen Filialen – werden geschlossen, knapp 12 000 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, das heißt, etwas weniger als die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland (46,5 Prozent) wird gefeuert. Geiwitz peilt an, bis Ende März das Sanierungskonzept – inklusive des Stellenabbaus und der Filialschließungen – geregelt zu haben. Was das für das bereits ausgedünnte Filialnetz in der Region zu bedeuten hat, steht in den Sternen. Wo schließt Schlecker?

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