Neu-Ulm Leben Verheiratete länger – oder kommt es ihnen nur so vor? Kann man die globale Erwärmung an der Länge der Unterhose erkennen? Wie würde das romantischste Liebespaar aller Zeiten – Romeo und Julia – nach zwei Kindern im zehnten Ehejahr in einem zehnstündigen Stau am Brenner miteinander umspringen? Dr. med. Eckart von Hirschhausen – ja, er ist wirklich Arzt! – ist seit über 15 Jahren als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Jetzt auch in Neu-Ulm.
Mit dem aktuellen Bühnenprogramm „Liebesbeweise” gastierte er in der Ratiopharm Arena, wo er mit der fantastischen „Christoph Reuter Band“ für ein gut gelauntes Pointenfeuerwerk sorgte. Das Wechseln eines Wissenschaftlers wie Eckart von Hirschhausen ins Kabarettfach besitzt einen ganz eigenen Reiz. Seine Pointen bauen sich nicht allein auf Witzeleien, Sprachspielen oder Klischees und Kalauereien auf, wie sie im Comedy-Bereich zu diesem Thema die Regel zu sein scheinen. Auf weise und augenzwinkernde Art beleuchtet er auf stabiler Faktenbasis alle erdenklichen Aspekte des menschlichen Liebeslebens. Und demaskiert mit ebenso unorthodoxen wie originellen Sichtweisen scheinbare Wahrheiten. Menschen lieben Bekanntes, das auf neue Art und Weise variiert wird; das ist auch das Rezept für Hirschhausens gelungenen Abend. Pfiffig zerlegt Hirschhausen die „Perlen“ deutschen Schlagerliedguts, moniert die schiere anatomische Unmöglichkeit des Herzschmelzers „Dein ist mein ganzes Herz“ („völliger Quatsch!“) und seziert die drei Schlagerkategorien: Sing schnell weiter, bevor jemand realisiert, dass du nur Unsinn singst. Sing undeutlich, dann versteht jeder, was er will und fühlt sich verstanden. Sing englisch, dann hört sich generell alles intelligenter an.
Eingangs fragte im Bühnenhintergrund ein Beamer-Warm-up „Was macht der Flügel auf der Bühne? Hoffentlich singt der Hirschhausen nicht auch noch!“ Doch. Er sang. Und deutschte mit Christoph Reuter einen allbekannten Gershwin-Song und einen Reggae-Hit ein: „Heirate lieber eine Frau, die hässlicher ist als du, dann bleibt sie für immer bei dir!“
Hirschhausen nimmt sein Publikum mit. Er will eine Botschaft anbringen, anstatt über die Köpfe hinweg eine eitle Gagshow abzuliefern. So streut er immer wieder auch nachdenkliche Momente ein. „Immer nur gegen etwas sein, ist langweilig“, sagt er, fordert auf: „Wir sollten auch mal sagen, was wir schön finden“ – und lockt: „Die Gegenwart ist ein Geschenk, das wir nicht unausgepackt lassen sollten!“ Klingt nach Motivationstrainer. Und ein bisschen ist es das auch. Hirschhausen macht gute Laune, pflanzt effektiv die Erkenntnis in die Köpfe, dass alles halb so schlimm ist. Hirschhausen drückt die „Reset-Taste Humor“. Seine „getanzte Statistik“ erklärt auch dem größten Mathematik-Analphabeten die Gauß’sche Normalverteilung; das „Y“-Chromosom als weibliches DNS-Backup versteht jeder. Verblüffend der Gedanke, dass es keine Kriege und Krisen gäbe, wenn sich der Mensch auf sein Talent zum Humor verließe.
Ob die Botschaft in Politikerkreisen ankommt, weiß man nicht; Hirschhausen selbst tut neben der Fernseh- und Bühnenarbeit das Seine zur Weltverbesserung mit seiner Stiftung „Lachen hilft heilen“, die er selbst großzügig finanziert und die kranken Kindern und Heimpatienten im Stile eines Patch Adams das Lachen zurückgeben will. Das gemeinsame Lachen ist der schönste Liebesbeweis.
Wenn man den Weg Hirschhausens durch seine Programme verfolgt, fällt auf, dass er immer lockerer, immer pointierter geworden ist. Viel Applaus für einen großartigen Abend „Edutainment“.