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Marktlücke I: Zuckerperlen und Stöckelschuhe

Marktlücke I

Zuckerperlen und Stöckelschuhe

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    Sengül Akbas, „Cake Designerin“ aus Ulm. Kunstwerke aus Zucker in bunten Farben sind ihr Metier.
    Sengül Akbas, „Cake Designerin“ aus Ulm. Kunstwerke aus Zucker in bunten Farben sind ihr Metier.

    Ulm Die Schubladen in der kleinen Werkstatt stecken voller Farbe: rote, grüne, gelbe und blaue Pompons, rosa Federn, Regenbogen-Perlen, goldener Glitzer. Auf einem Regal thronen schwarz-weiße Hochzeitsfiguren. Eine Bastelwerkstatt – für Torten: Sengül Akbas fertigt dort Kunstwerke aus Zucker und Teig.

    „Backen kann ich gar nicht“, gesteht die 32-Jährige, „aber gebastelt habe ich immer mit Leidenschaft.“ Deshalb hat sie sich mit ihrer Idee selbstständig gemacht: Fertige Tortenböden veredelt sie mit Cremefüllung und aufwendigen Dekorationen. Für Hochzeiten, Geburtstage, Kommunion und Jubiläen. „So eine Torte ist ein ganz persönliches Einzelstück“, erzählt Akbas.

    Trifft man sie in ihrer Werkstatt, sprudelt die 32-Jährige vor Energie. Eigentlich ist sie gelernte Bürokauffrau, war Fitnesstrainerin. Dann hat ihre Cousine aus der Türkei sie ermutigt, ihr Hobby – Torten selbst zu gestalten – zum Beruf zu machen, so wie sie selbst. Allerdings ist das ohne eine Ausbildung als Konditorin nicht einfach. Der Kampf mit den Behörden begann: Ein eigener Raum war nötig, ein Heißwasseranschluss, eine Prüfung. Kurzerhand legte ihr Mann Ugur eine Wasserleitung in einen Kellerraum des Hauses, baute um, schuf ein kleines Refugium für die Tortendesignerin.

    Jede einzelne Rose ist selbst gefertigt

    „Das war richtig schwierig, aber ich dachte mir, irgendeinen Weg muss es doch geben, auch wenn man den Beruf nicht gelernt hat“, erzählt Akbas. Geschafft hat sie es – und konnte Ende Januar ihre Eröffnungsparty feiern, mit großem Tortenbuffet und vielen Freunden und Bekannten.

    Sengül Akbas nimmt eine der selbst gerollten roten Rosen aus Zuckermasse zwischen die Finger, platziert sie auf einer weißen Torte mit mehreren Stockwerken. Das Tortengestalten hat bei ihr nichts mit Backen zu tun, es ist vor allem eine Geduldssache. Die fertigen Böden bekommt sie von der Bäckerei Staib, dann füllt sie sie mit einer Creme und macht sich an das Gestalten. „Sechs bis sieben Stunden kann das bei einer großen Torte schon dauern, das muss man eben einfach mögen“, sagt sie und lacht.

    Figuren und Verzierungen fertigt Akbas aus Fondant, einer Zuckermasse ohne Gelatine, die je nach Wunsch eingefärbt wird. So wird jede Rose anders, jede Figur persönlich. „Wenn man so eine Torte geschenkt bekommt, dann vergisst man das nicht wieder“, erzählt sie. Sie nimmt sich Zeit, das Design vorher genau zu besprechen: „Das kann auch mal eineinhalb Stunden dauern, wenn der Kunde sich nicht gleich entscheiden kann.“

    So viel Handarbeit und Geduld haben ihren Preis, aber noch setzt Sengül Akbas diese nicht so hoch an. Eine kleinere runde Torte mit Verzierung beginnt beispielsweise beginnt bei fünfzig Euro, eine mehrstöckige Hochzeitstorte dagegen kostet durchaus um die 250 Euro.

    Schwester hilft ihr bei der Internetseite

    Einfach ist es nicht, sich über den Bekanntenkreis hinaus einen Namen zu machen. Deshalb fertigt Akbas zurzeit einige Torten in Eigenregie an, wenn sie weiß, dass ein Unternehmen Jubiläum feiert – und hofft, mit dem Geschenk im Gedächtnis zu bleiben. Ihre Schwester Ayfer Yüksel unterstützt sie bei der Gestaltung der Homepage und der Produktpalette. Die 36-Jährige ist begeistert vom Engagement ihrer Schwester: „Es ist richtig spannend zu sehen, wie sie aus dem Nichts etwas aufgebaut hat“, sagt sie.

    Sengül Akbas hofft, dass sie in Ulm und Umgebung bald bekannt ist. Wichtig ist ihr aber vor allem eines: „Der, der die Torte bekommt, soll merken, dass sie etwas Besonderes ist.“

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