Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten

NUZ-Reihe Dorfkirchen: Zwei Altarflügel für 1000 Mark

NUZ-Reihe Dorfkirchen

Zwei Altarflügel für 1000 Mark

  • |
  • |
  • |
    Die Pfarrkirche St. Laurentius am westlichen Ortsrand von Attenhofen.
    Die Pfarrkirche St. Laurentius am westlichen Ortsrand von Attenhofen. Foto: Fotos: grr

    Attenhofen Die Laurentiuskirche in Weißenhorns Stadtteil Attenhofen überrascht den Besucher durchaus. Solchen Schatz an ausgeprägt qualitätvoller Kunst mag er in einem Dorfkirchlein kaum erwartet haben. Dabei hat St. Laurentius schon manches eingebüßt von seinen spätgotischen Ausstattungsstücken.

    Errichtet wurde der Kirchenbau wohl gegen Ende des 15. oder gleich nach Beginn des 16. Jahrhunderts. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche als baufällig beschrieben. Die Renovierung musste aber bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts warten. Die Kirche sei nun in gutem Zustand, hieß es 1675 in einem Visitationsbericht. Allerdings müsse nun der Turm repariert werden. Umgebaut und verlängert wurde die erneut baufällig gewordene Kirche 1752. Zugleich erhielt der Turm den achteckigen Aufsatz und die Kuppelhaube. Mit dem Umbau kam auch Weißenhorns Kirchenmaler Franz Martin Kuen in Arbeit. Er malte die Langhausdecke mit Szenen aus dem Leben des heiligen Laurentius aus. Wie zuvor schon im Wiblinger Bibliothekssaal und in der Illertisser Schlosskapelle versäumte er nicht, auch noch ein Selbstporträt über der Westempore ins Bild einzufügen.

    Kuens Fresko „Mariens Himmelfahrt“ an der Chordecke ging verloren und wurde 1908 von dem Münchner Maler Friedrich Wirnhier neu aufgemalt. Ende des 18. Jahrhunderts kamen drei neue Altäre in die Kirche. Konrad Huber wurde als Maler der Altarblätter berufen. Er hatte 1773 nach Kuens frühem Tod dessen Werkstatt in Weißenhorn übernommen und die Witwe Anna Kuen geheiratet. Möglich, dass dem Einzug der drei neuen Altäre der spätgotische Schnitzaltar im Chor als nicht mehr zeitgemäß zum Opfer fiel. Entstanden war er um 1520 in der Ulmer Werkstatt des Niklaus Weckmann. Jedenfalls wurde der Altaraufsatz zerpflückt, wobei beträchtliche Teile verloren gingen. In Attenhofen selbst blieben nur die Marienfigur aus dem Mittelschrein und die Apostelgruppe der Predella, die in ein schlichtes kleines Holzschiff versetzt wurde. Zwei Altarflügel hat im Jahr 1886 das Ulmer Museum für 1000 Mark von einem Antiquitätenhändler erworben und somit gerettet. Sie zeigen Reliefs der Geburt Christi und der Anbetung der Könige, die wohl schon um 1495 in der Ulmer Werkstatt Gregor Erharts entstanden sind.

    Bemerkenswerte Arbeiten erhalten

    In Attenhofens Laurentiuskirche sind trotz Verlusts des spätgotischen Hochaltars bemerkenswerte Arbeiten erhalten. Der Chorbogen trägt einen Salvator aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und einen heiligen Laurentius aus der Zeit um 1510. An der Nordwand thront eine Muttergottes, deren Kind in der einen Hand eine Erdkugel balanciert, mit der anderen in ein von der Mutter gehaltenes Buch greift. Die Skulptur wurde wohl ebenfalls um 1510 in der Ulmer Werkstatt des jüngeren Jörg Syrlin geschnitzt. An der rechten Seitenwand schließlich ist das „Apostelschiff“ verankert mit Jesus und den zwölf Jüngern darin, die zuvor die Predella des Hochaltars gebildet hatten.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden