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Ulm

06.05.2020

Nach 50 Jahren: Ulm bekommt eine neue Fußgängerzone

Der McDonald’s-Container in der Bahnhofstraße. Im Sommer, wenn die Fast-Food-Filiale umgezogen ist, soll diese Übergangslösung weichen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Bahnhofstraße und Hirschstraße in Ulm sollen neu gestaltet werden. Noch sind viele Fragen offen, doch die ersten Arbeiten in der Fußgängerzone beginnen bald.

Seitdem die Ulmer Fußgängerzone vor fast 50 Jahren angelegt wurde, hat sie sich kaum verändert. Jetzt planen Stadtverwaltung und Gemeinderat eine Erneuerung, die die Ulmer Innenstadt für die nächsten 40 Jahre prägen soll. Denn die Fußgängerzone bildet aus der Sicht von Chefstadtplanerin Carola Christ das Rückgrat zwischen Bahnhof und Münsterplatz. Eine erste kleine Maßnahme steht im Sommer an.

Die McDonald’s-Filiale wird aus ihrem Container in der Mitte der Hirschstraße in die Sedelhöfe ziehen. Vier Wochen nach der für Juli geplanten Eröffnung des neuen Einkaufsquartiers gegenüber dem Hauptbahnhof muss der Container weg sein, das sieht die Vereinbarung zwischen der Stadt und der Fast-Food-Kette vor. Spätestens im September werde der Container abgebaut, erwartet Baubürgermeister Tim von Winning. Verzögerungen ist man in Ulm gewöhnt. Und dann?

Hirschstraße und Bahnhofstraße in Ulm werden neu gestaltet

Der Gemeinderat hat eine Prioritätenliste für seine Großprojekte angelegt. Nach der käme die Fußgängerzone erst 2027 an die Reihe, doch das könnte sich ändern. Vertreter fast aller Fraktionen machten in der Bauausschusssitzung am Dienstag deutlich: Hirschstraße und Bahnhofstraße sind zu wichtig, um länger brachzuliegen. Die jüngsten Entwicklungen befeuern diese Sicht. Die Geschäfte in den Sedelhöfen könnten den Innenstadt-Händlern das Leben schwermachen. Und durch die Corona-Krise sind deren Umsätze massiv eingebrochen. Man müsse Bürgern und Händlern ein Signal senden, forderten Stadträte wie Dorothee Kühne (SPD), Günter Zloch (CDU/Ulm für Alle) oder Lena Schwelling (Grüne).

Der McDonald’s-Container in der Bahnhofstraße. Im Sommer, wenn die Fast-Food-Filiale umgezogen ist, soll die Übergangslösung weichen.
Bild: Alexander Kaya

Chefstadtplanerin Christ skizzierte, was die Verwaltung in die Planungen einfließen lassen will: eine bessere Begehbarkeit, eine höhere Aufenthaltsqualität, mehr Grün, mehr Schatten, Regenwassermanagement und Digitalisierung. „Wir sollten die Chance nutzen, die Innenstadt ein Stück zukunftsfähiger zu machen“, sagte Christ.

Neue Fußgängerzone für Ulm: Wichtige Fragen sind noch offen

Offen bleiben aber zwei Grundsatzfragen: Wie wird das Ganze finanziert? Und für wen wird die Innenstadt überhaupt zukunftsfähig gemacht? Denn der stationäre Einzelhandel verändert sich, Dienstleistungen bekommen eine größere Rolle. Die Innenstadt soll dennoch in jedem Fall lebhaft bleiben, davon sind die Stadtpolitiker überzeugt. Eine Verödung dürfe es nicht geben. „Deswegen müssen wir schnell handeln“, betonte Günter Zloch.

Zur Frage der Finanzierung sollen die Haushaltsberatungen ergeben, wann wie viel Geld für den Umbau zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang sollen auch Fördermöglichkeiten sollen geklärt werden. Die Immobilienbesitzer müssen wohl nicht mitzahlen. Denn einige von ihnen müssten freiwillig dazu bereit sein, damit die übrigen in die Pflicht genommen werden können. Der Baubürgermeister fürchtet bei dem entsprechenden Verfahren eines sogenannten Business Improvement Districts Verzögerungen und im Falle einer Einigung einen Schmalspurumbau. Der sei nicht im Sinne der Stadt. Doch auch wenn alles schnell und im Sinn der Planer läuft: Vor 2024 oder 2025 werden die Arbeiten nicht beginnen, ist von Winning überzeugt.

Ulm: McDonald's zieht in die Sedelhöfe, Container wird abgebaut

Erste Schritte auf dem Weg dorthin sind Abmessungen, Ermittlungen und Begutachtung von Zugängen, Leitungen, Bäumen und mehr. Dann soll es eine Bürgerbeteiligung, verschiedene Anhörungen und schließlich einen Architektenwettbewerb zur Gestaltung geben.

Bis alles abgeschlossen ist, soll die Fläche, auf der jetzt der McDonald‘s-Container steht, aber nicht brachliegen. Auch eine Rückkehr zum früheren Klinkerboden wird es nicht geben – schon allein deshalb, weil dieser Belag wohl gar nicht mehr verfügbar ist. Stattdessen haben die Räte als Interimslösung für die Fläche eine geschwungene Sitzbank mit Holzoberfläche, Spielelementen und Bäumen ausgesucht, die auf einem Sand- oder Kiesboden steht. Die Bäume sollen in Trögen in den Boden gesetzt werden, sagte Peter Rimmele, der in der Stadtverwaltung für Stadtplanung und Baurecht in der Innenstadt verantwortlich ist. So könne man sie bei der endgültigen Umgestaltung der Fußgängerzone wieder versetzen. Die vorgesehenen Spielelemente hätten einen skulpturalen Charakter und einen ästhetischen Vorteil. Rund 90.000 Euro soll diese Übergangslösung kosten.

Daran gab es auch Kritik: Gerhard Bühler (FWG) erinnerte an die anstehende Fassadenrenovierung des Modehauses Peek & Cloppenburg und den Neubau der Neuen Apotheke. Rund um die Fläche werde es also weiter Baustellen geben. „Bringt’s das?“, fragte Bühler und bemängelte auch den Boden: Der bringe im Sommer viel Staub und bei Regen viel Schmutz. Dorothee Kühne hielt dagegen: „Wenn wir das jetzt nicht machen, müssten wir ein Schild hinstellen: Leute, es wird mal ganz schön.“ Letztlich stimmten die Stadträte der Zwischenlösung einstimmig zu – genauso wie den Planungsschritten für das neue Rückgrat der Innenstadt.

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