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Neu-Ulm: Als Neu-Ulm zur Kino-Stadt wurde

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Als Neu-Ulm zur Kino-Stadt wurde

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    Neu-Ulms drittes Kino, das Metropol, stand ab 1950 an der Krankenhausstraße. 15 Jahre später wurde es geschlossen, weil der Platz für den neuen Wohnkomplex Donau-Center gebraucht wurde.
    Neu-Ulms drittes Kino, das Metropol, stand ab 1950 an der Krankenhausstraße. 15 Jahre später wurde es geschlossen, weil der Platz für den neuen Wohnkomplex Donau-Center gebraucht wurde. Foto: Gerrit-R. Ranft (Repro)

    Zwischen April und September 2019 feiert Neu-Ulm sein Jubiläum „150 Jahre Stadterhebung“. Die Neu-Ulmer Zeitung, die nächstes Jahr 70 Jahre alt wird, wirft in den kommenden Monaten ein paar Blicke in die Vergangenheit der Kommune, in ihre Gegenwart und – so weit möglich – in die Zukunft. Heute: eine kleine Neu-Ulmer Kinogeschichte.

    Das erste Neu-Ulmer Kino trug unter dem Namen „Bayern-Lichtspiele“ die Adresse Schützenstraße 29, eröffnet am Samstag, 16. Oktober 1926, nachmittags um 18 Uhr, von Direktor Karl Spitz. Gezeigt wurde laut einer Annonce im Neu-Ulmer Anzeiger „Der gewaltige Monumental-Film ‚Sibirien’, 6 Akte aus Rußlands Tyrannei“. Platz fanden in dem schlichten Saal gut 250 Besucher auf einfachen Kaffeehausstühlen. Die waren rückseitig mit Holzlatten zusammengenagelt, damit sie in Reih und Glied stehen blieben. Direktor Spitz trennte sich nach nur zwei Monaten von Vorführgerät und Zuschauern. Der neue Inhaber A. Neumeier setzte ins Weihnachtsprogramm 1926 „den neuesten Fox-Großfilm ‚3 ehrliche Banditen’“, dazu das Lustspiel „Sami macht’s“ und den Kulturfilm „Die Geschichte vom Eis“. Neumeiers Nachfolger am Projektor wurde Lazarus Port, der die Lichtspiele ins Jahr 1928 führte und an Dreikönig ein „großes Doppelprogramm“ aufbot. „Der Bandit“ – „ein sensationelles Wildwest-Drama in sechs Akten“ und „Cohen contra Miller“ – „ein Film zum Totlachen in acht Akten“. Die „Akte“ waren nichts weiter als Unterbrechungen in der Filmvorführung. Die waren nötig, um am einzigen Projektor des Kinos die Filmspulen wechseln zu können. Bis ins Jahr 1930 hinein drohte den Lichtspielen immer wieder das vorzeitige Aus, was mit dem ständigen Besitzerwechsel gut dokumentiert ist.

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    Dann kam Fritz Pitz. Der gebürtige Mainzer des Jahrgangs 1899 hatte schon seit 1921 gemeinsam mit seinem Bruder in Heilbronn ein kleines Kino unterhalten – das Filmtheater „Zum Kilian“. Die Neu-Ulmer Bayern-Lichtspiele waren im Filmkurier zum Verkauf angeboten worden. Fritz Pitz griff zu und übernahm Ende 1928 die Anlagen in der Schützenstraße 29. Noch Jahrzehnte später erinnerte sich Pitz im Gespräch mit der Neu-Ulmer Zeitung, das Kino habe einen schlechten Eindruck auf ihn gemacht. So schmiss Pitz erst mal die billigen Kaffeehausstühle aus dem Saal und besorgte ordentliche Bestuhlung für nun rund 300 Besucher. Dann gab er dem Haus den neuen Namen „Bayern-Kino“. Doch auch Pitz hatte – wie die Vorgänger – seine liebe Not mit dem Lichtspielhaus. Zwar schaffte er zugleich mit dem Umbau seines Hauses einen zweiten Projektor an, sodass nun pausenloses Kino möglich war. Dennoch brauchte Pitz zwei ganze lange Jahre, ehe der Durchbruch gelungen war. Mit seinem Kino war er mitten in die Weltwirtschaftskrise geraten, mit hoher Arbeitslosigkeit und Geldknappheit. Immer mal wieder fielen Vorstellungen mangels Besuchern aus. Die Eintrittspreise lagen je nach Sitzreihe zwischen 60 Pfennig und einer Mark, für Arbeitslose bei 40 Pfennig.

    Dann kam der Zweite Weltkrieg. Auch Fritz Pitz zog die Uniform über. Seine Ehefrau Maria, die als Platzanweiserin bei ihm angefangen hatte und mit der er seit 1930 verheiratet war, führte das Kino durch den Krieg. Das Ende kam im April 1945. Im letzten Luftangriff der Alliierten auf die Städte Ulm und Neu-Ulm wurde das kleine Kino in der Schützenstraße 29 zerschlagen. Fünf Jahre musste Pitz nach Kriegsende warten, ehe er am 5. April 1950 seine Projektoren im neu errichteten „Metropol“ an der Krankenhausstraße mit dem Film „Das kleine Hoftheater“ wieder anlaufen lassen konnte. Als Kinobesitzer war er unter dem Nationalsozialismus Mitglied der Reichsfilmkammer gewesen. Die amerikanische Besatzungsmacht zögerte deshalb erst mal mit der neuen Lizenz.

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    Ein halbes Jahr vor dem Metropol hatte im November 1949 schon das „Centraltheater“ an der Reuttier Straße 3 als „eines der modernsten Filmtheater Süddeutschlands“ seine Pforten geöffnet. Beide Kinos sind seit Langem verschwunden. Das Metropol schloss seine beiden großen Flügeltüren an Silvester 1965 für immer – nicht wegen fehlender Zuschauer. Der Grundstücksbesitzer hatte den Pachtvertrag nicht verlängert. An der Ecke Krankenhaus-/Marienstraße sollte der Wohnkomplex „Donau-Center“ entstehen. Da war das Kino im Weg. Das Centraltheater an der Reuttier Straße unweit des Augsburger Torplatzes hielt noch ein paar Jahre durch, schaltete 1974 jedoch auch seine Projektoren ab und startete sie nie mehr. „Das Pantoffelkino war stärker als wir Kinoleute“, fasste Fritz Pitz später einmal die Entwicklung der Filmpaläste zusammen. Die Geschichte der Neu-Ulmer Lichtspielhäuser führt seit 1993 das Dietrich-Theater im Wiley weiter, nach eigenen Angaben „größtes Multiplexkino in Schwaben“.

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