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Neu-Ulm: Donaucenter: Prima Klima für die Legionellen

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Donaucenter: Prima Klima für die Legionellen

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    Das Neu-Ulmer Donaucenter ist mit Legionellen verseucht.
    Das Neu-Ulmer Donaucenter ist mit Legionellen verseucht. Foto: Alexander Kaya

    Die schlechte Isolierung der Rohre im mit Legionellen verseuchten Donaucenter ist aus Sicht von Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Infektiologie und Infektionsschutz der Universität Bonn, schuld an dem Desaster. Der als "Wasserpapst" geltende Exner war Redner beim Symposium "Krankenhausinfektionen" im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus.

    Die schlechte Isolierung der Rohre hätte zu einer Warmwassertemperatur von rund 45 Grad und einer Kaltwassertemperatur von rund 28 Grad geführt. Bestes Klima für Legionellen, die sich laut dem Wissenschaftler "explosionsartig" vermehren können. Im Grunde entspräche das Donaucenter einem Zustand, der den technischen Regeln nicht gerecht werde, so der Professor. Er führe das noch auf unachtsames Bauverhalten der 70er-Jahre zurück. "Die heutige Legionellenproblematik ist die Asbestproblematik der 80er-Jahre."

    Isolierung oder neue Leitungen als mögliche Lösung

    Das sind Legionellen

    Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Süßwasser vorkommen.

    Sie können sich beispielsweise in Duschen, Whirlpools oder in Klimaanlagen vermehren.

    Zu einer Erkrankung bei Menschen kann das Einatmen von bakterienhaltigem Wasser in Form feinster Tröpfchen führen.

    Legionellen können sowohl eine schwere Lungenentzündung (die sogenannte Legionärskrankheit) als auch das Pontiacfieber, eine grippeähnliche Erkrankung, verursachen.

    Erstmals wurden Legionellen im Juli 1976 im Bellevue-Stanfort Hotel in Philadelphia gefunden. Dort erkrankten beim 58. Kongress amerikanischer Ex-Soldaten (American Legion) 180 Delegierte, 29 starben.

    Es sei wichtig, dass versierte Fachleute bei der Risikoanalyse die zentralen Bereiche des Wassersystems des Gebäudes sanieren, sagt der Wissenschaftler. Oft werden aus den Tiefen des Systems laufend Legionellen nachgeliefert. Durch Isolierung oder durch neue Leitungen könne man im Donaucenter das Problem beheben. Den Bewohnern rät der Wasserexperte, sich mit Wasserfiltern für Dusche und Armaturen auszustatten. Außerdem sei ein dezentraler Boiler in der Wohnung hilfreich. So könne man das Warmwasser auf über 60 Grad Celsius erhitzen und die Legionellen damit abtöten. Kaltwasser würde er so lange ablaufen lassen, bis die Temperatur des Wassers deutlich unter 20 Grad falle und den Bakterien so keine Überlebenschance geboten werde. Exner: "Es ist ebenfalls Aufgabe des Betreibers die Betroffenen ausreichend über ihre Möglichkeiten und die Risiken zu informieren." Über Aerosol, also Wasserdampf, können die Bakterien in die Lunge geatmet werden und eine Lungenentzündung oder das Pontiac-Fieber verursachen. Vor allem Raucher oder immunschwache Menschen seien gefährdet.

    Kritik an der Politik: Noch immer keine Meldepflicht

    Ein schlechtes Zeugnis stellte Exner den Politikern in Sachen Umgang mit dem Thema Trinkwasserhygiene aus. So kritisierte er, dass es noch keine Meldepflicht über Legionellenausbrüche gebe. Exner - damals Gutachter - erinnerte an den größten bundesrepublikanischen Ausbruch einer Legionellen-Epidemie nur einen Katzensprung vom Donaucenter - einem Kühlturm in der Ulmer Olgastraße - entfernt: Insgesamt 64 Personen erkrankten an einer durch das Bakterium verursachten schweren Lungenentzündung, fünf von ihnen starben.

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