Wenn Sascha Grammel bei seinem aktuellen Programm „Keine Ahnung“ die Puppen tanzen lässt, füllen sich selbst große Hallen wie die Ratiopharm-Arena. Dass ein Bauchredner so erfolgreich sein könnte, hätte er vor einigen Monaten selbst noch nicht geglaubt, gesteht der erfolgreiche Künstler verlegen vor dem ausverkauften Saal.
Ein ganz normaler Bauchredner ist Grammel freilich nicht: Durch vermeintlich banale Dialoge mit seinen Figuren wie „Doktor Hacke“, dem forschenden Cheeseburger, einem musikalischen Außerirdischen oder dem vorlauten Raben „Frederik“ lässt er scheinbar spontane Situationen entstehen. Der Zuschauer vergisst schon nach den ersten Augenblicken, dass Grammel nur eine Puppe aus Pappmasche in der Hand hält. Wenn etwa Rabe Frederik sich über die „peinliche Hamsterfrisur“ seines Puppenspielers auslässt. Grammel versucht schließlich mit seinem Bühnenpartner „Ich packe einen Koffer“ zu spielen: „Ich packe ein Auto in meinen Koffer“ sagt der Rabe. Das sei doch doof, antwortet Grammel. Doch Frederik entgegnet „Warum schreibst du dann so etwas Doofes in meinen Text?“
Grammel setzt in seiner Show nicht auf alberne Anekdoten. Nein, allein die absurde Tatsache, dass ein erwachsener Mensch mit einer Puppe redet, die in Perfektion menschliche Züge trägt, ist der eigentliche Inhalt seines durchgehend gelungenen Programms. „Ein bisschen bekloppt ist das schon“, räumt selbst Grammel im Gespräch mit seinem schwarz gefiederten Gefährten ein. Doch die Zuschauer bleiben ja trotzdem noch da, lautet die Antwort, die Rabe Frederik ausspricht.
Köstlich amüsant auch der Auftritt der von Liebeskummer geplagten „Josie“. Im Hochzeitskleid singt sie von den großen Gefühlen einer kleinen Schildkröte. Bei der Annäherung an den Außerirdischen „Schröder“ gelingt es Grammel sogar, allein durch lange Textpausen sein Publikum zum Lachen zu bringen. „Ich habe Sie schon verstanden, ich musste mir nur Ihre Sprache runterladen“, erklärt „Schröder“ schließlich.
Grammel und seine „Freunde“ verabschieden sich nach mehr als zwei Stunden von einem verzauberten Publikum, das sich von der Leidenschaft und Fantasie des Puppenspielers anstecken ließ, mit den Worten: „Ihr macht es möglich, dass ich jeden Abend meinen Traum wahr werden lassen kann.“ So gehören Puppen nicht nur ins Kinderzimmer.