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Ulm

05.05.2018

Poetry Slam im Roxy: Von Einhornkotze und Klitoris-Wühltisch

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2 Bilder
Alex Simm war der erste Poetry Slammer, der am Donnerstag bei der Landesmeisterschaft im Roxy auf der Bühne stand.
Bild: Felix Oechsler

Künstler eröffnen die Baden Württembergische Landesmeisterschaft im Roxy mit kontroversen Themen und viel Wortwitz.

Das Leben von Emo-Einhorn Erna ist die erste Welt, in die die Zuschauer eintauchen – und die ist zwar farbenfroh, aber für Erna nicht besonders paradiesisch. Ihre Artgenossen würden zwar alle „Regenbogen kotzen“, das traurige Fabeltier Erna sich jedoch die Hufe ritzen. Alex Simm lässt Ernas Geschichte in ausdrucksstarken Sätzen lebendig werden – und zwar im Rahmen seines Auftritts bei der baden-württembergischen Landesmeisterschaft im Poetry Slam – zu Deutsch: Poesiewettstreit. Dessen Auftaktveranstaltung fand am Donnerstagabend im Ulmer Roxy statt.

Simm, der nach der Eröffnungsrede von Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann als erster Interpret die Bühne betritt, beginnt sein Gedicht mit den Worten „Hier hat keiner Angst vor Kitsch.“ Der amtierende Slam-Meister, der auch Lehrer ist, zeigt damit, dass er weiß, was bei jungen Leuten ankommt – Einhörner liegen auf Facebook und Instagram gerade voll im Trend. Er spricht außerdem von seinem Berufsalltag, Helikoptereltern und davon wie heutzutage jeder denke, etwas ganz Besonderes zu sein.

Auch Nektarios Vlachopoulos hat als Lehrer gearbeitet – und auch er sitzt damit an der Quelle der Themen, die die Jugend beschäftigen. Bei seinem Auftritt amüsiert er sich über den Versuch, sein Leben als Lehrer und Privatperson unter einen Hut zu bringen. Da geht es um Studentenparties, für die er eigentlich zu alt sei, Fitnessbesuche, die er vor seinen Schülern geheim halten müsse, aber auch um Vorurteile, Stereotypen und Rassismus.

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Agnes Meier ist die einzige Frau, die an diesem Abend auftritt. Sie hat vergangenes Jahr die Poetry Slam Meisterschaft in Österreich gewonnen. Im Roxy kritisiert sie an diesem Abend mit vielen Wortwitzen wie „Hashtag, was ist eine Raute?“ und „Die Wahrheit ist, schon damals hat mein Referat Wikipedia geschrieben“ die Früher-war-alles-besser Nostalgie ihrer Mitmenschen. Besonderen Beifall von den Zuhörerinnen erhält Agnes Meier für ihr Gedicht über die weibliche Sexualität. Dabei berichtet sie von den Leiden der Klitoris und wie diese von vielen Männern als Wühltisch missverstanden werde.

Frank Klötgen, Slam-Poet und Musiker, sinniert über die Rache getöteter Hummeln und das Klagen des Paukenspielers, der in seinen musikalischen Fähigkeiten ständig unterschätzt werde. Mit einer Serie kleiner Gedichte beweist er, dass wenige Sekunden reichen, um dem Zuhörer eine Geschichte zu erzählen.

Bastian Böttcher, der 1997 zum ersten deutschsprachigen Poetry-Meister gewählt wurde, verdeutlicht eindrücklich, wie wandelbar die deutsche Sprache ist: Der „Tagtraum“ wird in seinen Werken zum „Traumtag“ und der „Flashmop“ zum „Flop“. Er zeigt wie nahe die Wörter „einfach“ und „scheinfach“, sowie „Wein“ und „Schwein“ sprachlich – aber auch bedeutungsmäßig – beieinander liegen.

Dass das Spiel mit der Sprache nicht nur von Dichtern beherrscht wird, zeigt aber auch die Band „Die Songlotterie“: Diese improvisiert in den Pausen mithilfe der Zurufe aus dem Publikum. Auf Wunsch der Zuhörer im Roxy müssen sich die Musiker demnach spontan Lieder einfallen lassen, die unter anderem von Politik, Länderfinanzausgleich und Bananenbrot handeln. Die Band rundet damit einen Abend ab, der ganz im Zeichen der Sprache sowie deren Magie und Wandelbarkeit steht.

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