1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Rabbiner loben Ulms Engagement

Konferenz

31.05.2019

Rabbiner loben Ulms Engagement

Der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik zeigte seinen Kollegen die Stätten jüdischen Lebens in Ulm.
Bild: Kaya

50 jüdische Gelehrte tagen. Kippa-Debatte überlagert Treffen

Als starkes Zeichen der Verbundenheit mit den Juden hat der Vorsitzende der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Rabbiner Menachem Margolin, das persönliche Engagement von Oberbürgermeister Gunter Czisch und den Empfang von 50 Rabbinern in der Donaustadt gewürdigt: Czisch hatte die Teilnehmer einer Rabbiner-Konferenz am Dienstag im Rathaus begrüßt. In der aktuellen Debatte um das öffentliche Tragen der Kippa seien deutliche Botschaften wie jene aus Ulm wichtig, so Margolin.

Während der dreitägigen Konferenz beschäftigten sich die Teilnehmer mit Fragen des jüdischen Reinheitsgebots, der Beerdigungsrituale und der Kleidung. Vier Experten aus New York, Israel und London standen als Gesprächspartner und für Vorträge zur Verfügung. Bereits am Montagabend hatte der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik seinen Kollegen die Stätten jüdischen Lebens in Ulm gezeigt.

Überlagert war die Tagung durch die aktuelle politische Diskussion um das öffentliche Tragen der Kippa: Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte in der vergangenen Woche dazu geraten, Juden sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen. Er begründete dies mit der „zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung“, die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei. „Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen“, sagte Klein. 2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark angestiegen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Der CER-Vorsitzende, Rabbiner Menachem Margolin, lobte nach der Konferenz den Ulmer OB Czisch: „Wir waren berührt, dass das Stadtoberhaupt von Ulm, einer Stadt mit langer jüdischer Geschichte, seine Solidarität mit uns gezeigt hat“, sagte er und fügte hinzu: „Dies ist eine Botschaft, für die auch andere Politiker und Vertreter gesellschaftlichen Lebens eintreten sollten, anstatt eine Botschaft der Niederlage gegen den Extremismus zu verbreiten, indem sie Juden auffordern, ihre Identität zu verbergen.“

Der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik hält allein schon die Debatte darüber, welche Kleidung man trägt, für falsch. Auch den Aufruf, dass Deutsche am Samstag aus Solidarität Kippa tragen sollen, sieht er kritisch. „Ulm ist ein sicherer Hafen – mitten in Deutschland, mitten in Europa. Aber auch, wenn in Ulm noch nichts spürbar ist von solch einer Vorsicht, macht man sich sicher Gedanken: Wie geht’s weiter?“ Heute habe Ulm wieder eine lebendige und wachsende jüdische Gemeinde mit etwa 500 Mitgliedern. Die neue Synagoge wurde am 2. Dezember 2012 offiziell eröffnet. Die alte Synagoge war 1938 unter den Nationalsozialisten in Brand gesteckt worden. (lmö)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_20190622_214438.tif
Ulm

50er-Bar Swobsters zieht in die Innenstadt

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen