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Sauschdall: Festungswerk der Experimentierfreude

Sauschdall

Festungswerk der Experimentierfreude

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    Megafon und Kerzenschein: Mose live im Sauschdall.
    Megafon und Kerzenschein: Mose live im Sauschdall. Foto: Foto: Marcus Golling

    Ulm Es war ein Saisonauftakt, wie man ihn im Sauschdall nur zu gut kennt. Die Band Mose aus Vorarlberg spielte wunderbar melodische Musik, reduzierte, meist instrumentale Miniaturen, in denen die Soundtracks Ennio Morricones auf kleine Jazzrock-Spitzen treffen. Wieder ein hörenswertes Konzert im ehrwürdigen Jazzkeller, der in zwei Jahren 50 Jahre alt wird. Und wieder eines, das vor gerade mal zwei Dutzend Zuhörern stattfand.

    Nein, leicht hat es der Sauschdall in dem alten Festungswerk an der Prittwitzstraße derzeit nicht, aber auch das hat Tradition. „Im Prinzip müssen wir bei jedem Konzert von einem Vollverlust ausgehen“, erklärt Booker Florian Wieland die schwierige finanzielle Planung. „Das ist bitter, aber das ist so.“ Doch er und das übrige ehrenamtliche Team aus Studenten und Ex-Studenten lassen sich nicht beirren und setzen auch kommende Semester wieder auf eine Mischung aus Jazz, Krautrock-Erbe und elektronischen Klängen – und führt die experimentelle Tradition des Spielorts fort. Mehr als acht Termine pro Semester seien angesichts des Etats von 5000 Euro für das Programm aber kaum möglich, so Wieland. Auch wenn erfahrungsgemäß kurzfristig noch ein paar dazukommen.

    Die sieben verbliebenen Termine des Herbst/Winter-Programms schaffen eine Balance aus bekannten und unbekannteren Künstlern. In Ulm bekannt sind die Post-Rocker von Nufa, die nun allerdings rein instrumental unterwegs sind (8. Oktober). Ches Smith war im Frühjahr bereits als Schlagzeuger von Jazz-Gitarristin Mary Halvorson im Sauschdall, jetzt kommt er mit seiner Band These Arches zurück – mit Halvorson und dem bekannten US-Altsaxofonisten Tim Berne als Stargast (23. Oktober). Einen deutsch-dänischen Kulturaustausch in Sachen Rock und Jazz propagieren Eder und SVIN (18. November).

    Johannes Enders kommt mit seinem Projekt Enders Room

    Nach der freien Improvisation von Sleepthief (25. November) folgt der Höhepunkt des Programms: Enders Room ist das Projekt des Saxofonisten Johannes Enders, den viele Ulmer vor allem durch seien Arbeit mit Joo Kraus kennen. Bei seiner Elektrojazz-Formation steht unter anderem auch Micha Acher (The Notwist) auf der Bühne (9. Dezember). Die Saison endet im neuen Jahr mit der popaffinen Modernjazz-Variante von JazzIndeed (20. Januar) und der Freejazz-Rock-Melange von Lila (28. Januar).

    Auch eine unerwartete, zumindest aber unerwartet schnelle Wiedergeburt erlebt der Sauschdall im Herbst: Die im vergangenen Jahr eingestellten „Sofakonzerte“ im CAT kehren als „Sonntagskonzerte“ eine Etage tiefer weiter. Ein neues Team von sechs Leuten will laut Wieland einmal im Monat „tolle Musik statt langweiligem Tatort“ bringen. Stilistisch soll sich das Programm zwischen Singer/Songwriter und „fluffigem“ Elektropop bewegen. Den Auftakt macht die texanisch-kanadische Folk-Band The Sweetness am 30. Oktober. (mgo)

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