Höhlen faszinieren: Sie waren Wohnstätten der Eiszeitmenschen. In Höhlen entstand der erste Ausdruck von Kunst und Kultur. Die frühesten figürlichen Darstellungen, die Archäologen bisher entdeckten, wurden vor etwa 30000 Jahren in den Höhlen um Ulm geschaffen. Für geologisch Interessierte sind die Höhlen der Region als Reisen durch die Erdgeschichte spannend. Während der Sommerferien stellt die NUZ ihren Lesern Höhlen der Region als Ausflugsorte vor.
Schelklingen Ganz einfach zu finden ist die Abzweigung von der B 492 nicht, die bei der Schelklinger Kläranlage zum Parkplatz der HohleFels-Höhle führt. Dabei ist der Hohle Fels, am rechten Achufer an einem Berghang gelegen, eine Art „Gute Stube“ des Homo sapiens der jüngeren Altsteinzeit: In dieser Höhle wurde am 9. September 2008 die älteste figürliche Darstellung eines Menschen entdeckt, die bisher weltweit bekannt ist, die „Venus vom Hohle Fels“; auch die weltweit ältesten bekannten Musikinstrumente wurden hier gefunden. Die „Venus“ aus Mammutelfenbein ist etwa 40000 Jahre alt, die Flöten aus Schwanenknochen sind ungefähr 36000 Jahre alt.
Wie die Menschen lebten, die beim heutigen Schelklingen diese Flöten spielten, wie sie sprachen, darüber weiß die Gegenwart kaum etwas. Auch nicht darüber, ob die nicht ganz sechs Zentimeter große Venus – die statt eines Kopfes eine ausgearbeitete Öse hat – an einer Kette um einen Hals getragen wurde.
Dass diese Menschen aber extrem kunstfertig waren, zeigen die bisher in dem Hohle Fels gemachten Funde unter anderem eines täuschend echten Wasservogels und eines Pferdekopfes, von denen Nachahmungen im Vorraum der Höhle zu sehen sind – dort, wo die Originale wahrscheinlich gearbeitet wurden. Gegraben wird in dem Hohle Fels jeden Sommer, und das wahrscheinlich noch lange.
Auf einer Grabungsfläche von bisher nur 30 Quadratmetern fanden Archäologen beispielsweise im vergangenen Sommer in einer nur 30 Zentimeter dicken Grabungsschicht 4000 Relikte und Reliktteile der Eiszeitmenschen, die momentan untersucht werden. An einer einzigen Stelle drangen die Archäologen bisher in Schichten vor, die 55000 Jahre alte Relikte bergen. Da bis zum Felsboden noch eine unerforschte Schicht von drei Metern existiert, wird man in den kommenden Jahrzehnten wohl Relikte aus der Zeit bis vor etwa 90000 Jahren ausgraben. Besiedelt war die Höhle damals wohl bereits.
Intakt ist der Boden unmittelbar hinter dem massiven Absperrgitter des Höhleneingangs – dort erwartet Rainer Blumentritt vom Höhlenverein eine besondere Funddichte, wenn hier eines Tages gegraben wird. Dass sich aber Neandertaler und Homo sapiens in dem Hohle Fels begegnet sein könnten, bezweifelt er stark.
Temperatur beträgt acht bis neun Grad Celsius
Bewohnt dürfte der Hohle Fels nur im vorderen Bereich gewesen sein, dort, wo Tageslicht eindringt und auch der Rauch des Feuers abziehen konnte. Vom riesigen Innenraum der Höhle – sie umschließt 6000 Kubikmeter Hohlraum, hat eine Grundfläche von 500 Quadratmetern und eine Höhe von 28,5 Metern – dürften unsere Vorfahren der Steinzeit nur wenig erforscht haben. In der Höhle liegt die Temperatur heute bei acht bis neun Grad Celsius, an einem heißen Sommertag ebenso wie in einem bitterkalten Januar.
Dieser Höhlenraum, heute geheimnisvoll beleuchtet und für die Besucher begehbar, gehört vom 1. November bis zum 30. April stets den überwinternden Fledermäusen allein.