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Ulm/Neu-Ulm

25.05.2019

Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm sind auf Kurs

Reparatur geglückt: Im Betriebshof der Stadtwerke im Ulmer Westen werden die Straßenbahnen gewartet.
Bild: Alexander Kaya

Nach Jahren der Verluste vollzieht die städtische Tochter einen Wandel zum Dienstleister in vielerlei Feldern. Rote Zahlen in Millionenhöhe gehören allerdings zum Alltag.

Ein Kraftwerk wie ein hässlicher Fleck auf einem blütenweißen Hemd: Das Kohlekraftwerk Lünen, an dem die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) beteiligt sind, schlug im vergangenen Jahr eine 4,4 Millionen Euro tiefe Kerbe in die Bilanz. Das waren zwar 2,4 Millionen Euro weniger als kalkuliert, wie SWU-Geschäftsführer Klaus Eder bei der Präsentation des Geschäftsabschlusses sagte. Doch im kommenden Jahr und den folgenden neun rechnet er je wieder mit grob sieben Millionen Euro Miesen durch dieses Kraftwerk, in das die SWU einst unter anderen gesetzlichen Voraussetzungen investierten. Das sind Altlasten. Eder, der 2014 zum Geschäftsführer gewählt wurde, kann dafür nichts. Dafür aber für einen Umbau der früher defizitären Stadtwerke. „Es hat sich gezeigt, dass wir nicht im Spiel der Großen auf den Energiemärkten mitspielen sollten“, sagte Eder. Stattdessen hätten sich die SWU nun zu einem Dienstleister entwickelt.

Gewinn: 3,3 Millionen Euro

Die Voraussetzung dafür: dass die SWU ihr Kerngeschäft im Griff haben. Und das haben sie offensichtlich trotz Lünen. Wie bereits im vorvergangenen Jahr, erwirtschafteten die gut 1000 Mitarbeiter einen Gewinn. 3,3 Millionen Euro stehen hier, 200000 mehr als 2017, als die SWU nach verlustreichen Jahren erstmals wieder schwarze Zahlen schrieben. Damit sei Phase eins der Neuausrichtung, die unter dem Titel „SWU Programm 2025“ kommuniziert wurde, so gut wie abgeschlossen. Phase zwei schärfe das Profil als Dienstleister. Zu sehen sei das etwa im Neu-Ulmer Baugebiet am Illerkanal. Hier fungierten die SWU als „Quartiersentwickler“ in vielerlei Hinsicht: von Fotovoltaikanlagen, über die Bereitstellung von superschnellem Internet bis hin zur Ausrüstung mit Stromtankstellen für Elektromobilität.

Sehr gut entwickle sich auch das Carsharing Angebot SWU2go. Bereits jetzt mit nur 14 Fahrzeugen sei eine schwarze Null kalkuliert. Weitere sechs Standorte der Elektroleihfahrzeuge seien bestellt. Auch Burlafingen soll in Kürze dabei sein. Eine erwartbare Erkenntnis der Nutzung haben die SWU bereits: Je besser die Anbindung an den Nahverkehr, desto schlechter die Nutzung. Sprich, das Fahrzeug in Ulm-Jungingen werde weit weniger bewegt als das in Berghülen.

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Gasturbinenkraftwerk auf dem Leipheimer Fliegerhorst

In unruhiger Warteposition befinden sich die SWU in Sachen Gasturbinenkraftwerk auf dem Leipheimer Fliegerhorst. Wie Eder sagt, müsste das Kraftwerk eigentlich Ende 2022 in Betrieb gehen, um nach dem Abschalten des Atomkraftwerks in Gundremmingen Netzstabilität garantieren zu können. Nachdem Eder mit „drei, besser vier“ Jahren Bauzeit rechnet, ist jetzt allerhöchste Eisenbahn. Im Sommer müsse eine Entscheidung her. Was die Baugenehmigung angeht, könnten die SWU sofort beginnen. Was fehlt, ist der Zuschlag des Netzbetreibers Amprion. Über den Verhandlungsstand sei jedoch „Stillschweigen“ vereinbart worden.

Glascontainer mit Sensoren

Lieber redet Eder über die Kooperation mit mehreren IT-Firmen unter dem Namen „Citysens“. Ulm – neben Los Angeles und Amsterdam Pionier in Sachen freizugänglichem Datennetzwerk für das „Internet der Dinge“ namens Lorawan – ist hier eine Art technische Spielwiese. Die SWU beteiligen sich zusammen mit Ulmer IT-Firmen an allerlei Problemstellungen einer „digitalen Stadt“. Etwa, so Eder, würden Glascontainer mit Sensoren ausgestattet, die sich melden, wenn die Luke voll ist. Das spare unnötige Lasterfahrten.

Das alljährlich einkalkulierte Minus im Bereich Verkehr, also dem Betrieb von Bussen und Straßenbahnen, stieg von 13,8 Millionen auf 16,2 Millionen Euro. Die Gründe laut Eder: Neue Ausschreibungen der Strecken verursachten Kosten und führten zu einem verbesserten Angebot. Und ein sehr, sehr warmer Sommer im vergangenen Jahr, der gefühlt von April bis November gedauert habe, habe weniger verkaufte Monatskarten zur Folge gehabt als kalkuliert.

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