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Medizin

22.08.2019

Streit um RKU: Warum eine Übernahme für das Uniklinikum so wichtig ist

Professor Udo Kaisers, der Leitende Ärztliche Direktor des Uniklinikums Ulm, will die Konzentration aller Kliniken auf dem Oberen Eselsberg.
Bild: Ludger Möllers

Udo X. Kaisers, der Leitende Ärztliche Direktor, sieht die Versorgung der Patienten in Gefahr. Bei der Auseinandersetzung mit dem Klinikkonzern Sana weiß er das Land auf seiner Seite

Das Universitätsklinikum Ulm möchte künftig auch die medizinischen Disziplinen Neurologie und Orthopädie in Forschung, Lehre und Krankenversorgung anbieten: Bisher erbringen die Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU), eine gemeinsame Tochter der Uniklinik und des Münchner Klinikkonzerns Sana AG, neurologische und orthopädische Leistungen. Doch den Vertrag über die Zusammenarbeit hat das Uniklinikum zum 31. Dezember 2020 gekündigt (wir berichteten). Professor Udo X. Kaisers, der Leitende Ärztliche Direktor des Uniklinikums, begründet, die Neurologie habe sich rapide zu einem zentralen klinischen Querschnittsfach entwickelt, „das für die Universitätsmedizin zum Beispiel im Kontext Notfallmedizin, Neurochirurgie und Psychiatrie unverzichtbar ist.“ Für innovative Forschung und Lehre an der Universität sei die Neurologie unter dem Dach des Uniklinikums von großer Bedeutung. Unfallchirurgie und Orthopädie seien schon jetzt integriert, sagte Kaisers.

Ein Blick auf die Kliniklandschaft in Ulm: Auf dem Oberen Eselsberg sind Uniklinik, RKU und das Bundeswehrkrankenhaus in räumlicher Nähe zueinander zu finden. Über die Stadt verteilt sind weitere Kliniken wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Gynäkologie oder die Hals-Nasen-Ohren-Klinik, die alle zum Uniklinikum gehören. Ärzte, Pfleger und Patienten nutzen Gebäude, die sich teilweise in einem sehr schlechten baulichen Zustand befinden. Daher betont Kaisers, dass er bis 2035 den Masterplan des Universitätsklinikums Ulm umsetzen will. Das Ziel: Die Konzentration aller Kliniken auf dem Oberen Eselsberg. „Eine Konsolidierung sämtlicher Fachabteilungen am Oberen Eselsberg in unmittelbarer Nähe zur Universität dient am besten den Zielen der Universitätsmedizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung“, sagt Kaisers. Die Kliniken am Safranberg sind bereits umgezogen. Im Juli 2018 war die Klinik für Urologie auf den Oberen Eselsberg verlegt worden.

Doch während Kaisers mit dem Land Baden-Württemberg einen Eigentümer des Uniklinikums an seiner Seite weiß, der den Masterplan mitträgt, beißt er bei Sana auf Granit. „Wir haben der Sana Kliniken AG die Integration angeboten“, so Kaisers, „doch hat Sana eigene, von uns unabhängige Pläne verfolgt.“ Auch habe die Uniklinik keine Mitwirkungsmöglichkeiten bei wichtigen Entwicklungsfragen.

Streit um RKU: Warum eine Übernahme für das Uniklinikum so wichtig ist

In den RKU werden Patienten mit neurologischen und orthopädischen Krankheiten behandelt, 21000 Fälle waren es im vergangenen Jahr. Die RKU beschäftigen 550 Vollkräfte, darunter 90 Ärzte. Besonders die Schlaganfalleinheit hat überregional einen exzellenten Ruf.

Ein Beispiel für die aus Kaisers Sicht nicht mehr zeitgemäße räumliche Trennung der beiden Häuser: Zuweilen bringt der Rettungsdienst Patienten, die eigentlich in die RKU gehören, aufgrund unklarer Erstdiagnose in die Notaufnahme der Uniklinik: Dort stellt sich heraus, dass sie in die Schlaganfalleinheit des RKU gehören. Mit dem Weitertransport ins RKU verlieren die Mediziner wertvolle Minuten.

Kaisers sieht weiteren Handlungsbedarf: Es sei nicht länger hinnehmbar, dass Patienten mit einer neurologischen und einer weiteren Erkrankung zwischen Uniklinikum und RKU hin- und hergeschoben würden. Sein Fazit: Da die Neurologie ein Querschnittsfach der Medizin sei, brauche ein Klinikum wie das Universitätsklinikum Ulm unterm eigenen Dach Neurologen: „Wir haben aber keine eigene Neurologie.“ Jahrelange Verhandlungen hatten kein Ergebnis gebracht. Also kündigte Kaisers mit der Rückdeckung des Landes Baden-Württemberg die Verträge mit der Sana AG zum 31.12.2020. Zwei Optionen bestehen: Entweder übernehmen die Sana Kliniken die Anteile des Uniklinikums Ulm zum 1. Januar 2021, oder das Uniklinikum übernimmt die Sana-Anteile.

Doch während das Uniklinikum beteuert, man habe der Sana AG ein Übernahmeangebot unterbreitet, bestreitet der Münchner Konzern dies: „Der Sana Kliniken AG liegt kein wie auch immer geartetes konkretes Übernahmeangebot für den 50-Prozent-Gesellschaftsanteil der Sana Kliniken AG an der RKU Universitätsklinik gGmbH vor“, sagt Sana-Pressesprecher Patrick Engelke, „auch gab es zu keinem Zeitpunkt darüber Verhandlungen.“

Offensichtlich kann sich die Sana vorstellen, die RKU alleine weiterzuführen. Dies ergebe sich aus dem Vertrag. Auch als Alleingesellschafter der RKU sei die Sana AG verlässlich, betont Engelke: „Sana möchte (...) die Kooperationen zwischen dem Universitätsklinikum Ulm, der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm und der Universität Ulm fortführen.“

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