Nach den Explosionen von Postsendungen bei Lebensmittelfirmen in Eppelheim und Heilbronn-Neckarsulm sowie dem rechtzeitigen Abfangen eines weiteren Sprengsatzes bei München werden jetzt Zeugen gesucht.
Wie das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Heidelberg am Donnerstag mitteilen, gab der mutmaßliche Täter - wie bereits berichtet - die Sendungen am Montag, 15. Februar 2021, in der Postannahmestelle in der Rosengasse 5 in Ulm auf.
Eine Videoüberwachungsanlage in der Postfiliale zeichnete diesen Vorgang auf. Mit diesen Bildern gehen die Ermittler nun an die Öffentlichkeit und erhoffen sich dadurch Hinweise.
Das Video soll den mutmaßlichen Täter bei der Übergabe der Sprengstoffpakete zeigen. Zu sehen ist ein mit weißem Schal und dunkler Mütze maskierter Mann, der Pakete am Schalter einreicht und bezahlt. Er trägt dabei schwarze Handschuhe. Die Pakete hat er in zwei weißen Leinentaschen verstaut, bevor er sie auf den Verkaufstresen legt. Unsere Redaktion sprach Anfang der Woche mit dem Beschäftigten am Post-Schalter. Er äußerte sich nur sehr zurückhaltend.
Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es sich bei dem Mann um den festgenommenen 66 Jahre alten Rentner aus Ulm-Wiblingen handelt, der sich zu den Anschuldigungen bislang nicht äußert hat. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren es Ermittlungen zur Art der Sprengstoffpakete, die auf die Spur des Mannes führten.
Folgende Fragen hat die Sonderkommission von LKA und Staatsanwaltschaft:
- Wer kann Angaben zu dem abgebildeten Mann machen?
- Wer hat den Mann am Montag, 15. Februar 2021, im Stadtgebiet Ulm/Neu-Ulm gesehen?
- War der Mann an diesem Tag zu Fuß, mit einem Fahrrad, einem sonstigen Fahrzeug oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs?
- Können Angaben zu möglichen Begleit- oder Kontaktpersonen gemacht werden?
- Wer kann Angaben zu dem von diesem Mann getragenen, auffälligen Schal machen?
Die Sonderkommission hat hierzu eine Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr Hinweise entgegennimmt. Sie ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0800/503 503 533.
Mann aus Ulm-Wiblingen gilt weiterhin als Tatverdächtiger
Wie bereits berichtet, wurde am vergangen Freitag ein 66-Jähriger aus Ulm-Wiblingen verhaftet. Bei seiner Festnahme soll er noch gesagt haben: Er wisse gar nicht, was die Polizei von ihm wolle. Der Mann gilt nach Angaben der Ermittler weiterhin als Tatverdächtiger im Fall der explosiven Postsendungen.
Die Serie hatte am Dienstag der vergangenen Woche in der Warenannahme des Getränkeherstellers Wild (Capri Sonne) in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) begonnen. Dort wurde ein Mann durch eine Verpuffung verletzt, als er ein Paket annahm. Am Mittwoch kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes verdächtiges Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp adressiert war, wurde in der Nacht zu Donnerstag in einem Paketverteilzentrum beim Flughafen München abgefangen und entschärft. (AZ, dpa)
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