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Ulm: Gut gebrüllt, Löwenmensch

Ulm

Gut gebrüllt, Löwenmensch

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    Der Ulmer Eiszeitstar in seiner Ausstellung: Am Pfingstmontag geht „Die Rückkehr des Löwenmenschen“ zu Ende. Danach muss die Figur aus Mammutelfenbein zurück an ihren alten Platz.
    Der Ulmer Eiszeitstar in seiner Ausstellung: Am Pfingstmontag geht „Die Rückkehr des Löwenmenschen“ zu Ende. Danach muss die Figur aus Mammutelfenbein zurück an ihren alten Platz. Foto: Alexander Kaya

    Weit hat er es, nicht der Löwenmensch. Doch verglichen mit seinem großen Auftritt, den die Eiszeitfigur derzeit im Erdgeschoss des Ulmer Museums hat, wirkt ihre Kammer in der Archäologie-Abteilung im ersten Stock doch eher kümmerlich. Am kommenden Montag, 9. Juni, endet die Ausstellung „Die Rückkehr des Löwenmenschen“ – und die Elfenbeinstatuette muss wieder zurück an ihren angestammten Platz.

    Kurt Wehrberger, Leiter der Abteilung Archäologie im Museum und Kurator der Ausstellung, ist nach eigenen Angaben darüber ein wenig traurig. „Ich habe mich schon ein bisschen daran gewöhnt“, sagt er. Verdient hatte der Löwenmensch seine großzügige Höhle im Fried-Bau allemal: Nach Museumsangaben kamen bislang schon über 15000 Besucher, um die größte bekannte Figur aus der Jüngeren Altsteinzeit zu bestaunen. Bis zum Ausstellungsende, hofft Wehrberger, werden es an die 17000 gewesen sein. Ein Erfolg für das Museum, wie der Kurator erklärt: „Kalkuliert hatte ich mit 10000.“

    Der Löwenmensch, entdeckt 1939 im sogenannten Hohlenstein-Stadel im Lonetal bei Langenau, wurde vor etwa 35000 bis 40000 Jahren aus einem Mammut-Stoßzahn geschnitzt. Er gilt – zusammen mit anderen Figuren aus verschiedenen Höhlen der Schwäbischen Alb – als eines der frühesten Kunstwerke der Menschheit. Vor der Ausstellung wurde die aus vielen Elfenbein-Bruchstücken bestehende Statuette im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen neu zusammengesetzt und um 2009 bei einer Nachgrabung in der Höhle gefundene Teile ergänzt.

    Die Reaktionen auf den Löwenmenschen, die Wehrberger und seine Kollegen im Führungsdienst erlebten, waren sehr unterschiedlich. Und bisweilen auch nicht nur begeistert: Manch einer, berichtet der Archäologe, habe sich zunächst über das vordergründig unvollständige Aussehen der neuen Rekonstruktion gewundert – erst beim mehrfachen Herumgehen hätten manche entdeckt, dass die runderneuerte Figur weit mehr Details zu bieten habe. Andere, die den Löwenmenschen zuvor nur von Fotos kannten, seien über die Größe enttäuscht gewesen. Sie hatten statt eines 31 Zentimeter großen Figürchens eine mannshohe Statue erwartet. Doch im Vergleich mit den zumeist winzigen anderen Elfenbein-Exponaten der Ausstellung habe sich auch diesen Besuchern die Bedeutung des Löwenmenschen erschlossen, so Wehrberger.

    Für den Kurator ist und bleibt die Figur aus dem Lonetal ein Solitär – für ihn sei sie weiterhin die einzig gesicherte Darstellung eines Mensch-Tier-Mischwesens aus dieser Zeit. Bei anderen Funden, wie dem „Kleinen Löwenmenschen“, zu sehen im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren, sei für ihn „ein Fragezeichen dran“. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Statuette geht nach dem Ausstellungsende weiter: Zusammen mit Kollegen arbeitet Wehrberger an verschiedenen Publikationen, auf Tagungen im In- und Ausland stehen Vorträge an. Er selbst interessiert sich derzeit nach einigen Angaben vor allem für die Fundsituation des Löwenmenschen. Vieles spreche dafür, dass der Hohlenstein-Stadel eine Kultstätte gewesen sei – und keine Wohnhöhle, wie die anderen Fundorte auf der Alb.

    Die Löwenmensch-Kammer im ersten Stock des Museums soll nach dem Umzug schrittweise mit neuen Exponaten und digitalen Bilderrahmen ausgerüstet werden. Für Wehrberger ist sie dennoch nur ein Interimslösung. Er hofft, dass der Löwenmensch bei einer Erweiterung des Museums, die derzeit diskutiert wird, einen neuen, angemesseneren Platz bekommen wird. Und vielleicht bekommt er irgendwann auch Gesellschaft: Im Lonetal wird schon wieder gegraben.

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