Franziskaner, Nudeloper, Nudelbar, Taverne, Meze – Zum Griechen oder Ulmer Wirtshaus. Gastronomische Beständigkeit war in den vergangenen Jahren Mangelware im historischen Gebäude an der Neuen Straße 56. Das soll sich jetzt ändern: Am Donnerstag, 2. Mai, eröffnete hier das „Ulmer Wirtshaus“ – so der neue und alte Untertitel – „Zum Haberfelder“. Damit kommt der zur Neuen Straße gewandte Teil der mittelalterlichen Mühle wieder zurück zu einem bayerischen Konzept, das hier vor Jahren schon einmal funktionierte.
„Der Standort hat sehr viel Potenzial“, ist Amelie Dangel überzeugt, die zusammen mit ihrem Mann in Vohburg an der Donau (bei Ingolstadt) bereits ein bayerisches Lokal unter dem Namen „Zum Haberfelder“ betreibt. Als Bad Schussenriederin sei es immer Ziel der 33-jährigen Hotelfachfrau und Betriebswirtin gewesen, wieder in den Großraum Ulm zu ziehen.
Ihr sei bewusst, dass in Ulm die Konkurrenz groß ist. Mit dem Restaurant „Lochmühle“, das im selben Gebäude weilt, sitzt sie sogar unter demselben Dach. Nachdem sich griechische und italienische Konzepte im Gebäude nicht durchsetzen, will Dangel auf die eigentlichen Stärken des Standorts setzen: Und das ist die Atmosphäre eines Fachwerkgebäudes, das bereits 1356 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Lochmühle (heute der Namen des Gasthauses im gleichen Gebäude aber mit der Adresse Gerbergasse 6) war eine Mühle, die bis 1922 in Betrieb war. Das Schau-Wasserrad wurde 1988 angebracht.
Bier aus echten Holzfässern
Die Speisekarte im Haberfelder ist zünftig gehalten: von Schnitzeln in allen Variationen, Zwiebelrostbraten und Haxen. Ein Zugeständnis an den Zeitgeist sind Burger. „Wir haben zwar System, sind aber keine Systemgastronomen“, betont Dangel. Als Alleinstellungsmerkmal soll im Ulmer Wirtshaus künftig Augustiner Bier aus echten Holzfässern angeboten werden. Das gibt es bisher nur im Burgerladen „Ronnie Biggs“. Um Biere der ältesten Brauerei Münchens aus dem Holzfass ausschenken zu dürfen, musste die Belegschaft erst einen Tageskurs in der 680 Jahre alten Brauerei belegen. Thema war etwa das Aufgantern – ein Akt für sich. Der „Ganterbursch“ stellt traditionell gekonnt die schweren Fässer für den Schankkellner auf. Auch das Anzapfen von Holzfässern gilt als schwierig – und das Befüllen ohne riesige Schaumkronen ist auch nicht ganz ohne. Und Spülmittelreste im Glas – geht gar nicht. Lohnen wird sich im Haberfelder das Holzfass nur, wenn viele durstige Kunden kommen. Denn ein einmal angestochenes Fass muss rasch leer gezapft werden. Es gebe sogar anonyme Kontrollen seitens der Brauerei, die überprüfen, ob das Bier noch frisch ist. Denn Bier aus einem Holzfass, das nach dem Anzapfen nicht zügig leer wird, muss entsorgt werden.
Viel Konkurrenz, viele Neueröffnungen wie Starbucks, Vapiano oder Hans im Glück
Dass in Ulm die Gastronomie boomt und Ketten wie Starbucks, Vapiano, Hans im Glück aufmachen und Eberhard Riedmüller mit mehreren Barfüßer-Lokalen und seinem Burger-Laden Q-Muh eine starke Marktstellung hat, beunruhigt Dangel nicht. Im Gegenteil. Das zeige eher die Zugkraft der gesamten Doppelstadt mit ihrem Ausgeh-Zentrum Fischerviertel. „Jeder Trend hat immer einen Gegentrend“, sagt Dangel. Und eine Folge von Smartphone-Konsum und Online-Handel sei die Wiederentdeckung von Gasthäusern: als echte Begegnungsstätte in einer zunehmend virtuellen Welt. Eine erste Begegnung mit der echten Ulmer Unterwelt war für das Ulmer Wirtshaus unerfreulich: Noch nicht eröffnet, schlugen Unbekannte am vergangenen Wochenende eine Scheibe ein. Der Schaden hielt sich in Grenzen: Nur ein Kreditkartenzahlungsgerät nahmen die Unholde mit.