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Ulm: In Ulm wird ein Corona-Labor der höchsten Sicherheitsstufe gebaut

Ulm

In Ulm wird ein Corona-Labor der höchsten Sicherheitsstufe gebaut

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    Der Finanzausschuss hat dem geplanten Neubau eines Forschungsgebäudes für die Covid-19-Forschung an der Universität Ulm zugestimmt. Baukosten: rund vier Millionen Euro.
    Der Finanzausschuss hat dem geplanten Neubau eines Forschungsgebäudes für die Covid-19-Forschung an der Universität Ulm zugestimmt. Baukosten: rund vier Millionen Euro. Foto: Christoph Soeder Cul

    Die Universität Ulm nimmt Pandemien unter die Lupe. Und zwar im großen Stil. Der Finanzausschuss des Landtags stimmte jüngst einem Vier-Millionen-Euro-Neubau eines Forschungsgebäudes mit Laborflächen der höchsten Sicherheitsstufe für die Covid-19-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm zu. Dabei geht es nach den Worten von Professor Frank Kirchhoff, der zusammen mit Professor Jan Münch das Institut für Molekulare Virologie leitet, nicht nur um das derzeitige Coronavirus, sondern auch um weitere gefährliche Erreger.

    Der Professor aus Ulm warnt: Pandemien werden häufiger

    "In Zukunft treten solche Pandemien wahrscheinlich viel häufiger auf", sagt Kirchhoff im Gespräch mit unserer Redaktion. Gründe seien der Bevölkerungsdruck und ein immer rasanter werdender Reiseverkehr. Die Menschheit lerne zwar "ein bisschen dazu". Doch die Welt sei eigentlich erstaunlich schlecht darauf vorbereitet. Wenn man bedenke, wie viele Milliarden in die Folgen der Pandemie weltweit gesteckt wurden, seien die Investitionen in die Forschung, die möglicherweise solche Pandemien abmildern oder gar verhindern könnten, ein Klacks. Vor diesem Hintergrund seien etwa die vier Millionen Euro, die nun in ein neues Labor in Ulm gesteckt werden, sehr gut investiertes Geld.

    Neues Corona-Labor der höchsten Stufe an der Uni Ulm

    Mit dem neuen Labor würden sich die Forschungskapazitäten um den Faktor zehn erhöhen, so Kirchhoff. Bislang teilt sich das Kirchhoff-Team das einzige Labor der Uni, das aus Sicherheitsgründen dafür geeignet ist, mit derart hoch infektiösen Erregern zu arbeiten, mit dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene. In diesem Labor der biologischen Schutzstufe 3 (S3-Labor) können sich allerdings nur zwei Mitarbeitende gleichzeitig aufhalten. "Eine Person von uns kann so nur halbtags mit hoch infektiösen Erregern arbeiten." Das reiche bei Weitem nicht aus.

    Doch obwohl die Uni Ulm, was Labore der höchsten Sicherheitsstufe angeht, im Vergleich mit anderen Instituten noch ziemlich schlecht aufgestellt sei, habe Ulm seine sehr gute Position, was die wissenschaftliche Expertise angehe. Seit dem vergangenen Jahr habe die Uni Ulm über 20 Forschungsbeiträge zum neuen Coronavirus publiziert. "Meines Wissens sind wir forschungsmäßig damit führend in Baden-Württemberg und Bayern, was die virologischen Institute angeht", sagt Kirchhoff. Und das trotz schlechteren Bedingungen.

    Einen eigenen Impfstoff sieht Kirchhoff nicht als Ziel . "Die vorhandenen Impfstoffe funktionieren erstaunlich gut. Gerade die mRNA-Impfstoffe." Hier sei es nicht die Aufgabe der Forschung in Ulm, das Rad neu zu erfinden. Auch wenn die aktuelle Pandemie bei der geplanten Eröffnung des Neubaus im Jahr 2023 schon in Vergessenheit geraten sein könnte, sei es jetzt Zeit, zu investieren. Denn die nächste, teure Pandemie komme bestimmt.

    Können gefährliche Viren aus dem Labor in Ulm entweichen?

    Bedenken, dass derartige Viren aus solchen Instituten entkommen könnten, hat Kirchhoff nicht. Auch Berichte über ein Entkommen des Sars-CoV-2-Virus aus jenem Labor im chinesischen Wuhan, dem Ursprung der jüngsten Pandemie, hält der Ulmer für unglaubwürdig: "Wenn man Forscher fragt, die von der Materie eine Ahnung haben, sagt keiner, dass das eine Laborinfektion war." Denn der jüngste Fall war nicht der erste einer Infektion eines Menschen mit einem Coronavirus, das vermutlich aus dem Tierreich stammt. "Das, was Trump losgetreten hat, ist Unfug."

    S3-Labore müssen etwa mit einem abgeschlossenen Luftkreislauf ausgestattet sein, wobei der Luftdruck im Labor unter leichtem Unterdruck gehalten wird, um ein Austreten von potenziell verseuchter Luft zu verhindern. Alles, was das Labor verlässt (außer den Menschen), wird unter Druck und 121 Grad mit Wasserdampf erhitzt und dadurch sterilisiert.

    Nach der Pandemie ist aus Sicht von Kirchhoff vor der Pandemie

    Nach der Pandemie ist aus Sicht von Kirchhoff vor der Pandemie. Die potenziellen Plagen der Zukunft in der Natur seien vielfältig. Eine besonders gefährliche Influenza-Variante, wie etwa bei der Spanischen Grippe vor 100 Jahren, hält Kirchhoff genauso möglich wie ein weiteres gefährliches Coronavirus. "Eine Eigenschaft von viralen Erregen ist leider, dass sie relativ unberechenbar sind." Gerade die Spannbreite in der Familie der Coronaviren sei groß. Und reicht von Erkältungserregern bis zu lebensbedrohlichen Mers- und Sars-Viren. Da eine Mers-Infektion in bis zu 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft, haben die schwerkranken Patienten kaum Chancen, andere anzustecken. Sars-CoV-2 kann sich im Vergleich dazu viel besser verbreiten. Auch Herpes- und Hepatitis-Viren seien Kandidaten. Wenngleich sie im Gegensatz zu Sars-CoV-2 die Luft nicht als Übertragungsweg nutzen können.

    In Ulm entsteht ein Hochsicherheitslabor zur Forschung an Coronaviren.
    In Ulm entsteht ein Hochsicherheitslabor zur Forschung an Coronaviren. Foto: Eberhardt

    Gerade bei "luftgängigen Erregern" wie Corona gebe es erhöhten Forschungsbedarf, weil sie sich so unglaublich schnell ausbreiten können. So wie die Delta-Variante von Sars-CoV-2, an der Kirchhoff und Münch gerade forschen. Aktuell sei sein Thema die Wirkung von Kreuzimpfungen, also wie als Erstimpfung AstraZeneca und als Zweitimpfung Biontech eine Infektion verhindern. "Ansonsten arbeiten wir daran, zu untersuchen, wie viel effektiver die Delta-Variante bestimmte Zelltypen infiziert und was für Faktoren sie benutzt." Das Ziel: den Weg der Ausbreitung im gesamten Körper zu erkunden. Denn längst ist bekannt, dass Sars-CoV-2 weitere Organe sowie das Herz-Kreislauf- oder Nervensystem befallen kann – und dort eventuell dauerhafte Schäden anrichtet. Die zugrunde liegenden, molekularen Vorgänge, die während einer Infektion im Körper ablaufen, seien allerdings noch nicht vollständig verstanden.

    HIV und Corona haben gewisse Gemeinsamkeiten

    Das neue S3-Labor wird voraussichtlich am Campus Ost in der Nähe des Forschungsgebäudes N27 für Lebenswissenschaften eine Heimat finden und in einer zweigeschossigen Modulbauweise gebaut. Das Universitätsklinikum Ulm wird das Projekt für die Medizinische Fakultät umsetzen und so eine neue Ära der Viren-Forschung in Ulm einleiten. Anfang 2020 hätten Kirchhoff und Münch nicht geglaubt, dass ein neuartiges Coronavirus schon bald ihren Arbeitsalltag auf den Kopf stellen würde. Denn eigentlich haben sich die zwei mit Arbeiten zum Thema HI-Virus ("Aids"), Herpes und anderen Erregern einen Namen gemacht. Doch die Schnittmengen seien groß: Immer gehe es um körpereigene Verteidigungsmechanismen, die im Laufe der Evolution entstanden sind. Und sowohl der Aids-Erreger HIV als auch Sars-CoV-2 sind wohl vom Tier auf den Menschen übergesprungen.

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