Nach der Festnahme zweier führender Mitglieder der Black Jackets hat sich die Lage in der Ulmer Rockerszene vorerst beruhigt. Das erklärte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Ulm, Bernd Ziehfreund, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für voriges Jahr. Entwarnung gab der Kripochef allerdings nicht. Der Konflikt der Black Jackets mit einer rivalisierenden Gruppierung in Stuttgart sei nach wie vor nicht befriedet: „Wenn die Gruppen aufeinandertreffen, kann die Situation immer eskalieren“, so Ziehfreund. Das Gewaltpotenzial sei hoch.
Blutige Kämpfe auf offener Straße
Mehrere Vorfälle in der Blaubeurer Straße haben in jüngster Zeit für Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Mehrfach wäre es beinahe auf offener Straße zu blutigen Straßenkämpfen gekommen. Einmal fielen sogar Schüsse. Die Polizei verhinderte mit einem Großaufgebot Schlimmeres. Hintergrund dieser Auseinandersetzungen war nach Einschätzung der Polizei eine „stark personifizierte“ Rivalität zwischen den Black Jackets in Ulm und einer anderen Gruppierung in Stuttgart. Deren Namen will die Polizei nicht nennen, Tatsache ist jedoch, dass rund um die Landeshauptstadt eine erbitterte Feindschaft zwischen den Black Jackets und den Red Legions besteht, die ebenfalls als rockerähnliche Gruppierung bezeichnet werden. Im Dezember wurde ein 22-Jähriger bei einem Überfall in Esslingen getötet. Offenbar ist der Machtkampf im Milieu in jüngster Zeit auch auf Ulm ausgeweitet worden.
Gezielte Provokation der Black Jackets
Wie Bernd Ziehfreund erläuterte, habe es von Mitgliedern der Black Jackets gezielte Provokationen gegeben. Die Polizei richtete eine Ermittlungsgruppe ein und kam zwei 24 und 32 Jahre alten Männern auf die Spur. Der Jüngere soll mehrfach mit einer großkalibrigen Waffe auf Mitglieder der verfeindeten Gruppe aus Stuttgart geschossen haben, weshalb die Staatsanwaltschaft Ulm Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragte. Der 32-Jährige soll ein Mitglied seiner eigenen Bande geschlagen, bedroht und erpresst haben. Außerdem soll er zusammen mit anderen Bandenmitgliedern im August vorigen Jahres zwei Touristen mit Schlagstöcken angegriffen, mit Pistolen bedroht und mit Reizgas verletzt haben. Bei einer Durchsuchung in einem Bordell in der Blaubeurer Straße stellte die Polizei ein regelrechtes Waffenarsenal sicher: Baseballschläger, Äxte, Macheten, eine Pistole, eine Armbrust, einen Elektroschocker, Messer und Dorne.
In den meisten Rotlicht-Betrieben keine Probleme
Laut Bernd Ziehfreund gibt es mit den meisten Rotlichtbetrieben in der Blaubeurer Straße keine größeren Probleme. „Im Großen und Ganzen bereitet uns nur ein Betrieb Sorgen“: Nämlich das Bordell, in dem die Black Jackets zum Teil wohnen und von dem aus sie agieren. Im Großraum Ulm hat die rockerähnliche Gruppierung nach Einschätzung der Polizei etwa 60 Mitglieder, landesweit seien es ungefähr 1000. Dass es zu Konfrontationen zwischen Black Jackets und den seit Jahren in Ulm etablierten Gruppen wie Bandidos oder Outlaws kam, hat die Polizei nicht beobachtet. Auch einen Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen in Neu-Ulm im Dezember sehen die Ermittler nicht. Die Szene wollen sie dennoch weiterhin genau beobachten. Auch die Blaubeurer Straße und die dort ansässigen Etablissements bleiben im Visier der Polizei.