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Ulm: Zahl der Unfälle in und um Ulm auf Zehn-Jahres-Tiefststand

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Zahl der Unfälle in und um Ulm auf Zehn-Jahres-Tiefststand

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    Die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Ulm verzeichnet für 2020 außergewöhnlich wenige Unfälle.
    Die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Ulm verzeichnet für 2020 außergewöhnlich wenige Unfälle. Foto: Alexander Kaya (Symbolfoto)

    Im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm hat es im vergangenen Jahr so selten gekracht wie nie in den zurückliegenden zehn Jahren. Wie aus der Statistik hervorgeht, die die Polizei nun veröffentlich hat, ist die Zahl der Unfälle im Jahr 2020 um etwas mehr als 4000 beziehungsweise 17 Prozent auf rund 20.000 gesunken. Bei einer Gruppe von Verkehrsteilnehmern stieg die Zahl der Unfälle aber. Aus Sicht der Beamten spielt ein Grund überall eine entscheidende Rolle.

    "Die Corona-Pandemie ist auch in der Unfallstatistik angekommen", resümiert Polizeipräsident Bernhard Weber. Die Polizei führt den niedrigsten Stand der Unfallzahlen innerhalb der vergangenen zehn Jahre auf die Beschränkungen samt Lockdowns und des damit verbundenen reduzierten Verkehrsaufkommens zurück. Gesunken ist im Übrigen nicht nur die Zahl der Zusammenstöße. Auch die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, ging deutlich zurück. Sie sank um zehn Prozent von 2900 auf 2624 Unfälle. Doch wie war die Entwicklung in Ulm und den Nachbarlandkreisen Alb-Donau-Kreis und Biberach?

    Zahl der Verkehrsunfälle in Ulm und Umgebung deutlich gesunken

    Die Stadt und diese beiden Landkreise bilden gemeinsam mit den Kreisen Göppingen und Heidenheim den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ulm. In Ulm sank die Zahl Unfälle von fast 5000 auf etwas mehr als 3300. Im Alb-Donau-Kreis ging sie von rund 3700 auf rund 3200 zurück. Und im Kreis Biberach krachte es rund 3400 mal, im Vorjahr hatte es noch rund 4000 Unfälle gegeben. Erfreulich ist auch die Entwicklung bei Verletzten und Getöteten. "Aufgeschlüsselt nach der Schwere der Folgen kann man sagen: Je gravierender die Unfallfolgen, desto größer der Rückgang", erläutert Polizeidirektor Karl-Heinz Reiter, Leiter der Schutzpolizeidirektion im Polizeipräsidium Ulm. Präsidiumsweit kamen 364 Menschen bei Unfällen ums Leben, 2019 waren es noch 414 gewesen. Auch in Ulm (von drei auf eins), im Alb-Donau-Kreis (von acht auf vier) und im Kreis Biberach (von zwölf auf sieben) ging die Zahl der Todesopfer zurück.

    Allein mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen will die Polizei diese Entwicklung aber nicht erklären. "Das Polizeipräsidium Ulm hatte sich in den vergangenen Jahren insbesondere auf die Bekämpfung schwerer Verkehrsunfälle konzentriert", betont Reiter weiter. Trotz der Entwicklungen durch Corona-Pandemie nehme er an, dass die Polizei mit ihren Maßnahmen richtigliege.

    Maßnahmen wie Geschwindigkeitskontrollen, denn gerade zu schnelles Fahren sei eine Ursache schwerer Verkehrsunfälle. Die Zahl der Verstöße sank zwar präsidiumsweit um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Raser-Unfälle mit gravierenden Folgen stieg aber. Das zeigt sich auch in Ulm und den Kreisen Alb-Donau sowie Biberach, wo die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle mit Verletzten oder Getöteten zunahm. Nicht immer haben die Fahrer in solchen Fällen das erlaubte Tempolimit überschritten: "Wer bei entsprechenden Verhältnissen mit 50 Sachen aus der Kurve fliegt, ist eben auch zu schnell, egal wie viel erlaubt war", erläutert Reiter.

    Polizei: Eile ist Ursache für viele Unfälle

    Hinter dem zu schnellem Fahren steckt aus Sicht der Polizei immer auch Eile. Und die bilde sich auch in anderen Unfallursachen wie Missachten der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen und falsches Überholen ab. Zusammen genommen verursache Eile damit 37 Prozent der Unfälle. Gefährlich seien auch Handyverstöße, warnt die Polizei: Selbst bei einem Blick von wenigen Sekunden auf das Handy ergäben sich lange Strecken, die im Blindflug gefahren würden. Die Folge könnten schwerste Unfälle sein. Die Zahl der Fahrer mit Mobiltelefon in der Hand oder am Ohr sank laut Statistik zwar um vier Prozent, war aber auf dem zweithöchsten Stand der vergangenen fünf Jahre.

    Die Polizei warnt: Handyverstöße könnten schlimmste Folgen haben.
    Die Polizei warnt: Handyverstöße könnten schlimmste Folgen haben. Foto: Alexander Kaya (Symbolfoto)

    Großes Augenmerk legt die Polizei weiterhin auf Alkohol- und Drogenkontrollen. Im Jahr 2020 registrierte die Unfallstatistik 358 Unfälle (minus zwölf Prozent), die auf Alkoholeinfluss zurückzuführen gewesen seien und 54 Unfälle (minus 18 Prozent) durch Fahrer im Drogenrausch. Man habe die Beamten intensiv geschult, um Drogeneinfluss besser erkennen zu können, berichtet Polizeipräsident Bernhard Weber. Das zeige sich in der Unfallstatistik und werde auch in der demnächst veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik erkennbar sein: Das so genannte Dunkelfeld unerkannter Rauschgiftverstöße sei aufgehellt worden.

    Die Zahl von Pedelec-Unfällen hat weiter zugenommen.
    Die Zahl von Pedelec-Unfällen hat weiter zugenommen. Foto: Caroline Seidel, dpa (Symbolfoto)

    Freiluft-Trend durch Corona: Mehr Pedelec-Unfälle

    Zurück zum Corona-Trend: Der spiegelt sich aus Sicht der Polizei auch auf einer anderen Ebene der Unfallstatistik wider: Die Menschen seien zu Zeiten der Pandemie verstärkt individuell an der frischen Luft als Fußgänger und Radfahrer unterwegs gewesen. Die Zahl der Unfälle mit Fußgängern sei dadurch lediglich um etwa fünf Prozent 236 Unfälle zurückgegangen. Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern blieb mit 617 (drei Unfälle mehr) nahezu unverändert. Dagegen schnellte die Zahl der Unfälle unter Beteiligung von Pedelec-Fahrer in die Höhe - auf das Eineinhalbfache im Vergleich zum Vorjahr (von 165 auf 239 Unfälle). Zwei Drittel dieser Unfälle verursachten die Pedelec-Fahrer demnach selbst, bei der Hälfte waren sie allein beteiligt. Viele dieser Vorfälle seien auf eine ungeübte Handhabung der Fahrzeuge zurückzuführen, so die Polizei, die deshalb dringend Radfahrtrainings empfiehlt. Die Zahl der Pedelec-Unfälle stiegen im Übrigen nicht erst durch den Corona-Freiluft-Trend, sie hat präsidiumsweit in den vergangenen zehn Jahren von vier auf jetzt 239 zugenommen.

    Und es gibt noch eine Corona-Folge: Die Einschränkungen im Reiseverkehr machten sich besonders auf den Autobahnen bemerkbar. Auf den Abschnitten der A7 und der A8, für die das Polizeipräsidium Ulm zuständig ist, sank die Zahl der Verkehrsunfälle um ein Drittel auf 1145 Unfälle. Der überdurchschnittliche Rückgang betraf insbesondere die Unfälle mit Sachschaden. Weniger stark, aber doch überdurchschnittlich war der Rückgang der Unfälle mit Personenschaden. Deren Zahl sank von 172 auf 122.

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