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Ulm

15.05.2019

Uni Ulm baut: 73 Millionen gegen den Schmerz

Das MTW-Gebäude entsteht in Hanglage auf dem Campus. Geplant ist eine Freitreppe und eine Glas-Metall-Fassade.
Bild: Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten

An der Uni Ulm entsteht ein wohl weltweit einzigartiger Forschungsbau für Traumawissenschaften. Eine neue Gewebedatenbank soll dabei Tierversuche reduzieren.

Warum leiden Menschen nach einem Oberschenkelhalsbruch an Nierenversagen? Warum folgen auf blutige Wunden Lungeninfektionen? Um die Zusammenhänge im Körper nach Verletzungen zu verstehen und die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern, entsteht an der Universität Ulm ein Forschungsbau für "Multidimensionale Trauma-Wissenschaften" (MTW).

Dieser ist nach Einschätzung von Professor Thomas Wirth, dem Dekan der Medizinischen Fakultät, einzigartig in der Welt. Denn Ulm habe sich im Laufe der Jahrzehnte als Sitz des ersten Lehrstuhls für Unfallchirurgie (mit Hannover) eine einzigartige Stellung im Bereich der Traumaforschung erarbeitet.

MTW ist bislang teuerste Investition an der Uni Ulm

Einzigartig sind auch die Summen, mit denen hier hantiert wird: Nie gingen in diesem Förderverfahren mehr Bundesmittel nach Baden-Württemberg. Das fast 5000 Quadratmeter große Gebäude kostet über 73 Millionen Euro und wird aus Bundesmitteln, vom Land und der Uni finanziert. Damit übersteigt das MTW die bisher teuerste Investition auf dem Campus deutlich: Das Zentrum für Quanten-Biowissenschaften kostete "nur" 23 Millionen Euro.

In 19 Arbeitsgruppen werden 220 Wissenschaftler im MTW-Gebäude Aspekte der Traumaforschung in den Blick nehmen. Darunter fällt beispielsweise die Gewebe-Regeneration nach schweren Verletzungen: Oft zeigen Traumapatienten eine gestörte Knochen- und Wundheilung, doch mithilfe von Stammzellen konnten erste Behandlungserfolge erzielt werden. Als "Black-Box" bezeichnete bei der Präsentation der Pläne Professor Markus Huber-Lang, einer der federführenden Antragsteller und Gründungsdirektor des MTW-Gebäudes, den Forschungsbereich. "Und den wollen wir ausleuchten."

Michael Weber, Anita Ignatius, Wilmuth Lindenthal, Markus Huber-Lang und Thomas Wirth mit Miniatur Forschungsbau für "Multidimensionale Trauma-Wissenschaften" (von links).
Bild: Alexander Kaya

Weltweit werde in diesem Bereich im Vergleich zu anderen Forschungssegmenten unterdurchschnittlich investiert. Dabei betreffe der Bereich Verletzungen so gut wie jeden Menschen. Verletzungen seien die häufigste Todesursache bei Patienten unter 45 Jahren. Das Ulmer Alleinstellungsmerkmal sei die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen, die jetzt mit dem MTW eine Art gemeinsames Zuhause bekomme.

Reduzierung von Tierversuchen

Neue Stellen werden durch das MTW erst mal nicht geschaffen. Das zusätzliche Forschungsgebäude, so Unipräsident Michael Weber, schaffe zusätzlichen Raum in einer längst zu klein gewordenen Uni. Als eine Auszeichnung für die Universität und das Universitätsklinikum bezeichnete die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer den Zuschlag. Vor dem Hintergrund, dass Ulm damit weltweit in der Traumaforschung eine noch stärkere Ausstrahlung erlangen werde, ist Professorin Anita Ignatius, stellvertretende Gründungsdirektorin des MTW-Gebäudes, überzeugt, dass mittelfristig neue Stellen an der Uni entstehen werden.

Die Reduzierung von Tierversuchen "um den Faktor fünf bis zehn" werde eine weitere Auswirkung des MTW sein, so Gründungsdirektor Huber. Denn es sei eine Biodatenbank mit Gewebeproben geplant, die viele Tierversuche erspare. Der Baubeginn ist für Februar 2021 auf einem heute als Parkplatz genutzten Gelände unweit des Biergartens des Botanischen Gartens geplant. Die Fertigstellung soll drei Jahre später sein.

Acht Millionen Euro für Großgeräte abgezogen, bleiben bei 65 Millionen Euro Baukosten 13.000 Euro pro Quadratmeter, wie Wilmuth Lindenthal, Leiter des Ulmer Landesamts für Vermögen und Bau, vorrechnete. Ein normaler Häuslebauer kalkuliere mit maximal 2500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Es sei völlig normal, dass die Summen bei Forschungsflächen durch Anforderungen etwa bei Brandschutz oder Hygiene viel, viel höher seien. Neben biomedizinischen und infektiologischen Laboren mit Sicherheitsstufe beherbergt das MTW auch Räume für moderne bildgebende Verfahren wie CT oder MRT sowie virtuelle Traumalabore für Computersimulationen.

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