Attenhofen/Illerberg In der Halle ist es warm, es zischt und rattert, rote und grüne Rohre aus Metall winden sich durch den Raum. Hier, auf dem Hof von Oliver Wiedenmann in Illerberg, wird aus Biogas Strom gewonnen. Hoher Besuch hat sich angekündigt, denn der bayrische Umweltminister Marcel Huber (CSU) und Justizministerin Beate Merk (CSU) sowie weitere CSU-Politiker besichtigen die Anlage.
Auch Privathäuser werden mit Energie versorgt
Das Besondere an der Biomasseanlage: Auch die entstehende Abwärme der Anlage wird genutzt. Bisher noch als Nahwärme in der Schule, der Mehrzweckhalle und acht angeschlossenen Privathäusern. Zukünftig soll die Wärme auch in ein Fernwärmenetz eingespeist werden können, erklärt CSU-Landkreisvorsitzender Thorsten Freudenberger.
Durch zwei Gucklöcher sehen die Politiker das Gärsubstrat im unterirdischen Teil der Anlage treiben, eine feuchte, braune Masse. 850 Kilowatt Leistung schafft die Anlage in der Stunde, erzählt Besitzer Oliver Wiedenmann.
Anschließend geht es für die Politiker zur Diskussionsveranstaltung zum Thema „Energiepotenziale im Landkreis Neu-Ulm“ nach Attenhofen.
Die CSU hat ins Gasthaus Hirsch geladen. Beate Merk verbindet die Energiesituation mit dem Untergang des Kreuzfahrtschiffes Titanic vor 100 Jahren. Damals sei die Wende zu spät eingeleitet worden. Die Energiewende und damit der Ausstieg aus der Atomkraft dürfe nicht zu schnell und nicht zu langsam unternommen werden. Um bis 2021 fünfzig Prozent des Gesamtbedarfs aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen zu können, müssten alle mithelfen.
Das bekräftigte auch Landrat Erich Josef Geßner (CSU), der den Landkreis Neu-Ulm in Sachen erneuerbare Energien ganz vorne sieht. Er verspricht, dass alle zwei bis drei Jahre ein Schul- oder anderes Kreisgebäude energetisch auf den neuesten Stand gebracht werde. In der Schwebe seien derzeit außerdem zwei Großprojekte: die Abwärmenutzung des Müllkraftwerks in Weißenhorn und die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Weißenhorn und Senden/Ulm bis Ende 2013. Der bayerische Umweltminister Marcel Huber sagte anschließend, der Ausstieg müsse realistisch angegangen werden, um den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht zu gefährden. Außerdem wolle man den Strom selbst produzieren, um nicht von anderen Staaten abhängig zu sein.
Huber betont Bedeutung der Verteilernetze
Wichtigster Punkt sei daher in Zukunft das Energiesparen, zum einen bei Gebäuden und Geräten, aber auch beim Energienutzungsverhalten des Einzelnen. Ein großes Problem bei der Energiewende seien die Verteilernetze, die bisher noch auf die sternförmige Verteilung der Energie von großen Kraftwerken ausgerichtet seien. „Jetzt speisen aber zum Beispiel viele Bauern selbst Energie ein, das ist eine ganz andere, vernetzte und verteilte Situation.“ Dazu brauche es den Netzausbauplan des Bundes. Neben dem Netzausbau sei es auch wichtig, die Tatsache auszugleichen, dass die erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne zu manchen Zeiten viel, zu anderen wenig Energie produzieren würden – unabhängig vom aktuellen Bedarf. Hier müsse man geeignete Speichermöglichkeiten finden.
Huber schloss mit einem positiven Ausblick: Die Entwicklung der neuen Technologien sei auch eine große Chance für die Wirtschaft. „Wenn die Technik bei uns selbst verwendet wird, kann sie auch gut verkauft werden.“ (tai)