Neu-Ulm/Ulm Wann sie kommen steht in den Sternen. Dass sie kommen ist für Heiner-Matthias Honold, Chef des Neu-Ulmer Logistikriesen Honold, ziemlich klar. Zumindest dann, wenn sich die bis 25,25 Meter langen und maximal 44 Tonnen schweren Riesenlaster „Gigaliner“, die im offiziellen Sprachgebrauch Lang-Lkw heißen, im restlichen Europa durchsetzen. „Der Standort Deutschland würde geschwächt, wenn die Gigaliner an den Grenzen nicht weiter fahren dürfen“, sagt Honold. Eine solche Grenze könnte nach Start des geplanten Modellversuchs am 1. Januar kommenden Jahres auch direkt zwischen Ulm und Neu-Ulm verlaufen. Denn Baden-Württembergs grün-rote Regierung lehnt diesen Feldversuch strikt ab.
Trotz aller Fragezeichen hinter der Zukunft der Lang-Lkws hat sich der Neu-Ulmer Logistiker mit über 1000 Mitarbeitern an 22 Standorten in Industriegebiet Schwaighofen bereits ein wenig auf die Monstertrucks eingestellt. Rein vorsorglich. 23 Meter breit und deutlich über Normalgröße dimensioniert seien etwa die Tore zur Entladefläche des neuen Logistikparks an der Ernst-Abbe-Straße. Honold erwartet keine technischen Probleme bei der Abfertigung der Riesenlaster. Nur eine Verbesserung in der Bilanz seiner Kunden: „Wer Gigaliner einsetzt, produziert billiger.“ Ein gewichtiges Argument bei einem laut Honold 17-prozentigen Anstieg der Frachtkosten binnen eines Jahres.
Zwei Riesenlaster reichen zum Transport dreier Ladungen herkömmlicher Lkws: Statt 34 Paletten sollen bis zu 53 auf so einen Speziallaster passen. Das Volumen ist aus Sicht der Logistiker das große Plus der Riesen. Nicht das Gewicht. Denn im Straßengüterverkehr würden heute überwiegend leichte, aber voluminöse oder sperrige Güter transportiert.
In einer eigentümlichen Lage wären Ulmer Logistikfirmen, sollten die langen Laster durch Bayern rollen dürfen, ums Ländle aber einen Bogen machen müssen. Baden-Württembergs grün-rote Regierung zeigte den Monstertrucks bereits im Vorfeld die Rote Karte. Die wesentlichen Gründe für die Ablehnung sind laut Veröffentlichungen des Verkehrsministeriums insbesondere Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Bahn und Schiff, Verkehrssicherheitsprobleme und die Überlastung der Park- und Rastinfrastruktur durch überlange Laster. Das Land will sich auch nicht durch die Freigabe von Strecken im den Bundesautobahnen nachgeordneten Netz beteiligen.
Stadt Neu-Ulm brachte keine Einwände ein
Das heißt: über die A7 wäre kein Durchkommen. „Da wären wir im Donautal abgeschnitten“, sagt Björn Rustemeyer von der Ulmer Seifert Logistics Group. Der Ulmer Logistiker mit etwa 600 Beschäftigten zeigt sich grundsätzlich offen für den Einsatz der Lang-Lkw auf gut ausgebauten Langstrecken. Lang-Lkw sollen Verteilerzentren miteinander verbinden. Sie sind nicht dafür gedacht, Supermärkte oder den Obstladen in der Altstadt zu beliefern.
Die Zufahrt ins Donautal zur Firma Seifert wäre kein Problem, sagt Rustemeyer. Mithilfe gelenkter Achsen meistern die Monstertrucks nach Auskunft des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) auch Kreisverkehre anstandslos. Überhaupt sei die bestehende Infrastruktur einsetzbar. Doch die Fahrzeuge sind laut VDA genau so konstruiert, dass sie innerhalb der bestehen Infrastruktur problemlos zurecht kommen. Seine Wendigkeit verdanke der Lang-Lkw einem kleinen Untersetzwagen, der an den ziehenden Motorwagen angehängt ist.
Auch bei der Stadt Neu-Ulm wurde seitens des Verkehrsministeriums nachgefragt, ob auf bestimmten Zufahrten zu den Industriegebieten Probleme zu erwarten sind: „Wir haben keine Einwendungen eingereicht“, sagt Ina-Marlene Schnetzer von der Stadt Neu-Ulm.
Sollte so ein Monstertruck unterwegs eine Panne haben und dann dank großer Wendehammer und gelenkter Achsen den Weg zur Daimler-Werkstatt „Truckworks“ in Neu-Ulm finden, würde Serviceleiter Matthias Betz zwar erst mal staunen. Doch die Abfertigung würde kein Problem darstellen, da die Neu-Ulmer Werkstatt mit einer branchenüblichen Durchfahrt ausgestattet sei. Hier spiele die Länge keine Rolle.