Kino

02.11.2012

Zieh dich aus, Puppe

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3 Bilder
Szenen aus „Drei sind kein Duo“: Bauchredner Anton (Christian Wewerka) mit seiner Puppe Block im Auto (Bild oben); Marie (Luzie Buck) hat sich in diese verliebt (Bild unten links). Rechts unten Florian Schröder mit dem Filmplakat.

Der surreale Kurzfilm „Drei sind kein Duo“ von Florian Schröder hat Premiere in der Lichtburg

Ulm Drei sind einer zu viel – oder einer zu wenig. Der Ulmer Filmemacher Florian Schröder knüpft mit „Drei sind kein Duo“ an Dreiecksgeschichten an, wie sie das Kino immer und immer wieder erzählt. Doch bei ihm ist einiges anders. Der Kurzfilm erzählt die Geschichte des einsamen Bauchredners Anton, der sich, müde vom Leben, mit seiner Puppe Block vom Dach des Mietshauses stürzen will, in dem er lebt. Ausgerechnet dort trifft er aber Marie, doch er traut sich nur mittels seiner Bauchrednerpuppe, mit ihr zu sprechen. Es entspinnt sich eine surreale Liebesgeschichte, denn Marie scheint Anton gar nicht wahrzunehmen – sie verliebt sich dafür in dessen Puppe Block.

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Früher Drum-’n’-Bass-MC, jetzt Künstler und Falco-Fan

Der 25-minütige Film „Drei sind kein Duo“, der am Samstag, 3. November, seine Premiere in der Ulmer Lichtburg feiert, ist nicht das erste Projekt des „ADS-Menschen“ Schröder, der früher in der Werbung arbeitete – und vielen in Ulm aus seiner Zeit als Hip-Hop- und Drum-’n’-Bass-MC Mankind bekannt ist. Ein Abschnitt, der für den 32-Jährigen abgeschlossen ist. Heute macht er unter dem Namen „Wokasoma“ grafische Arbeiten in der Tradition von Andy Warhol, die unter anderem vor ein paar Monaten in der Roxy-Galerie „59:00“ zu sehen waren. Da steckt Klaus Kinski im Donald-Kostüm, und Rudolf Mooshammer hat Star-Wars-Pelztier Chewbacca auf dem Arm.

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Noch deutlicher wird die Lust am popkulturellen Zitat bei „Fanboy“ Schröders Musik-Projekt Opus Leopard, das er mit Martin Schubert und Marc Hörger (zu „Heimelektro Ulm“-Zeiten bekannt als Scarcubem) gestartet hat: Zu elektronischen Beats gibt Schröder mit gespieltem Wiener Akzent einen Falco-Imitator, der vom „Königstiger“ auf der Frauenjagd singt oder fragt: „Ist das dein Girlfriend?“.

Auch „Drei sind kein Duo“ verarbeitet Zitate, einen Gag aus Martin Scorseses „Good Fellas“ hat Schröder ebenso übernommen wie einen Satz aus „Berlin Alexanderplatz“ von Rainer Werner Fassbinder, durch dessen Werk er sich nach eigenen Aussagen derzeit „raupt“. „Der Film passt auf alle Fälle in den Wokasoma-Kontext“, sagt Schröder. Er sieht sich mit „Drei sind kein Duo“ als Teil einer neuen Szene, die surreale Filme ohne tiefenpsychologischen Beigeschmack macht. Einer von Schröders Lieblingsfilmen und ein Musterbeispiel dafür ist „Rubber“ von Quentin Dupieux, dessen Handlung um einen Autoreifen kreist, der per Telekinese töten kann.

Verglichen mit „Rubber“ ist Schröders komplett in Ulm gedrehter Kurzfilm geradezu konservativ. Ein Kraftakt war er trotzdem, musste Schröder die knapp kalkulierten 6000 Euro für seinen Film komplett selbst aufbringen. „Zum Glück habe ich ein Händchen an der Börse“, sagt der Filmemacher. Noch wichtiger aber ist das Netzwerk, das ihm vor allem bei den technischen Aspekten der Produktion geholfen habe. Ganz ohne Bezahlung ging es freilich nicht: Das Kamerateam kommt aus Bremen, die Hauptdarsteller aus Berlin und Hamburg. Der eigentliche Star des Films ist aber die Puppe: Beim Dreh musste sie von jeweils zwei Menschen gesteuert werden. Gebaut hat sie Schröder zusammen mit dem Maskenbildner Raimund Vetter selbst – keineswegs nur aus Spaß an der Sache. „Ich hatte mir von einer Special-FX-Firma einen Kostenvoranschlag schicken lassen“, berichtet Schröder. „Die Puppe hätte 10000 Euro gekostet.“

Zu viel für „Drei sind kein Duo“, aber vielleicht nicht für Schröders nächstes Projekt, das allerdings etwas aufwendiger werden dürfte: einen Gangsterfilm im Kinoformat, für den das Drehbuch schon fertig ist. „Doch dafür brauchen wir 1,2 Millionen, das geht in Ulm nicht.“ Deswegen hat Schröder seinen Umzug nach München schon geplant. Große Ideen brauchen eben manchmal größere Städte.

Premiere morgen, Samstag, um 22.30 Uhr in der Lichtburg (VVK dort). Anschließend Premierenparty mit Gerd Janson im Cabaret Eden.

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