Ein Problem nach dem anderen machte der geplante Abriss der maroden Gänstorbrücke über die Donau zwischen Ulm und Neu-Ulm. Doch dann ergaben sich neue Möglichkeiten und der Zeitplan kann nun wieder eingehalten werden. Am Mittwoch und Donnerstag war die Abrissfirma mit schwerem Gerät im Einsatz.
Ursprüngliche Abrisspläne mussten verworfen werden
Der notwendige Neubau der wichtigen Donauquerung sollte laufen, während auch der Verkehr weiterläuft. Da die Gänstorbrücke eigentlich aus zwei getrennten Brücken, für jede Fahrtrichtung eine, besteht, wurden Abriss und Neubau zweigeteilt. Erst den Verkehr auf der Ostseite bündeln und die Westseite abreißen und neu bauen, danach umgekehrt. Der Abriss sollte möglichst schonend per Vorschubgerüst passieren – also die Technik, die sonst zum Bau großer Talbrücken genutzt wird, nur eben umgekehrt. Alles stand bereit, doch beim Bohren in den Untergrund am Ufer kam die böse Überraschung, denn der Boden war trotz vorheriger Sondierung dafür untauglich.
Es musste auf den konventionellen Abriss von unten umgestellt werden. Wasserrechtliche Genehmigungen wurden notwendig, auch die Laichzeit der Fische musste beachtet werden. Gleichzeitig muss die Donau abgesenkt werden, damit überhaupt sicher gearbeitet werden kann. Der erste Abrisstermin wurde für Mitte Mai angesetzt, doch weil die Transportgenehmigung für den riesigen Bagger nicht rechtzeitig erteilt werden konnte, musste er ausfallen.
Ersatztermin war das lange Wochenende um Christi Himmelfahrt, was den nächsten Aufschrei nach sich zog, denn da findet auch das lange geplante Deutsche Musikfest statt. Die Veranstalter rechnen mit 150.000 Besuchern in der Doppelstadt. Baustellenlärm während der Konzerte im benachbarten Congress Centrum wurde befürchtet. Doch die Baustellenplaner hatten vorgesorgt und Genehmigungen für Feiertagsarbeit und 24-Stunden-Arbeit eingeholt, damit genug Luft bleibt, um während der Konzerte zu pausieren oder lärmärmere Arbeiten durchzuführen. Ein Anruf bei der Bauleitung würde genügen. Doch im Inneren des Congress Centrums ist am Donnerstag fast nichts von der Baustelle zu hören.
So schnell beißen sich die Bagger durch den Beton
Am Dienstagnachmittag wurde dann klar, dass der Bagger schon über Nacht in Neu-Ulm ankommt. So konnte bereits am Mittwochmorgen mit dem Abriss begonnen werden. Um neun Uhr setzte der erste Meißel an und schon am Mittag purzelten die ersten Betonbrocken der Brücke in die Donau. Und dann ging es rasend schnell. Bis zum Feierabend am Mittwoch war das mittlere Drittel der Gänstorbrücke komplett entfernt und auch ein großes Stück des Drittels auf Neu-Ulmer Seite fehlte. Am Himmelfahrtstag ging es um sieben Uhr morgens weiter und bis zum Mittagessen war auch das Neu-Ulmer Drittel durch zwei Bagger in die Einzelteile zerlegt. Auf der Ulmer Seite war währenddessen ein dritter Abrissbagger damit beschäftigt, auch das verbleibende Drittel auf Ulmer Seite zu zerlegen.
Obwohl es sich um zwei getrennte Brücken handelt, waren während der Abbrucharbeiten auf dem verbliebenen Brückenteil immer wieder deutliche Schwingungen spürbar. Projektleiter Timo Roth von der Stadt Ulm konnte jedoch beruhigen. Die beiden Brücken haben an ihren Ende gemeinsame Querbalken, die die Schwingungen übertragen, doch diese sind im Bereich der normalen Brückenbewegungen. Das Spektakel lockte auch Zuschauer. Vor den Absperrgittern standen oft Eltern mit ihren Kindern, denen die Begeisterung für die großen Bagger deutlich anzusehen war.
Das ursprüngliche Ziel, am Sonntag die westliche Brücke komplett entfernt zu haben, wird unterboten werden. Bereits am Samstag werden die Trümmer aus der Donau gesammelt sein und per Lastwagen zum Recycling gebracht worden sein, sagt Projektleiter Roth. Die neue Brückenhälfte soll Mitte 2026 in Betrieb genommen werden, dann erfolgt der Abriss und Neubau der östlichen Brückenhälfte. Bis Ende 2027 soll die neue, 86 Meter lange Brücke komplett in Betrieb genommen werden.
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