Die Landes-SPD will Strafanzeige bei der Ulmer Polizei stellen. Grund sind Beschädigungen von Wahlplakaten. Am Ulmer Ostplatz etwa kleben Sticker der Gruppierung „Broken Society Ultras“ (BSU) auf den Mündern von SPD-Wahlplakaten.
Für den Ulmer Stadtrat und Landtagsabgeordneten Martin Rivoir sei das „leider“ ein normaler Vorgang. Denn bei fast allen Wahlen würden Wahlplakate beschädigt. Mit den zahlreichen Aufklebern an Ampeln und Verkehrsschildern habe die Strafanzeige nichts zu tun, denn hier sei die Ulmer Stadtverwaltung zuständig.
Ärger um Aufkleber: Fans des SSV Ulm 1846 Fußball sollen putzen
„Das Pingpong mit den Bannern ist ja nett“, sagt Rivoir. Er meint damit die Schriftzüge, die am vergangenen Sonntag beim Heimspiel gegen Saarbrücken zu sehen waren. Mit dem Spruch „20 Prozent für die SPD unerreichbar, für uns kein Problem. Mit dem Code ‚SPD‘ ab jetzt 20 Prozent auf alle Sticker“, machte sich die Gruppierung über die Partei lustig. Hintergrund war der Antrag der Ulmer Sozialdemokraten an den OB und Parteifreund Martin Ansbacher, die SSV-Fans zu einer Putzaktion einzuladen, zur Entfernung von „tausenden Aufklebern an Verkehrsschilder, Ampeln, Straßenlaternen, ÖPNV-Haltestellen.“
Unter SSV-Fans sorgte der Antrag teilweise für Hohn und Spott, wie nicht nur in den sozialen Medien, sondern jüngst auch im D-Block des Donaustadions nachzulesen war. Rivoir war zwar selbst nicht im Stadion, doch als er hörte, dass ein Antrag der SPD es auf zwei Banner im D-Block geschafft hatte, habe er sich irgendwie gefreut. „Das ist eine einmalige Geschichte.“
Aufkleber nicht nur vom SSV Ulm, in Weißenhorn viel von 1860 München
Dennoch hält Rivoir die Fan-Aktionen für störend. „Das ist ein bundesweites Thema, man sieht das von Stuttgart über Augsburg bis München.“ Es gebe etwa in Augsburg und München ganze Brücken, die Fans in mit den jeweiligen Vereinsfarben ausstatteten. „Ich finde es ärgerlich.“ In Weißenhorn soll es auffällig viele 1860-Aufkleber geben. Das sei irgendwann nicht mehr lustig, etwa wenn Ampeln ihren Zweck wegen Klebern nicht mehr erfüllen könnten. „Wir haben etwa auch Bundesliga-Basketballer. Wenn alle Fans von Spitzenmannschaft so agieren würden, wie würde es dann aussehen?“
Es sei aber eine schwierige Sache, gegen diesen „Kult“ vorzugehen. Er sei aber froh, dass das seine Fraktion mal zum Thema machte. Für die Strafanzeige sei allerdings die Landes-SPD und somit Regionalgeschäftsführer Ulmer Holger Oellermann zuständig, der nicht zu erreichen war.
Wie es auf Anfrage bei der Polizei in Ulm heißt, wurden bislang keine Anzeigen wegen Sachbeschädigung erstattet. Weder von der SPD noch von „anderer Seite“, also auch nicht von der Stadtverwaltung. Wie bei der SPD inoffiziell zu erfahren ist, sei das nur eine Frage der Zeit.
Die Stadt Ulm teilt auf Anfrage mit, dass der Bauhof die Sticker von Verkehrsschildern entfernt, wenn es aus StVO-Gründen notwendig wird. Das lasse sich allerdings schwer quantifizieren. Außerdem begrüße die Stadt Ulm grundsätzlich Ideen für mehr Sauberkeit und nehme diese ernst. Da der entsprechende Antrag viele verschiedene Stellen betrifft, kann die Verwaltung allerdings derzeit noch keine Bewertung abgeben. Diesbezüglich sollen zeitnah Gespräche geführt werden.
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