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Auf der Wiesn als Sanitäter im Einsatz: Gaffer sind ein Riesenproblem

Oktoberfest 2024

Sanitäter auf der Wiesn: „Gaffer sind ein Riesenproblem“

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    Luca Stempfle aus Senden war acht Tage auf dem Oktoberfest in München als Rettungssanitäter im Einsatz.
    Luca Stempfle aus Senden war acht Tage auf dem Oktoberfest in München als Rettungssanitäter im Einsatz. Foto: Sammlung Stempfle / Peter Kneffel, dpa

    Zweieinhalb Stunden nach dem offiziellen Fassanstich gab es auf dem diesjährigen Münchner Oktoberfest die erste Patientin: Eine 24-jährige US-Besucherin musste mit der Trage zur Wiesn-Sanitätsstation gebracht werden. Sie war nicht mehr ansprechbar. Der Grund: zu viel Alkohol. Rund 530 Einsatzkräfte kümmern sich an den insgesamt 16 Festtagen um die Gesundheit der Gäste. Einer von ihnen ist Luca Stempfle. Mit dem 22-Jährigen aus Senden war nach Angaben der Aicher Ambulanz erstmals ein Sanitäter aus dem Kreis Neu-Ulm dabei. Für das Abenteuer Wiesn hat er sich „Erholungsurlaub“ genommen.

    Luca Stempfle fungierte auf der Wiesn als „Tragetruppführer“. Auf den Tragen mit dem blauen Verdeck werden Patienten abtransportiert.
    Luca Stempfle fungierte auf der Wiesn als „Tragetruppführer“. Auf den Tragen mit dem blauen Verdeck werden Patienten abtransportiert. Foto: Sammlung Stempfle

    Die Aufgabe „hat mich gereizt“, sagt Stempfle. Nach seinem Abitur 2020 am Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm machte er zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Deutschen Roten Kreuz in Ulm. Anschließend arbeitete er dort weitere zweieinhalb Jahre als hauptamtlicher Rettungssanitäter. Später wechselte er in die Ulmer Leitstelle. Seit Anfang des Jahres koordiniert er nun als Disponent in der Integrierten Leitstelle Donau/Iller in Krumbach die eingehenden Notrufe, unter anderem für die Landkreise Neu-Ulm und Unterallgäu: Er gibt vor, welche Feuerwehr, welcher Rettungsdienst wann wohin muss.

    Luca Stempfle als Rettungssanitäter auf dem Oktoberfest: „Die Wiesn war die nächste Eskalationsstufe“

    Beim Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber oder beim Ikarus-Festival in Memmingerberg war Stempfle schon als Sanitäter ehrenamtlich tätig. „Die Wiesn war die nächste Eskalationsstufe“, sagt er. Vom ersten Festtag bis vergangenen Sonntag fungierte er als sogenannter „Tragetruppführer“. Jene Trupps bestehen aus einer Trage und fünf Sanitätern. Weil es auf der Theresienwiese und seinen täglich rund 200.000 Gästen eng zugeht, fahren Rettungswagen nur raus, wenn das Leben der Patienten auf dem Spiel steht. Alles andere erledigen die „Tragetrupps“ zu Fuß. Die Liegen verfügen neben einem blauen Verdeck zum Schutz der Personen auch über GPS. So weiß die eigene Wiesn-Einsatzzentrale genau, wo sich welcher Trupp aktuell befindet.

    Einsatzleiter Maximilian Pfandl präsentiert während einer Pressekonferenz der Aicher Group zum Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest eine Transporttrage mit Sichtschutz für den Patiententransport über das Festgelände.
    Einsatzleiter Maximilian Pfandl präsentiert während einer Pressekonferenz der Aicher Group zum Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest eine Transporttrage mit Sichtschutz für den Patiententransport über das Festgelände. Foto: Lennart Preiss, dpa

    Rund um die Uhr sind bis zu 120 Kräfte allein für Einsätze rund um die Wiesn verfügbar. Die Zelte öffnen um 10 Uhr. „Die ersten zwei Stunden sind sehr, sehr ruhig - wenn nicht jemand beim Zeltsturm stürzt“, sagt Stempfle. „Ab 13/14 Uhr fangen die ersten Alkoholleichen an.“ Etwa 40 Prozent der Einsätze machen die aus. Acht Maß in vier Stunden seien es schon mal gewesen. Die Menschen erleiden einen „Kontrollverlust“: „Die urinieren und speien sich ein.“ Die Folge ist eine „deutliche Geruchsbelästigung“. Wegen des „vielfältigen Essens“ auf der Wiesn sei die auch noch einmal extremer als sonst. Zweithäufigster Einsatzgrund sind Wundversorgungen nach Stürzen. Vergleichbar mit einer „normalen mittelgroßen Stadt“ treten auch Schlaganfälle und Herzinfarkte auf.

    Ein betrunkenes älteres Schwesternpaar aus München hat es Luca Stempfle besonders angetan

    Reanimieren musste Stempfle, der auch bei der Feuerwehr in Senden aktiv ist, niemanden. Sein „extremster“ Vorfall: Ein Mann klagte urplötzlich über Unterbauchschmerzen. Woher die kamen, blieb zunächst unklar. Er kam in den Akutraum, wo Ärzte sich um ihn kümmerten. Der „witzigste“ Einsatz, der ihm im Kopf geblieben ist: Ein Schwesternpaar aus München, beide um die 70, hatten auf der Oiden Wiesn zu viel getrunken. Die eine habe nach drei Maß den Weg zur Toilette nicht mehr gefunden und knallte mit dem Kopf gegen eine Wand. Sie war „leicht verwirrt“. Ihre Schwester habe sich bei Stempfle eingehakt. „Ein ganz nettes Pärchen. Sehr betrunken, aber sehr liebenswürdig.“

    Um die 200.000 Gäste strömen täglich auf das Oktoberfest auf die Münchner Theresienwiese.
    Um die 200.000 Gäste strömen täglich auf das Oktoberfest auf die Münchner Theresienwiese. Foto: Felix Hörhager, dpa

    Der überwiegende Teil der Gäste sei „sehr dankbar“ für die Arbeit der Einsatzkräfte. Die Fahrgeschäfte seien für sie umsonst, beim Essen gebe es Rabatt. Vor allem US-Amerikaner freue es, dass die Behandlungskosten mit 200 bis 300 Euro vergleichsweise günstiger sind. Bei ihnen zu Hause wären dafür mehrere Tausend Dollar fällig. Doch es gibt auch die Schattenseiten. „Gaffer sind ein Riesenproblem“, sagt der 22-Jährige. Binnen der acht Tage sei er zwei-, dreimal angefeindet und angepöbelt worden. „Krass“ findet er, „wie schamlos Kolleginnen begrabscht und angemacht werden“. Zweimal sei er dazwischen gegangen, weil Männer nicht aufhörten, obwohl „deutlich erkenntbar“ war, dass die Frauen das nicht mögen.

    Luca Stempfle aus Senden war acht Tage auf dem Münchner Oktoberfest als Rettungssanitäter im Einsatz.
    Luca Stempfle aus Senden war acht Tage auf dem Münchner Oktoberfest als Rettungssanitäter im Einsatz. Foto: Sammlung Stempfle

    Im Großen und Ganzen aber sei das Fest „sehr, sehr friedlich“. Besonders gefallen hat Stempfle die Stimmung unter den Blaulicht-Kräften. Darunter auch Menschen aus dem Ausland, wie Österreich oder Dänemark. Ihnen sei eine gemeinsame Unterkunft gestellt worden. „Da kam Ferienlager-Stimmung auf.“ Wegen der vielen ekligen Erlebnisse müsse man „einen gewissen Schlag“ haben. „Wenn dieser Haufen zusammenkommt, harmoniert es gut.“ An einem Nachmittag hätten sie die Wiesn auch als „normaler Gast“ besuchen dürfen. „Festbier schmeckt auch Sanitätern“, sagt der 22-Jährige. Jeder von ihnen aber habe darauf geachtet, nicht bei einem der Kollegen im Behandlungszelt zu landen.

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