Kleinbrauermarkt in Ulm: Das ist geboten und wie die Kleinbrauer rund um Ulm der Krise trotzen wollen
Ulm
Nische gegen den Trend: Wie die regionalen Kleinbrauer der Krise trotzen
Neben alkoholfreien Spezialitäten steht beim diesjährigen Markt auf dem südlichen Münsterplatz vor allem ein historisch erstes Gemeinschaftsbier im Rampenlicht.
Im Ulmer Barfüßer stellten die Kleinbrauer der Region ihre Biere vor.Foto: Alexander Kaya
Wenn der Kleinbrauermarkt am Donnerstag seine Tore öffnete, gibt es auch alkoholfreies Bier zu entdecken. Und zwar das „Freipa“, eine Variante eines India Pale Ale (IPA) aus der Singh-Brauerei in Weilheim an der Teck, sowie ein alkoholfreies, mit Zitronenmelisse gebrautes Pale Ale aus Birenbach von Eremita. Zwei von über 50 Bieren.
„Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren gut entwickelt“, sagt Daniel Singh zum Thema Alkoholfrei. Aber dennoch bleibe das „Freipa“ auf solchen Festen eher ein Randprodukt. Auch Stefan Dobler vom Bräuhaus Ummendorf hatte vergangenen Jahres eine solche Variante auf dem Klenbrauermarkt dabei: „Es war nicht das Riesending.“ Aber es bleibe Thema. In den kommenden Jahren noch mehr. „Wir sind vorbereitet.“ Dieses Jahr habe er für Alkoholfreies keinen Hahn mehr frei, schließlich gibt es ja das neue, gemeinsame Festbier der Kleinbrauer. Aus den Kesseln von Barfüßer kommt dieses Jahr erstmalig das „Sommerbier“, ein leichtes Helles mit nur 3,5 Prozent Alkohol.
Aus Bayern kommt dieses Jahr nur ein Bier auf dem Ulmer Kleinbrauermarkt.Foto: Alexander Kaya
Das sind die Brauereien
Pflugbrauerei Hörvelsingen
Barfüßer Ulm/Weißenhorn
Schwanen Ehingen
Schlossbrauerei Aulendorf
Adler Moosbeuren
Singh Weilheim an der Teck
Braumadl Lauingen
Eremita Braukunst Birenbach (Kreis Göppingen)
Kronenbrauerei Ulm-Söflingen
Bräuhaus Ummendorf (Kreis Biberach)
Kleinbrauermarkt 2025 in Ulm ist eröffnet: Die Fotos vom Fassanstich
Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher übernahm am Donnerstagnachmittag den Fassanstich – zwei Schläge brauchte er und damit einen weniger als im vergangenen Jahr.
„Der Biermarkt ist generell am Sinken“, sagt Florian Angele von der Schlossbrauerei in Aulendorf. Die großen Brauereien hätten Absatzverluste im zweistelligen Bereich. Doch die kleinen bis winzigen Brauereien würde dieser Trend weniger treffen, weil es hier bei den Bierspezialitäten mehr um das Thema Genuss gehe. „Wir wollen die Bierkultur und Biervielfalt in den Mittelpunkt stellen.“ Bier sei weit mehr als das gesichtslose Industrieprodukt der Brauereiriesen. „Wir sind alle in einer Nische“, sagt Angele. „Was uns ausmacht, ist, dass wir regional verwurzelt sind. Wer normalerweise Warsteiner oder Krombacher trinkt, der kennt die Brauerei meistens nicht.“ Die Brauereien hätten sich im Laufe der Zeit immer der Zeit anpassen müssen. Es sei eine Zeit des Umbruchs. Doch Kleinbrauereien hätten aufgrund ihrer Verwurzelung in der Bevölkerung eine gewisse Krisenresistenz.
Das Bier auf dem Ulmer Brauermarkt ist nicht teurer geworden
Das kosten die Biere
Die normalen Biere wie Helles und Weizen kosten zwei Euro (0,1 Liter), vier Euro 0,3 Liter und fünf Euro für die Halbe. Die Spezialitäten wie Indian Pale Ale (IPA) kosten von drei bis sechs Euro.
Der Kleinbrauermarkt hat nach dem Aus der Brauerei Schlössle aus Offenhausen, die auch organisatorisch viel leistete, seit dem vergangenen Jahr eine Art Neustart erlebt: „Redesign“, nennt das Daniel Bürger von der Firma 42-Events, der seit über zehn Jahren in Ulm etwa „Food-Events“ veranstaltet und nun beim alteingesessenen Kleinbrauermarkt für das Thema Marketing und die Planung verantwortlich ist. „Es geht bei uns nicht darum, möglichst viele Hektoliter auszuschenken“, sagt Dobler. Das Geschäftsmodell sei es eher, neue Geschmackswelten zu erschließen. „Wir wollen die Vielfalt zeigen.“
Erstmals gibt es auf dem Ulmer Brauermarkt ein eigens eingebrautes Bier.Foto: Oliver Helmstädter
Aus dieser Zusammenarbeit ist auch das erste eigene Kleinbrauermarkt-Bier entstanden. Ein „richtig großes Highlight“ nennt Bürger das „Kleinbrauermarkt-Festbier“. Eine Kooperation aller zehn Brauer, die es an jedem Stand gibt. „Es sei nicht problematisch gewesen, sich auf einen Typus zu einigen“, sagt Stefan Dobler, der Marktsprecher aus der Brauerei Ummendorf. Ein „Festbier“, auch Märzen genannt, lag auf der Hand. Auch seien sich alle einig gewesen, dass das explizite „Kleinbrauermarkt-Festbier“ zwar sehr würzig und etwas dunkler sein dürfe, aber nicht allzu experimentell. Gebraut wurden 1000 Liter des „Sondersuds“ von der Singh-Brauerei in Weilheim an der Teck. „Das passt einfach“, sagt Dobler.
Nur noch eine Brauerei aus Bayern in Ulm
Am Donnerstag geht es los um 15.30 Uhr mit dem Fassanstich von Finanzbürgermeister Martin Bendel. Das Motto „After-Work-Party“, sagt Bürger. Damit ziele man auf ein etwas jüngeres Publikum. An den vier Tagen sei das Fest „insgesamt weniger blasmusiklastig“, sagt Dobler. Bewusst werde auch auf DJs, Rock und Pop gesetzt. „Jeder soll sich abgeholt fühlen.“ Der ganze Brauermarkt wolle sich „vorantasten“.
Neu ist dieses Jahr nur eine Brauerei, die einzige aus Bayern: Benedikt Deniffel mit seiner Brauerei „Braumadl“ aus Lauingen. Er ersetzt die Brauerei Tettnang. Aus Lauingen bringt Deniffel neben Bier auch die Hopfenlimonade mit, die das charakteristische Hopfenaroma in den Vordergrund stellt.
Auch die Feuerwehr aus Ulm wird in großen Teilen ihren Durst auf dem Kleinbrauermarkt löschen. Denn 130 der Feuerwehrleute beteiligen sich am Freitag am Münsterturmlauf, wofür es je ein Freibier gibt. Öffnungszeiten: Donnerstag ab 15.30 Uhr; Freitag ab 16 Uhr bis 22 Uhr; Samstag von 11 bis 22 Uhr; Sonntag von 11 bis 16 Uhr.
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