„Es ist noch viel zu früh, meinen Abschiedsreigen zu starten. Ein halbes Jahr müssen Sie mich noch aushalten.“ Damit war seitens Mathias Stölzles bei der Roggenburger Bürgerversammlung alles gesagt. ‚Übersetzt‘ heißt das: „Unser erster Bürgermeister wird im kommenden März leider nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren“, resümierte sein Stellvertreter Johannes Schmid die wohl wichtigste Aussage des Abends in der gut besuchten Klostergaststätte.
In einem etwas über eine Stunde dauernden Vortrag, begleitet von der Musikkapelle Biberach, packte der Roggenburger Ortschef noch einmal alles Wichtige der vergangenen zwölf Monate. Und das waren eine Menge Themen: Mathias Stölzle sprach von den Gemeindefinanzen – im Zeitraum von 2026 bis 2028 sind Investitionen von rund 3,7 Millionen Euro vorgesehen – bis hin zur Energiewende.
In den kommenden Jahren wird Roggenburg knapp 3,7 Millionen Euro investieren
Dazu gehört auch die Windkraft: „Die Gemeinde Roggenburg steht der Thematik grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, solange diese sozialverträglich und gemeinwohlorientiert gestaltet wird“, so der Ortschef. Kommende Woche entscheide die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Donau-Iller über die Flächen, die in der Region hierfür genutzt werden können. Die Potenzialfläche „Steigmahder“ ist laut Stölzle dafür noch im Rennen.
Zu den beiden Projekten, die der Bürgermeister speziell in den Fokus nahm, gehört zum einen der Breitbandausbau: Seit Juni hat der Glasfaserausbau mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 3,7 Millionen Euro begonnen. Gefördert durch das Bayerische Förderprogramm „Gigarichtlinie“ beträgt der Eigenanteil der Kommune rund 375.000 Euro. In Roggenburg selbst, das nach dem sogenannten „Lückenschluss-Programm“ von Bund (50 Prozent) und Freistaat (40 Prozent) gefördert wird, muss die Kommune rund 30.000 Euro an Eigenmitteln beisteuern. Dort steht übrigens die Auswahlentscheidung nach dem günstigsten Bieter für die Arbeiten in den nächsten vier Wochen bevor.
„Enttäuscht sind einige wenige Anwesen in Schießen, die nicht von dem geförderten Ausbau profitieren“, sagte Bürgermeister Stölzle. Sie seien bei der Markterkundung durch die Firma „Inexio“ als „erschlossen“ gekennzeichnet worden. Dieses Unternehmen beziehungsweise die „Deutsche Glasfaser“ würden nach deren eigenen Angaben gerade die Anschlussvoraussetzungen schaffen – für die betroffenen Haushalte würden allerdings die üblichen Hausanschlussgebühren anfallen.
Roggenburgs Bürgermeister Stölzle wird 2026 nicht mehr für das Amt kandidieren
Der Abwasserbeseitigung galt das zweite Augenmerk. Das Landratsamt habe die Grenzwerte für die Einleitung von Phosphor für die beiden Kläranlagen der Gemeinde verschärft – das entspreche den rechtlichen Vorgaben, erläuterte der Bürgermeister. Mit dem Einbau von Phosphatfellstationen sei das „gut und zuverlässig“ zu erreichen. In Schießen habe die Kommune rund 86.700 Euro investiert „und wird noch staatliche Zuschüsse von rund 54.600 Euro erhalten.“ Und weiter: „Rund 33.100 Euro werden auf den Gebührenzähler umgelegt.“ In Biberach, blickte Stölzle schon mal nach 2026, „ist der Einbau einer solchen Station im nächsten Jahr vorgesehen.“
Noch ein schneller Abstecher in die Grundschule: Mathias Stölzle freute sich besonders über die Abschlussbeurteilung eines Evaluationsteam 2024, das die Qualität der gesamten Schule unter die Lupe genommen hat. „Es hat durch die Bank sehr gute und beste Bewertungen ausgesprochen“, resümierte er. „Was für eine tolle Schule!“
Lob, das ihn und seine Arbeit betrifft, hingegen will der Ortschef eher vermeiden. Doch bei den Dankesworten von Johannes Schmid da musste Mathias Stölzle durch. Sein Stellvertreter zog eine kleine Bilanz über das, was unter des Bürgermeisters Ägide erreicht wurde. Als Einwohner Roggenburgs werde dadurch ein „solcher Mehrwert an Lebensqualität und Lebensgefühl“ geboten, „den man sich als Einzelner nicht einfach so schaffen kann“. Dass Mathias Stölzle als Bürgermeister und zuvor in 18 Jahren als geschäftsführender Beamter „einen ganz ganz großen Teil beigetragen“ habe, unterstrich Schmid besonders.
Diese Anliegen brachte ein Roggenburger bei der Bürgerversammlung ein
Aufgrund des „ständigen Fluglärms, der auf uns niederprasselt“, meldete sich Günter Hochenbleicher bei der Aussprache zu Wort. Die Turbo-Prop-Maschine einer Sportgruppe, die von Illertissen aus starte, sei extrem laut. „Fluglärm ist kein gemeindliches Thema“, antwortete der Bürgermeister. Es falle nicht in die Zuständigkeit der Kommune, aber er werde es bei den entsprechenden Stellen vortragen. Zu einer weiteren Frage des Biberachers, die Altdeponie in seinem Ortsteil betreffend, sagte Stölzle: „Alle Altdeponien im Landkreis stehen unter der Überwachung der Emissionsschutzabteilung des Landratsamtes.“ Die Ex-Müllkippe in Biberach gelte als unproblematisch.
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