Einen außergewöhnlichen Künstler stellt Manfred Bittner in seiner Thalfinger Galerie auf der Insel diesmal vor: Tobias Pollak ist Senior Consultant im Team des innovativen und weltweit agierenden Prototypen-Entwicklers Teufel in Nersingen. Er entwickelt Modelle. Quasi nebenbei ist Pollak Künstler – und arbeitet auch hier mit innovativen Materialien und Verfahren.
Mit "Layerworx" ist die Schau mit Werken des 42-Jährigen überschrieben. "Layerworx" deshalb, weil Tobias Pollaks Bilder im ersten Schritt auf dem Boden liegend entstehen – der Künstler aus Lonsee lässt Acrylfarbe auf die Bildflächen tropfen, ein wenig ähnlich der Arbeitstechnik des japanischen Künstler Kiichiro Ogawa. Doch dann läuft bei Tobias Pollak alles ganz anders: Pollak arbeitet künstlerisch mit einem Verfahren, das der 2009 verstorbene Elchinger Ingenieur Herbert Schiffers – langjähriger Chef der Firmen Gummi Welz in Neu-Ulm und Kunststoff-Vertrieb Dr. Schiffers – entwickelte: Die verwendete spezielle Acrylfarbe hat eine ungewöhnlich lange Viskosität, bleibt also längere Zeit fließfähig als übliche Acrylfarbe.
Pollaks Bilder lassen Raum für Interpretation
Nach der ersten Arbeitsphase hebt Tobias Pollak das Bild an, lässt die Farbe laufen – um das Werk zu drehen und Farbe in eine andere Richtung zu dirigieren. In manche der Arbeiten greift Pollak stärker ein, in andere weniger, aber alle entstehen sie mehr oder weniger durch gesteuerten Zufall. So entstehen leuchtkräftige Werke, die zur Interpretation herausfordern – Formen, die an die Zellstrukturen eines Blattes unter dem Mikroskop erinnern oder an den Querschnitt eines Stängels, mikroskopiert und enorm vergrößert.
Sie sind Objekte, die beim Betrachter Fantasie und Kreativität beschäftigen. Hat er eine Röntgenaufnahme einer Wirbelsäule vor sich? Öffnet hier ein zerrissenes Blatt einen Durchblick in eine Welt aus Licht? Erinnert das blauschimmernde Objekt vor dem Betrachter an einen pfeilschnell fliegenden Eisvogel oder an eine moderne Waffe? Tatsächlich entsteht die Deutung der Werke Tobias Pollaks erst im Auge und auf der Basis des Erlebens des Betrachters. Großartig sind die Bilder in ihrer Farbwirkung aber unabhängig von der individuellen Interpretation.
Info: "Layerworx" ist bis zum 23. Juli in der Thalfinger Galerie auf der Insel zu sehen.