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Immer mehr Regeln in Neu-Ulm für den Maibaum: Zerstört die Bürokratie das Brauchtum?

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Immer mehr Auflagen für den Maibaum: Fällt Brauchtum der Bürokratie zum Opfer? 

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    In diesem Jahr steht in Pfuhl ein frischer Maibaum – der alte wies wegen des trockenen Wetters tiefe Risse auf.
    In diesem Jahr steht in Pfuhl ein frischer Maibaum – der alte wies wegen des trockenen Wetters tiefe Risse auf. Foto: Michael Kroha (Archivbild)

    „Die Bürokratie wird immer mehr und es macht langsam keinen Spaß mehr.“ Das sagt Stefan Mayer, Vorsitzender des Pfuhler Vereinsrings. Kurz vor dem Aufstellen des Maibaums macht er sich Sorgen, wie es in Zukunft weitergeht. Denn es kämen immer neue Regelungen und Kosten auf die Vereine zu. Jüngstes Beispiel: Wer einen Maibaum in den Folgejahren wiederverwendet, muss ihn zuvor kontrollieren lassen. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Mayer.

    Der Maibaum ist eine lang gehegte Tradition, die Jahr für Jahr mit viel Liebe und Mühe aufrechterhalten wird und zum Frühling ganz einfach dazugehört. Hier kommt man zusammen und lebt die Gemeinschaft. Die Pfuhler werden von der Stadt Neu-Ulm offiziell beauftragt, den Maibaum zu stellen – so sind die Helfer über die städtische Versicherung abgesichert, falls mal etwas passiert.

    Städtische Versicherung gibt in Neu-Ulm klare Regeln für den Maibaum vor

    Doch in diesem Jahr lag der offiziellen Beauftragung ein Schreiben der städtischen Versicherung bei, in der klare Regeln benannt werden für den Fall, dass man einen Maibaum mehr als nur einmal verwendet, erklärt Mayer. Daraus geht hervor, dass der Baum mindestens einmal im Jahr geprüft werden muss: „Wenn ich ihn ein weiteres Jahr benutzen möchte, muss von einem Schreiner oder Zimmermeister abgenommen werden, ob er noch standsicher ist – und es muss protokolliert werden, dass das in Ordnung geht. Wenn man den Baum nach zwei Jahren noch einmal aufstellen will, muss man einen Gutachter beauftragen. Er guckt den Baumstamm an und sagt, ob man ihn aufstellen kann oder nicht“, schildert Mayer. Letztlich gehe es darum, dass einer den Kopf hinhält und für den Baum und die Sicherheit bürgt. „Das ist alles mit Kosten verbunden.“

    Die Pfuhler sind von den Regeln direkt betroffen, sie nutzen ihren Maibaum nämlich bis zu drei Mal. Denn gerade gewachsene Fichten zu bekommen, werde immer schwieriger, erklärt der Vereinsring-Vorsitzende. Man lese ja jedes Jahr, dass der Fichtenbestand kleiner wird, was vor allem mit dem Borkenkäfer zu tun hat, der das Holz befällt.

    Flyer zu den Maibaum-Regeln wird in Neu-Ulm laut Stadt schon seit drei Jahren versendet

    Die Stadt erklärt auf Nachfrage, der Flyer der Versicherung werde schon seit drei Jahren versendet, um die Vereine „auf die Gefahren aufmerksam zu machen“. Die Vorgaben der Versicherung hätten sich in dieser Zeit nicht geändert. Ja, es habe schon vor Jahren den Hinweis gegeben, dass der Baum kontrolliert werden soll, sagt Mayer. Aber das mache man ja ohnehin: „Wir gucken den Baum selbst vorher an und entscheiden, ob wir ihn nochmal aufstellen.“ Man habe den Hinweis damals daher nicht so aufgefasst, dass damit Kosten verbunden sind.

    Nun sei aber erstmals detailliert aufgeführt worden, wer die Kontrollen vornehmen soll und dass schriftliche Dokumentationen angefertigt werden müssen. Bei der vergangenen Vereinssitzung, als es um die neuen Regeln ging, sei die Stimmung betrübt gewesen. Es sei die Frage aufgekommen: Wo soll das enden? „Irgendwann musst du auch mal sagen: Okay, uns laufen die Kosten davon, wie sollen wir das finanzieren?“, schildert Mayer. Nach dem Schreiben habe man in jedem Fall zur Kenntnis genommen: „Wir sind jetzt in Zukunft gezwungen, jedes Jahr einen neuen Baum zu holen – um einfach diesen Auflagen mit Gutachten und Dokumentation, was alles Geld kostet, aus dem Weg zu gehen.“ Denn wer nachhaltig handelt, wird nach diesen Regeln bestraft.

    Kritik aus Pfuhl: Im Allgäu stehen Maibäume das ganze Jahr über

    Im Allgäu würden die Maibäume das ganze Jahr über stehen. „Hier wird es anders gehandhabt“, sagt Mayer. Ob diese Regeln über Neu-Ulm hinaus gelten, kann die Stadtverwaltung auf Nachfrage nicht sagen, „da es sich hierbei um Regelungen unseres Versicherers handelt. Es ist sicherlich abhängig davon, welche Versicherung eine Kommune hat und ob das Aufstellen eines Maibaums über eine Versicherung abgedeckt ist oder nicht“, erklärt Stadtsprecherin Sandra Lützel.

    Die Stadt unterstütze die Vereine beim Erhalt der Tradition des Maibaums mit einer Brauchtumsförderung in Höhe von maximal 500 Euro. „Die angesprochene Prüfung eines wiederverwendeten Baums kann in diesem Sinne im Rahmen dieser 500 Euro bei uns geltend gemacht werden – und muss somit nicht vom Verein selbst getragen werden“, erklärt Lützel weiter.

    Ein Maibaum kostet in Pfuhl zwischen 700 und 800 Euro

    Doch der Pfuhler Vereinsring-Vorsitzende betont: „Die 500 Euro reichen einfach nicht.“ Bezahlt werden muss etwa das Kranfahrzeug beim Auf- und Abbau. Girlanden müssen immer wieder erneuert werden. „Das kostet alles viel Geld.“ 700 bis 800 Euro benötige man mindestens für den Maibaum. Dann käme jetzt noch das geforderte Gutachten dazu oder jedes Jahr ein neuer Baum, der 150 bis 200 Euro extra kostet.

    Die Kosten würden immer mehr, Veranstaltungen immer mehr zum „Draufzahlgeschäft“, schildert Mayer. Er hat die Sorge, dass es sich irgendwann nicht mehr rentiert. Und das habe nicht zuletzt mit immer mehr Bürokratie zu tun. So müsse etwa schon im Vorhinein bei der Verkehrsbehörde ein Antrag gestellt werden, damit der Maibaum in der Hauptstraße stehen kann – auch das verursache Kosten, die vom Verein zu bezahlen seien.

    Bürokratie abbauen? „Davon merke ich nichts“

    „Man sagt ja immer, man will den Bürokratismus abbauen, aber davon merke ich nichts“, so Mayer. Gerade, wenn man Veranstaltungen plane und Straßen oder Plätze nutzen möchte. Ein weiteres Beispiel: Backen Unterstützer einen Kuchen für ein Fest, müssten die Zutaten genau aufgelistet werden, mit der Angabe, wo man jede einzelne Zutat eingekauft hat, so Mayer.

    Der Maibaum ist ihm ein Herzensanliegen, er möchte auf keinen Fall, dass diese Tradition endet, die die Gemeinschaft im Ort stärkt. Mehrere Pfuhler Vereine seien hier jedes Jahr aktiv und würden sich präsentieren. Hier werde getanzt, gesungen und musiziert. „Wenn man das nicht mehr macht: Was haben wir dann noch?“, fragt Mayer und fügt an: „Gott sei Dank ziehen die Jüngeren mit und sind sehr engagiert.“

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