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Klangforscher Uli Hahnel zeigt, wie Musik Angst und Klischees überwindet

Ulm

Klangforscher Uli Hahnel: „Wer gehen kann, hat Rhytmus im Blut“

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    Uli Hahnel hat eine Mission: Menschen die Leidenschaft für das eigene Musizieren zu vermitteln
    Uli Hahnel hat eine Mission: Menschen die Leidenschaft für das eigene Musizieren zu vermitteln Foto: Pia Novak

    Jeder Mensch ist musikalisch. Davon ist Uli Hahnel überzeugt. Für ihn ist das ein Naturgesetz. „Wer gehen kann, hat Rhythmus im Blut“, sagt er. Wenn der Ulmer Musiker und Klangforscher über Musik spricht, meint er nicht trockene Theorie oder den Drill am Konservatorium. Er meint ein Grundbedürfnis: die Freude am eigenen Ausdruck. Selbst wenn nicht jeder gleich ein Virtuose ist, so trage doch jeder immerhin die Grundlagen für Musik in sich. „Ich finde es schade, dass manche wegen Klischees oder Angst vor Vergleichen es mit der Musik nicht wenigstens einmal ausprobieren“, sagt er.

    In seinen Vorträgen drückt er den Menschen im Publikum auch mal Ukulelen in die Hand. Selbst puren Anfängern traut er zu, in einem improvisierten Orchester mitzuwirken. Der erste Akkord ist schnell gelernt. Dieser Sprung ins kalte Wasser fühlt sich bei Hahnel jedoch eher wie ein Rutschen in einen warmen Teich an, in dem man plötzlich merkt: Ich kann ja stehen.

    Uli Hahnel sammelt historische Instrumente in seinem Atelier

    Uli Hahnel kann sich so sehr für Klänge begeistern – und dabei vor allem für unverfälschte Töne und Analoges –, dass er zum Klangforscher wurde. In seinem Atelier lauscht er Caruso-Aufnahmen auf einem Mini-Cassettenrekorder aus den 70ern – ein Stück knisternde Nostalgie, die ihn berührt. Er besitzt eine Sammlung an historischen Instrumenten: Dazu gehört etwa eine Erhu, eine chinesische Stachelgeige mit zwei Saiten, deren Klang fast an eine menschliche Stimme erinnert und oft als warm und klagend beschrieben wird.

    In seiner Kindheit kam er nur auf Umwegen zu seinem heutigen Instrument, der Geige. Er hatte bereits mit vier Jahren den Wunsch, sie zu spielen, aber in seinem Elternhaus stand keine Geige zur Verfügung. Die Eltern meldeten ihren Jungen daher zum Flötenunterricht an der Schule an. „Das war aber furchtbar“, erinnert sich der 1959 in Augsburg geborene Musiker. Die lauten, schrillen Töne der vielen Kinder waren für ihn kaum zu ertragen. Nur ein paar Wochen hielt er es dort aus.

    Erst später ebneten zwei Fügungen den Weg: Ein Großonkel brachte ein Erbstück – eine Geige – vorbei. Und im Biologie-Studium, das er auf Wunsch seiner Mutter begonnen hatte, eröffnete sich die Nische der Musikanthropologie. In diesem Rahmen war eine experimentelle Musikgruppe ins Leben gerufen worden. Finanziell war sein Künstlerleben im Anschluss daran nicht immer leicht, vor allem nachdem er sich 1996 mit seiner freien Musik- und Kunstschule selbstständig gemacht hatte. Er habe dadurch eine gewisse Demut gelernt, erzählt er. Viel wichtiger als finanzieller Erfolg war ihm aber vor allem, die Freiheit eines Künstlerdaseins führen zu dürfen. „Musik machen bedeutet für mich Selbstwirksamkeit. Und diese löst tiefste Freude in mir aus“, beschreibt er.

    Es war ihm möglich, sich seiner Mission zu widmen: Menschen die Leidenschaft für das eigene Musizieren zu vermitteln. Hahnel fasziniert die Vielfalt der Klänge. Etwa von einer 60 000 Jahre alten Flöte aus einem Knochen, wie ihn die Neandertaler nutzten. Um diese Kraft der Klänge zu spüren, rät er zur bewussten Auszeit: Hinhören ohne Ablenkung, am besten im Konzertsaal. „Die Menschen sollen sich in einer Zeit, die von Krisen und Kriegen geprägt ist, wieder den schönen Dingen zuwenden“, betont er.

    Flusssteine schaffen besonderen Moment beim Konzert in China

    Ihn beschäftigt auch der Umstand, dass Musik ein Botschafter in der Welt für Frieden und interkulturelles Verständnis sein kann. Er selbst jedenfalls ist mit der Musik schon weit herumgekommen, gab Konzerte etwa in den USA oder China und auch ganz nah – etwa ein Friedenskonzert in der Wengenkirche in Ulm im April.

    „Es geht um die Freude. Es geht darum, den Alltag auszublenden und sich fallen zu lassen“, sagt er. Dass es dafür oft nicht einmal ein klassisches Instrument braucht, bewies Hahnel bei einem Konzert in China: Er gab jedem im Publikum zwei Flusssteine in die Hand. Als ihm während der Demonstration versehentlich ein Stein aus der Hand rutschte und laut auf den Boden knallte, passierte etwas, das ihm noch immer als einer der schönsten Bühnenmomente in Erinnerung ist: Das Publikum interpretierte das laute Geräusch als einen gewollten Schlussakzent – und applaudierte begeistert.

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