Drei Klimaaktivisten kletterten auf das Ulmer Münster und hängten ein Banner auf. Die Verhaftung musste mit Hilfe eines Krans erfolgen.Foto: Oliver Helmstädter
Zwei Stunden nahm sich Torsten Krannich, der Dekan des Kirchenbezirks Ulm, Zeit für die Klima-Kletterer, zumindest zwei von drei jungen Menschen, die auf etwa 70 Meter Höhe des Hauptturms kletterten und ein 100 Quadratmeter großes Banner mit der Aufschrift „Wäre Jesus Klimaaktivist?“ vom höchsten Kirchturm der Welt baumeln ließen. Was dabei herauskam, erläuterten Krannich und die Kletterer nach dem Gespräch im Haus der Begegnung.
Als Vertreter der Kirche empfindet Krannich die Aktion auch noch eine Woche nach der medienwirksamen Aktion den Protest als „No-Go“. Die Gemeinde halte an der Anzeige fest, das würden auch die anwesenden Kletterer akzeptieren. Ein Schaden am Münster sei wohl nicht entstanden. Doch ein endgültiges Ergebnis der Münsterbauhütte stehe noch aus.
Die Klimaaktivisten Samuel Bosch, Lina Koch Lino Krüger und Lena Mappler (von links) neben Torsten Krannich.Foto: Oliver Helmstädter
Der „wichtigere und wesentlich längere Teil des Gesprächs“, so Krannich, habe sich nicht um den erhobenen Zeigefinger, wohl aber um thematische Fragen rund um den Klimaschutz als Beitrag zur Wahrung der Schöpfung gedreht. Die Orientierung an „Action“ aus der aktivistischen Szene sei nicht die Herangehensweise der Kirche, erläuterte der Theologe, doch inhaltlich gebe es Gemeinsamkeiten: „Wir können die Welt nicht so weiter laufen lassen.“ Diese Erkenntnis sei auf beiden Seiten gleich. Jedoch glaubt Krannich nicht, dass es durch einen derartigen Aktionismus, wie er von der Gruppe gepflegt werde, tatsächlich eine Bewusstseinsänderung zu erreichen sei.
Polizeieinsatz mit SEK: Die Fotos vom Klima-Protest an der Adenauerbrücke
An der Adenauerbrücke in Ulm haben Klimaaktivisten den Verkehr lahmgelegt. Die Polizei holte die Kletterer mithilfe des SEK von der Schilderbrücke herunter.
Aus Sicht des Münster-Dekans funktioniere eine nachhaltige Änderung nur über die Kanäle, die durch demokratische Spielregeln vorgegeben seien. „Man braucht Aufmerksamkeit für ein Thema“, verteidigt Aktivistin Lena Mappler hingegen spektakuläre Aktionen wie die Kletterei auf dem Münster. Das sorge für „Druck von der Straße.“
Aktion auf dem Ulmer Münster hätte auch schiefgehen können
Der hätte aus Sicht von Krannich auch nach hinten losgehen können: „Wenn einer auf den Münsterplatz geknallt wäre, würden wir heute nicht über Klimaschutz reden.“ Die Gruppe versicherte, in Zukunft nicht erneut illegal auf das Münster steigen zu wollen. Doch „ziviler Ungehorsam“ werde ein Mittel der Aufmerksamkeitserregung im Kampf für Klimaschutz bleiben.
„Wir nehmen aus dem Austausch etwas mit“, bilanziert Samuel Bosch, einer der Münster-Kletterer. Das Ziel seien nun „gemeinsame Aktionen“ mit Kirchengemeinden gegen die Erdaufheizung. Eine Erste sei, noch ziemlich inkonkret, für das Nabada geplant. Ein funktionierendes Rezept für Veränderungen in der Bevölkerung auf breiter Basis gebe es nicht. Weder von der Kirche noch der Klimaschutz-Szene: „Beide Seiten sind hier ein bisschen ratlos“, sagt Aktivistin Lina Koch.
Kirche in Ulm sucht Dialog mit der „Letzten Generation“
Der Ulmer Hochschulpfarrer Stephan Schwarz erinnerte daran, dass es bereits in der Ulmer Lukaskirche innerhalb des Gottesdienstes statt einer Predigt einen Diskurs mit Vertreterinnen der „Letzten Generation“ gegeben habe. Die Kirche nehme sich dem Thema also längst an.
An Aktionismus will die Gruppe festhalten. Die nächste Aktion wird aber weniger spektakulär: Mitgliedern der Ulmer CDU sowie der Neu-Ulmer CSU sollen erst mal Bibeln geschenkt werden. Als Erinnerung die urchristliche Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung.
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