Während die geheime Abstimmung lief, gab Erich Winkler (CSU) unumwunden zu, dass er nervös sei. Doch das brauchte er eigentlich nicht: Der Nersinger wurde am Freitagvormittag vom Kreistag mit komfortablem Vorsprung zum stellvertretenden Landrat gewählt. Er folgt auf Franz-Clemens Brechtel, der aus Altersgründen das Amt abgegeben hatte. Das kam für manche zwar überraschend, doch das war es im Grunde nicht.
Vize-Landrat Brechtel: Rückzug mit Ansage
Seit Freitag 0:00 Uhr hat Brechtel ein Ehrenamt weniger, er ist nun nicht mehr Vize-Landrat. 2019 war der damalige CSU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag zum Landrats-Stellvertreter gewählt worden. Sein Vorgänger, der in diesem Jahr verstorbene Roland Bürzle, hatte damals das Amt aus Gesundheitsgründen aufgegeben. Dass Brechtel nun ebenfalls seinen Posten geräumt hat, liegt allerdings nicht an seiner körperlichen Verfassung: Er hatte gegenüber Landrat Thorsten Freudenberger offenbar schon damals angekündigt, er werde mit 70 Jahren aufhören. Diesen runden Geburtstag konnte er heuer feiern - und er stand zu seiner Ankündigung. Freudenberger unternahm zwar noch einen Überredungsanlauf, doch er musste feststellen: "Ich hab's versucht, es hatte aber keinen Wert."
Der Landrat würdigte den scheidenden Stellvertreter als einen seiner Mentoren in der Kommunalpolitik. Brechtel schilderte er als einen guten Ratgeber, dem es in der Kommunalpolitik stets um die Sache, aber nicht um die Parteipolitik gegangen sei. Er machte keinen Hehl daraus, dass beide nicht immer einer Meinung gewesen seien, aber es sei ja gut gewesen, wenn ihm sein Stellvertreter auch mal widersprochen habe. Doch Brechtel habe Entscheidungen loyal mitgetragen, selbst wenn er anderer Meinung gewesen sei: "So funktioniert Demokratie. Am Ende geht es nicht um das Rechthaben, sondern um den Kompromiss." Freudenberger lobte seinen Vize für das partnerschaftliche Verhältnis und die hohe Kompetenz. Vor allem: "Franz konnte als Mensch immer punkten, er lebt das Miteinander." Er danke ihm besonders für seine Freundschaft.
Scheidender Vize-Landrat lobt das Miteinander
Brechtel konterte selbstironisch, er hätte dieser Würdigung noch "eine Viertelstunde länger zuhören können", immerhin wiesen die Worte Freudenbergers "eine hohe Trefferquote" auf. Er pries das "gute Miteinander" im Landkreis. An die Mitglieder des Kreistages gewandt sagte er: "Ich gehe zwar als Stellvertreter, aber als Kreisrat müsst ihr mich noch eine Weile haben."
Als Favorit für die Nachfolge galt schon seit etlichen Wochen Erich Winkler, der sein Interesse frühzeitig bekundet hatte. Für die Wahl wurde er von Brechtel unter anderem als "froher und sympathischer Mensch" empfohlen, der als Bürgermeister von Nersingen Großes geleistet habe. Als Gegenkandidatin nominierten die Freien Wähler Susanna Oberdorfer-Bögel, die bei der letzten Kommunalwahl bereits als Landratskandidatin angetreten war. Sie sei mit ihrer Kompetenz als Betriebswirtin "die richtige Frau an diesem Platz", sagte ihr Fraktionskollege Kurt Baiker. Das sahen bei der geheimen Abstimmung zwar offenbar viele ähnlich, doch letztlich konnte Winkler 33 der 59 abgegebenen Stimmen auf sich vereinen, Oberdorfer-Bögel kam auf 26. Damit hatte Winkler knapp 56 Prozent der Stimmen erreicht. Sein Vorgänger Brechtel war vor gut drei Jahren auf 60 Prozent gekommen.
Will der Nersinger Bürgermeister sein neues Amt als Sprungbrett nutzen, um im nächsten Jahr selber Landrat zu werden? Bekanntlich möchte sich Freudenberger für die CSU in den Landtag wählen lassen. Winkler sagte dazu gegenüber unserer Redaktion ein klares "Nein". Seine Lebensplanung sei eine andere, sagte der 60-Jährige, er möchte lediglich Stellvertreter sein. Für ihn schließe sich mit der Wahl ein Kreis, denn 1987 war er als junger Anwärter ins Landratsamt gekommen. Bevor er zum Nersinger Bürgermeister gewählt wurde, leitete er die Ausländerbehörde.
Will Winkler selber Landrat werden? "Nein!"
Neben diesem Wechsel gab es noch weitere Veränderungen im Kreistag, denn drei Mitglieder hatten teilweise schon länger mitgeteilt, dass sie ihr Mandat niederlegen. Jetzt wurden die Nachfolger vereidigt. Den Kreistagssitz des Illertissers Roland Hunger (CSU) hat nun der Bucher Bürgermeister Markus Wöhrle inne. Die CSU-Landtagsabgeordnete Beate Merk scheidet Schritt für Schritt aus der Politik aus. Nächstes Jahr zieht sie nicht mehr ins Maximilianeum ein, schon jetzt hat sie ihr Kreistagsmandat zurückgegeben. Das bekam der Altenstadter Richard Möst. Für die FDP-Frau Christina Zimmermann rückt die Elchingerin Karin Batke nach.