Wegen eines Temperaturhochs verließen die ersten Frösche und Kröten Anfang März ihr Winterquartier. In feuchtwarmen Abend- und Nachtstunden überqueren die Tiere scharenweise Straßen, um Teiche und Feuchtgebiete zu erreichen. Doch die Wanderbedingungen sind ungünstig, nicht wegen der geringen Niederschläge. Bald sind wieder Amphibien unterwegs.
Die Tiere überwintern im Wald. Dort, wo es Forstarbeiten gab, ist ihre Zahl nach Angaben des Bundes Naturschutz Neu-Ulm nach den Eingriffen auf ein Zehntel gesunken. „Bei Kahlschlägen im Donauauwald mit Befahren des Waldbodens mit schweren Maschinen wurde eine größere Zahl von überwinternden Tieren mit hoher Wahrscheinlichkeit im Boden erdrückt“, schildert Geschäftsführer Bernd Kurus-Nägele. Zudem gehe die Anzahl der Amphibien allgemein zurück, weil ihr Lebensraum überbaut wird und die Zahl der Insekten so extrem sinke – den Kröten und Fröschen fehlt die Nahrung. Außerdem seien die Laichgewässer wasserarm oder ausgetrocknet. Diese Lage könnte sich verschlimmern, wenn es wenig regnet oder kaum Schmelzwasser kommt.
Amphibienzäune schützen Kröten und Frösche
Mit Schutzzäunen wurden im Frühjahr knapp 1300 Tiere vor dem Straßentod gerettet. Dies seien 70 Prozent weniger Amphibien als 2010, berichtet Kurus-Nägele. Auf folgenden Strecken wurden Amphibienzäune aufgebaut:
- Hausen – Holzschwang
- Hirbishofen – Pfaffenhofen
- Kadeltshofen – Straß
- Finningen – Neu-Ulm
- Illertissen am Weiher
- Thalfingen – Pfuhl
- Steinheim – Remmeltshofen
- Bellenberg – Au
- Steinheim – Burlafingen, Höhe Brandstätter See
- Waldrand Awo-Heim Weißenhorn
- Vöhlinschloss Illertissen
- Vöhlinstraße Illertissen
- Matzenhofen – Unterroth
- Am Ingstetter Weiher
- Autobahnzubringer Vöhringen
Bund Naturschutz schützt Tiere im Kreis Neu-Ulm
Schwerpunkte der Wanderung sind Talräume, in denen der Wald an Tümpel oder Weiher grenzt. Ohne Rücksicht und Hilfe hätten viele Amphibien kaum eine Chance, warnt Kurus-Nägele. Zahlreiche Populationen seien bereits ausgerottet worden. „Wichtig ist, auf wandernde Amphibien im Straßenverkehr zu achten, damit der Laichzug der Lurche nicht zum Leichenzug wird.“ Ab Juni werden die fertig entwickelten jungen Kröten und Frösche vor allem an warmen, regnerischen Abenden wieder wandern – vom Laichgewässer in den Wald.
Wer im März und April viele tote Tiere auf einer Straße gesehen hat, an der kein Amphibienzaun stand, soll sich unter 0173/3249171 oder Bund.Neu-Ulm@web.de melden, damit Schutzmaßnahmen ergriffen werden können. Immer mehr Arten in Bayern müssen in die Rote Liste gefährdeter Tiere aufgenommen werden. (AZ)
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