Hallo Herr Zimmer, wie war das Jahr für das Florian-Zimmer-Theater?
ZIMMER: Wir sind jetzt in der Hauptsaison, drum ist es etwas früh für eine Bilanz. Wir hatten aber viele tolle Shows. Ich kann sagen: Es war ein wunderbares Jahr. Die Show kommt sehr, sehr gut an. Wir haben in fast jeder Show stehende Ovationen.
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht?
ZIMMER: Wir haben, wie alle anderen Theater, mit der aktuellen Wirtschaftskrise zu kämpfen. Wir spüren schon eine Konsumzurückhaltung. Im vergangenen Jahr hatten wir eine höhere Frequenz von Shows.
Warum verkaufen Sie Ihre Tickets nicht auch über die großen Portale wie Eventim?
ZIMMER: Wir probieren viele Dinge aus, auch Eventim. Wir haben uns wieder davon verabschiedet. Die großen Player nehmen nämlich einen Prozentsatz vom Ticketpreis. Wir haben unser eigenes Ticketportal, darüber verkaufen wir über 90 Prozent der Tickets.
Die Konkurrenz gastiert bald gegenüber: Was denken Sie über die Ehrlich Brothers, die im Januar an zwei Abenden in der Ratiopharm-Arena vermutlich Tausende anziehen?
ZIMMER: Wir Magier sind wie eine große Clique, eine Gemeinschaft. Ich bin beeindruckt von den großen Tourneen, die sie machen. Im magischen Zirkel gibt es aber kein Konkurrenzdenken.
Neulich war der Schlagerstar Roberto Blanco Gast in Ihrer Show. Sind solche Gaststars auch in Zukunft geplant?
ZIMMER: Roberto Blanco ist im Rahmen des Konzepts SimsalaStar aufgetreten. Das möchte ich fortführen. Der Gag ist: an ausgewählten Tagen steht ein bekannter Künstler zusätzlich zum regulären Programm auf der Bühne und macht einen Zaubertrick. Der Reiz ist ähnlich wie bei „Stars in der Manege“ – bekannte Persönlichkeiten auf unbekanntem Terrain. Das ist keine einmalige Sache: im Dezember waren die Dorfrocker da.
Was ist gerade im Magie-Theater zu sehen, wenn keine Stars kommen?
ZIMMER: In der großen Show Ulmfassbar zeige ich meine neuesten und größten Illusionen. Wir hatten, ganz neu, eine Überarbeitung, jetzt kommt zudem meine Zeitmaschine mit rein.
Verlosung
Wir verlosen drei Mal zwei Tickets für die Show Ulmfassbar im Florian Zimmer Theater in Neu-Ulm. Um mitzumachen, reicht eine E-Mail mit dem Betreff „Ulmfassbar“ an gewinnnspiel@nuz.de. Bitte Wunschtermin (ab 10. Januar) auf florianzimmer.com aussuchen und angeben. Einsendeschluss ist Freitag, der 2. Januar. Bitte beachten Sie die Hinweise zum Datenschutz und die Informationspflichten nach Art. 13 DGSVO unter augsburger-allgemeine.de/datenschutz. (AZ)
Was ist aus Ihrer Sicht der größte Magier der Welt?
ZIMMER: Natürlich Harry Potter (lacht). In Las Vegas gibt es viele tolle Zaubershows, etwa von David Copperfield oder Criss Angel.
David Copperfield ist ja fast 70, oder?
ZIMMER: Ja, er hat seine Show an sein Alter angepasst. Das ist ja das Schöne an der Zauberei. Wenn ich etwa an meine Show denke. Da ist eine Illusion drin, bei der frage ich mich auch, wie lange ich das noch machen kann. Ich hänge da kopfüber in 14 Metern Höhe und befreie mich aus der „Todeskralle“. Das kann ich nichts bis ins hohe Alter machen. Aber es gibt Illusionen, die man auch als älterer Herr machen kann. Deswegen habe ich mir auch das Magie-Theater gebaut, hier in einem intimen Setting. Hier kann man mir direkt auf die Finger schauen, anders als bei den großen Shows.
Wie ist Ihre Beziehung zu Las Vegas?
ZIMMER: Ich war oft da und war sehr gut befreundet mit dem Duo-„Sigfried & Roy“. Von Ihnen habe ich als einziger Deutscher in Las Vegas den „Golden Lion Award“ bekommen. Als einziger Deutscher.
Eine andere berühmte Persönlichkeit, die jüngst im Zimmer-Theater war, ist Frank Rosin. Warum war der Fernsehkoch da?
ZIMMER: Unser Restaurant, die „Magic Cuisine hat nur funktioniert, an Tagen mit Zaubershows. Dass es auch an Tagen ohne Shows geöffnet hat, hatte sich nicht rumgesprochen. Frank Rosin hat auch gesagt, dass das Restaurant im Normalbetrieb ohne Shows nicht funktionieren werde. Das Ergebnis: Wir arbeiten mit einer Art „Pop-up“-Küche, die nur an Showtagen öffnet. Somit stärken wir unsere Stärke. So läuft es. Es ist ein Erlebnis bei uns. In der anderen Zeit nutzt unser Koch nun die Küche unabhängig für Catering-Vorbereitungen. Und wir haben nicht so viel Personal auf der „Pay Roll“.
Fast drei Jahre sind es her, dass Sie sich mit dem Münchner Manager Michael Ecker um Beraterhonorare stritten. Hat Ihnen das geschadet?
ZIMMER: Letztlich nicht. Es hat aber viel Zeit, Nerven und Geld gekostet. Es gab fünf Verfahren, die wir alle gewonnen haben. Es war wichtig, gegen ihn aufzustehen und klar zu benennen, was da gespielt wurde. Ich konnte nicht zulassen, dass so ein schönes Projekt derart angegriffen wurde. Ich würde es immer wieder so machen. Obwohl wir alles gewonnen haben, haben wir nicht mal die Verfahrenskosten bekommen. Der Ecker konnte sich den Prozess nicht leisten.
Noch ein unerfreuliches Thema. Wie hat das Theater den Brand vor drei Jahren verkraftet?
ZIMMER: Das hat uns schon negativ beeinflusst. Das war für uns total schwierig. Es haben Einnahmen gefehlt und es ging Equipment kaputt. Rauch und Staub hatte sich zudem überall abgesetzt, wir mussten investieren, um den Vor-Brand-Stand wiederherzustellen. Ein riesiger wirtschaftlicher Kraftakt war das, wir waren nämlich unterversichert. Es war nicht sicher, ob wir das überhaupt überleben.
Bekommt das Magie-Theater öffentliche Fördergelder?
ZIMMER: Nein, wir sind, glaube ich, das einzige Theater in der Region, das nicht derart finanziell unterstützt wird. Wir müssen uns komplett privat finanzieren, es muss sich also alles immer rechnen. Deswegen haben wir auch höhere Ticketpreise als etwa das Roxy. Es ist das einzige Theater Deutschlands, das nur für die Zauberkunst gebaut wurde.
Wie sind die Aussichten für 2026?
ZIMMER: Sehr gut. Es wird eine zusätzliche Show zu einer, ein bisschen veränderten, Show Ulmfassbar geben. Und natürlich das Magic-Dinner und die Kindershow „Flo-Zirkus“. Wir kommen da backstage an die Grenzen, weil zwei Shows den doppelten Platzbedarf haben. Außerdem spreche ich mit einigen Künstlern, die auch hier gerne auftreten würden, um ein noch größeres Angebot zu bieten.
Zur Person
Florian Zimmer, 43, ist gebürtiger Ulmer. Sein 2022 in Neu-Ulm eröffnetes Magie-Theater gilt als das Einzige seiner Art in Deutschland.
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