Dass der Sanierungsstau auch in Ulm spürbar ist, ist lange bekannt – doch während sich auf den Straßen mittlerweile so viel tut, dass die vielen Baustellen schon wieder Ärger hervorrufen, müssen die Schulen in der Stadt weiterhin warten. Bestes Beispiel ist das Schulzentrum Wiblingen mit seinen knapp 1700 Schülern.
Als Bernhard Meyer im Jahr 2014 die Leitung des Albert-Einstein-Gymnasiums übernahm, war bereits klar, dass etwas passieren muss. Es gibt ein Platzproblem im Schulzentrum, zudem muss das Gebäude aus den 1970er-Jahren dringend saniert werden. An Decken und Wänden zeigt Meyer braune Flecken, die auf Wasserschäden zurückgehen. Und das ist nicht das einzige Problem. Doch bis zum Ende seiner Dienstzeit im Sommer 2026 wird Meyer die Sanierung nicht mehr erleben – denn immer wieder wird das Projekt nach hinten geschoben. Dabei wurde eigentlich schon 2018 ein Grundsatzbeschluss gefasst, ursprünglich sollte im Jahr 2020 mit den Bauarbeiten begonnen werden, erklärt er.
Aktuell sieht der Zeitplan vor, dass das neue Stadtteilhaus mit Mensa im Jahr 2028 fertig sein soll. Und auch wenn sich die Stadträte im vergangenen Herbst gegen weitere Verschiebungen aus finanziellen Gründen wehrten, wird die Schulerweiterung voraussichtlich erst 2032 fertiggestellt sein, die Sanierung sogar erst weitere zwei Jahre später – und Bauverzögerungen sind da nicht mit eingerechnet. Bis dahin müssen die Schüler der größten Realschule und des größten Gymnasiums in Ulm damit leben, dass es immer wieder mal von der Decke tropft, dass Toiletten kaputt sind oder dass es in den Klassenzimmern im Sommer weit über 30 Grad heiß wird, was auch an den undichten Fenstern liegt. „Es sind Temperaturen, bei denen Sie nicht mehr unterrichten können“, sagt Meyer. Man versuche natürlich, in die Winkel der Schule auszuweichen, wo es weniger warm ist, „aber der Platz fehlt ja“. Die Lehrkräfte müssten dann Kinder unterrichten, die erschöpft auf der Schulbank liegen. Doch hitzefrei könne er eigentlich auch nicht geben, denn dann wäre das ja der Dauerzustand, erklärt der Schulleiter.
Wenn im kommenden Jahr das 50-jährige Bestehen des Gebäudes, das sich Gymnasium und Realschule teilen, gefeiert wird, befindet sich dieses also noch im dringend sanierungsbedürftigen und nicht barrierefreien Zustand. Natürlich werde das Dach geflickt, wenn es eine undichte Stelle gibt, sagt Schulleiter Meyer, doch eine größere Sanierung habe es in der ganzen Zeit noch nicht gegeben. Und so stößt man beim Schulrundgang auf braune Flecken, auf Sprünge in Fenstern, auf Scheiben, die innen anlaufen und auch auf technische Vorrichtungen, die wie aus der Zeit gefallen erscheinen. Je näher man sich Richtung Glasdach bewegt, umso wärmer wird es – auch schon jetzt bei eigentlich angenehmen Frühlingstemperaturen. Glücklicherweise habe die Heizung noch nicht den Geist aufgegeben, sagt Meyer. Die Realschule allerdings habe kürzlich eine Zeit lang ohne sie auskommen müssen.
Er habe zwar Verständnis dafür, dass die Sanierung verschoben wird, wenn das Geld an anderer Stelle in der Stadt dringend benötigt wird, sagt Meyer. „Auf der anderen Seite bin ich Schulleiter und stehe für die Schule hier.“ Daher überwiege inzwischen die Ungeduld. Vor knapp 50 Jahren wurden Realschule und Gymnasium jeweils dreizügig geplant, mittlerweile sind sie fünfzügig und der zukünftige Bedarf liegt sogar bei einer Sechszügigkeit. Seit 2011 gibt es vier Container auf dem Schulgelände, die als Klassenzimmer fungieren. Im Zuge der Baumaßnahmen werde ihre Zahl wachsen und sie würden an eine andere Stelle versetzt, erklärt Meyer. Seit Kurzem ist offiziell: Das Schulzentrum Wiblingen hat einen zusätzlichen Raumbedarf von 3.753 Quadratmetern, der auch förderfähig ist. Die Erweiterung soll durch weitere Geschosse ermöglicht werden. Aktuell gibt es Wanderklassen, die kein eigenes Klassenzimmer haben, außerdem gibt es keine Möglichkeit der Inklusion und Differenzierung.
„Es ist nicht so, dass die Stadt nichts tut“, betont Meyer. So würden demnächst etwa die schadhaften Jalousien ausgetauscht. Und auch neue Unisex-Toiletten sollen für eine Verbesserung sorgen. Außerdem ist der Schulleiter den Stadträten dankbar, die trotz der vielen Herausforderungen in der Stadt auf eine baldige Sanierung des Schulgebäudes pochen. „Ein Baubeginn erst in vier Jahren – das ist verdammt lange. Wir müssen alles prüfen, um eine Beschleunigung hinzubekommen“, sagte etwa Barbara Münch von der CDU-Fraktion kürzlich in der Sitzung des Schulbeirats. Ihre Fraktion schlägt vor, das Projekt in Form einer öffentlich-privaten-Partnerschaft (ÖPP) anzugehen. Meyer appellierte in derselben Sitzung: „Wir dürfen nicht an den Schülern sparen. Sie sind unser Kapital für die Zukunft.“
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