Die Milchwerke Schwaben blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2024 zurück. Wegen geringer Milchmengen seien die Preise auf einem „ordentlichen Niveau“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Joachim Keller am Dienstag bei der Generalversammlung in Ulm. Außerdem gab der Vorstand bekannt, dass man in diesem Jahr in den Hafermilch-Markt einsteigen wird.
Zwar seien die Kosten – für Energie, Wasser und Maschinen – gestiegen. Doch vor allem aufgrund der Verbreitung der Blauzungenkrankheit im Norden Deutschlands habe es ein geringes Angebot an Milch gegeben, erklärte Keller. Da die Nachfrage gleichzeitig groß war, sei das gut für die Preise gewesen. Und auch für das laufende Jahr rechnet man mit einer stabilen Preisentwicklung. Die Milchwerke Schwaben haben in ihre Anlagen investiert und weitere Kapazitäten für Joghurt geschaffen. Als Sorten der Eigenmarke Weideglück seien Orange, Mango und Zitrone hinzugekommen. Aktuell wird die Einführung eines laktosefreien Joghurts vorbereitet.
Trumps Zoll-Politik könnte sich auf das Milchgeschäft auswirken
Auch die Butterpreise sind weiterhin auf einem hohen Niveau. Daher kann die Genossenschaft, die ihren Hauptbetrieb in Neu-Ulm hat, auch hier mit dem Umsatz zufrieden sein, wenngleich weniger produziert wurde. Sorge macht den Bauern dagegen der Bürokratieaufwand und die Maul- und Klauenseuche. Letztere erfordere höchste Aufmerksamkeit, mahnte Keller. Und auch Trumps Zoll-Politik könnte sich negativ aufs Milchgeschäft auswirken. Denn Europa produziere mehr als es verbrauche, erklärte Geschäftsführer Karl Laible, also müssten Produkte exportiert werden, was mit Zöllen allerdings schwierig sei. Die Produkte der Milchwerke Schwaben werden europaweit vertrieben, egal ob in England, Portugal oder Bosnien. Frankreich soll demnächst dazukommen. Das Milchpulver werde sogar bis Malaysia geliefert, verriet Laible. Im ersten Quartal 2025 landeten 71,5 Prozent der Frischeprodukte aus Neu-Ulm in Discounter-Regalen beziehungsweise wurden für günstige Eigenmarken der Supermärkte produziert. Knapp 20 Prozent machte die Eigenmarke Weideglück aus.
754 Lieferanten aus Bayern und Baden-Württemberg konnte die Genossenschaft am Ende des vergangenen Jahres verzeichnen – 24 weniger als im Vorjahr. Die Zahl geht stetig nach unteren – 2022 waren es noch 822 Lieferanten. Werde für einen Hof kein Nachfolger gefunden, würden die Milchbetriebe eben stillgelegt, erläuterte Laible. Bei den Biomilch-Lieferanten kamen zwei hinzu – somit waren es insgesamt 26, die die angelieferte Menge aber um knapp 25 Prozent steigern konnten.
Jeder Betrieb hat mehr als 558 Tonnen Milch angeliefert und damit rund 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 421 Millionen Kilogramm Milch liegt die Anieferungsmenge insgesamt nur knapp unter dem Wert von 2023. Knapp drei Prozent weniger Milch wurde in Neu-Ulm vor allem deshalb verarbeitet, weil ein Auftrag für Landliebe-Käse wegfiel: Die Molkerei Müller übernahm Landliebe von Friesland-Campina.
Im Joghurt-Bereich wollen die Milchwerke Schwaben weiter wachsen
Knapp 68 Prozent der Milch gingen in die Käseproduktion, mehr als 21 Prozent in Frischprodukte, darunter Joghurt, und ein Prozent in die Butterherstellung. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr weniger Käse hergestellt – das hat mit dem Wegfall des Landliebe-Auftrags zu tun, aber auch mit der Strategie der Milchwerke, noch mehr auf Joghurts zu setzen. So legte man bei den Frischeprodukten knapp sieben Prozent zu und erreichte einen neuen Höchststand. Investiert wurde in diesem Bereich etwa in eine neue Abfülllinie für Joghurt-Eimer, aber auch in die Kleinbecher-Anlage. Gerade bei den Eimern wolle man noch weiter wachsen, kündigte Geschäftsführer Johann Meier an.
Insgesamt investierten die Milchwerke Schwaben im vergangenen Jahr 5,9 Millionen Euro – auch in einen Trocknungsturm, dessen Explosionsschutz ertüchtigt wurde. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Tanks auf dem Werk installiert werden. So könne man die Kapazitäten steigern und verschiedene Joghurt-Sorten parallel vorbereiten, erklärte Meier. Der Umsatz der Genossenschaft lag im vergangenen Jahr bei 347 Millionen Euro – ein Plus von 5,5 Prozent. Der Jahresüberschuss beträgt gut 3,2 Millionen Euro und ist damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahr.
Der Milchpreis bei der Genossenschaft lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 51,6 Cent – der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag bei gut 43 Cent. Im Vergleich etwa mit der Autoindustrie „geht es uns im Bereich der Landwirtschaft doch noch gut“, sagte Laible und fügte hinzu: „Man kann nur hoffen, dass es so bleibt.“
Im Mai des vergangenen Jahres stieg man in das Q-Milch-Programm ein: Das Zertifikat gibt Auskunft über tierwohlorientierte Haltungsbedingungen. Das sei „eine Entscheidung für die Zukunft“, betonte Geschäftsführer Laible. Im ersten Quartal 2025 machte die Q-Milch bereits 53 Prozent aus. Für Käse wird sie, anders als für den Joghurt, noch nicht verwendet.
Ein Jahr lang haben die Milchwerke Schwaben mit einem Start-up verhandelt
Ganz zum Schluss der Versammlung gab Laible auf Nachfrage bekannt, dass man nach zwölfmonatigen Gesprächen ein Engagement mit einem Start-up eingegangen sei, um ein Milchersatzprodukt zu produzieren. Das Unternehmen stelle derzeit bis zu 800.000 Packungen in Polen her. Am 1. Juli übernehmen die Milchwerke Schwaben die Produktion, wobei Laible von einem starken Wachstum ausgeht: Er glaube an eine Größenordnung von 2,5 bis 4,5 Millionen Stück, erklärte er. Laufe der Absatz doch nicht wie erwartet, habe man das Recht, den Vertrag, der über zehn Jahre läuft, zu kündigen.
Es gehe um den Haferdrink einer Firma, der bereits etwa an Bahnhöfen und Flughäfen angeboten wird. Die Milchwerke Schwaben seien ab Juli komplett für das Produkt verantwortlich und könnten auch selbst die Preise festlegen. Lediglich eine Lizenzgebühr für die Nutzung der Marke müsse bezahlt werden.
Neues Vorstandsmitglied gewählt
Bei der Generalversammlung der Milchwerke Schwaben in der Donauhalle Ulm wurden auch Wahlen abgehalten. Neu in den Vorstand gewählt wurde dabei Matthias Bosch, der bereits einige Jahre Mitglied im Beirat ist. Er ersetzt Josef Puhrer, der nach 15 Jahren ausscheidet. Den Beirat verlassen Karl Müller sowie Reiner Wöhrle aus Nerenstetten-Wettingen und Ludwig Dirr aus Bibertal-Anhofen. Neu gewählt wurden Simon Kaiser und Christian Wiedemann aus Bibertal-Schneckenhofen.
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