Millionenprojekt unter Beschuss: Streit um Fassadensanierung am Neu-Ulmer Donaucenter
Neu-Ulm
Millionenprojekt unter Beschuss: Streit um Fassadensanierung am Neu-Ulmer Donaucenter
Mängelvorwürfe und Kritik an der Informationspolitik sorgen für tiefe Gräben zwischen Eigentümern und Hausverwaltung – die Verwaltung weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Ein kritischer Blick: Ali Dabanli, einer der Eigentümer und ehemaliger Hausmeister, hält nicht viel von der Qualität der Sanierungsarbeiten.Foto: Alexander Kaya
Die mehrjährige Fassadensanierung am Donaucenter in Neu-Ulm, ein Bauprojekt mit einem Gesamtvolumen von über zehn Millionen Euro, so heißt es zumindest bei den Kritikern, sorgt für Unruhe unter einigen Eigentümern. Im Zentrum der Kritik stehen technische Mängel an der Gebäudehülle sowie das Agieren der Hausverwaltung. Diese widerspricht.
Zweifel an der Ausführungsqualität: Nach vorliegenden Dokumentationen betreffen die Auffälligkeiten insbesondere die Fugenarbeiten der ersten beiden Bauabschnitte. Bewerten lässt sich das mit der Expertise der Redaktion kaum. Beteiligte berichten, dass nach rund zwei Jahren Bauzeit zusätzliche Maßnahmen erforderlich wurden. Demnach sei eine weitere Fachfirma beauftragt worden, um bereits abgeschlossene Arbeiten zu überprüfen und nachzubessern.
Die Vorwürfe: Fugenverbindungen hätten sich teilweise wieder gelöst, wobei ein ungeeigneter Haftgrund als mögliche Ursache genannt wurde. Bilddokumentationen belegen zudem deutliche Wasserlaufspuren, Feuchtigkeitseinträge an Fassadenkanten sowie Verfärbungen und Auswaschungen im Bereich der Fugen. Diese Mängel lassen auf eine beeinträchtigte Dauerhaftigkeit der Fassade schließen.
Vorwurf der blockierten Kommunikation: Besonders schwer wiegt aus Sicht der betroffenen Eigentümer der Vorwurf, die Verwaltung habe eine transparente Aufarbeitung verhindert. Bereits vor zwei bis drei Jahren sei im Rahmen einer Eigentümerversammlung beantragt worden, die technischen Mängel detailliert vorzustellen. Dieser Antrag sei jedoch nicht zugelassen worden.
Eine „Tropfsteinhöhle“ nennt Dabanli weite Teile der sanierten Fassade.Foto: Alexander Kaya
Auch spätere Versuche, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen oder eine entsprechende Sprechzeit zu erhalten, scheiterten laut Aussagen von Beteiligten mehrfach. Zwar sei in persönlichen Gesprächen eine Thematisierung in Aussicht gestellt worden, eine Umsetzung in den Versammlungen sei jedoch ausgeblieben. Für diese Vorgänge soll es Zeugen und Nachweise geben.
Es tropft im Donaucenter in Neu-Ulm.Foto: Alexander Kaya
Fragen zur Haftung und Kontrolle: Angesichts der Investitionssummen, die allein in einzelnen Bauabschnitten im Millionenbereich liegen, stellen sich für die Eigentümergemeinschaft dringende Fragen:
Wurden Mängel in den frühen Bauphasen rechtzeitig erkannt?
Wurde die Materialwahl (Haftgrund) technisch ausreichend geprüft?
Inwieweit wurden die Eigentümer über die Risiken und die Notwendigkeit der Nachbesserungen informiert?
Zudem steht die Frage im Raum, ob die Verwaltung ihrer Überwachungs- und Kontrollpflicht in ausreichendem Maße nachgekommen ist. Ein Kritikpunkt ist unter anderem der Rückbau von Gerüsten, der erfolgt sei, bevor alle Mängel vollständig behoben waren.
Das Neu-Ulmer Donaucenter kommt immer wieder in die Schlagzeilen. Von Legionellen bis hin zu Baumängeln.Foto: Alexander Kaya
Nächste Versammlung als Prüfstein: Für die kommende Eigentümerversammlung ist ein erneuter Vorstoß geplant. Ein Antrag auf Sprechzeit soll die umfassende Darstellung der technischen Probleme ermöglichen. Es bleibt abzuwarten, ob die Verwaltung dieses Mal eine offene Debatte zulässt oder die Aufklärung erneut einschränkt. Eine Stellungnahme der Hausverwaltung zu den genannten Punkten wurde angefordert.
Das sagte der Immobilienverwalter aus Senden
Das Tischtuch mit der Hausverwaltung des größten Wohnhauses in der Region ist zerschnitten. Frank Kagerer, von der Verwaltungsgesellschaft Immobilien-Service Anzinger mit Sitz in Senden, betont auf Nachfrage, dass die Fassadensanierung – bisher vier Sanierungsabschnitte – mit großer Mehrheit der Eigentümer beschlossen worden sei. Ein Planungsbüro habe den gesamten Sanierungsprozess mit „enger Bauüberwachung“ begleitet. Die Eigentümer seien in allen Eigentümerversammlungen umgehend informiert worden. Es lägen keine systematischen Mängel vor. Alle gemeldeten Mängel seien und werden (falls nicht schon geschehen) vom Planungsbüro zeitnah begutachtet und dann abgearbeitet. Aussagen wie die oben geschilderten würden die die ausführenden und überwachenden Firmen zurückweisen.
Der Vorwurf, dass eine Aufarbeitung verhindert wurde, sei ebenso nicht zutreffend. Zur Eigentümerversammlung 2024 habe eine Liste mit Vorwürfen vorgelegen. Diese habe die Verwaltung als Teil der Einladung zur Eigentümerversammlung an alle Eigentümer verteilt und hat einen Tagesordnungspunkt zur Aussprache vorgesehen. Die große Mehrheit der Eigentümer – mit alleiniger Ausnahme der Minderheit, die die Liste erstellt hatte – habe sich, so schreibt Kagerer, gegen die Vorwürfe und Forderungen positioniert.
Die „besorgten Eigentümer“ seien eine Minderheit. „Die sich wiederholenden und letztlich substanzlosen Angriffe bewirken vor allem, dass das Donaucenter als eines der beherrschenden Gebäude Neu-Ulms an Wert verliert, während die Maßnahmen, die attackiert werden, dazu da sind, den Wohnwert und den Wert des Wohneigentums nachhaltig zu erhalten und zu steigern.“ Fortsetzung folgt.
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