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Neu-Ulm/Unterallgäu: Vermisste sitzt wegen Hochwasser 60 Stunden in einer Baumkrone

Neu-Ulm/Unterallgäu

Vermisste sitzt wegen Hochwasser 60 Stunden in einer Baumkrone

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    Links die Iller, rechts der Silberwald in Neu-Ulm. Hier soll die vermisste Frau 52 Stunden auf einer Baumkrone verbracht haben - in Sicherheit vor den Fluten.
    Links die Iller, rechts der Silberwald in Neu-Ulm. Hier soll die vermisste Frau 52 Stunden auf einer Baumkrone verbracht haben - in Sicherheit vor den Fluten. Foto: Alexander Kaya

    Seit zwei Tagen galt die 32-Jährige aus dem Unterallgäu als vermisst. Es war davon ausgegangen worden, dass die Frau im Bereich des vom Hochwasser überschwemmten Silberwaldes in Neu-Ulm verschwunden war. Die Suche nach ihr gestaltete sich im überfluteten Gebiet jedoch schwierig. Nun verkündet die Polizei: Die Frau konnte gerettet werden. Sie saß mehr als 60 Stunden in einer Baumkrone – in Sicherheit vor dem Hochwasser. Ihr Bruder sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, sie sei "ein harter Knochen". 

    Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei soll sich die Frau in der Nacht zum Sonntag, gegen 23.30 Uhr, selbst per Notruf bei der Integrierten Leitstelle gemeldet haben. Dabei soll sie mitgeteilt haben, dass sie im Bereich des Silberwaldes unterwegs war und um sie herum plötzlich Wasser sei. Der Kontakt zu ihr sei dann abgebrochen. Ein Bekannter, der zu dieser Zeit wohl auch mit ihr in Kontakt stand, sei anschließend ebenfalls bei der Polizei erschienen und soll die Frau als vermisst gemeldet haben.

    Frau aus dem Unterallgäu in Neu-Ulm vermisst: Suche im Silberwald zunächst erfolglos

    Die Suche nach der Vermissten gestaltete sich schwierig. Der Bereich im Silberwald zwischen der Iller und B28 beziehungsweise den Neu-Ulmer Stadtteilen Ludwigsfeld und Gerlenhofen war vom Hochwasser überflutet. Erste Maßnahmen wurden ausgesetzt, der Pegel der Iller war am Montag wieder gestiegen. Die Strömung dort war "relativ stark", so der Polizeisprecher. Mit Booten konnte man nicht hinein. Auch ein Polizeihubschrauber wurde eingesetzt. Doch zunächst ohne Erfolg. Es müsse wohl abgewartet werden, bis sich das Wasser zurückzieht, so die Prognose der Polizei.

    An diesem Dienstag war das Wasser nun wieder schon so weit zurückgegangen, dass eine Suche mit dem Boot nicht mehr möglich war. Mithilfe von Drohnen und am Boden mithilfe von Polizeihunden wurde weitergesucht. "Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagte der Polizeisprecher noch am Dienstagmittag.

    Hochwasser in Neu-Ulm: Drohnenteam der Polizei findet die Vermisste in einer Baumkrone

    Am Nachmittag teilt die Polizei dann mit: Ein Drohnenteam der Polizei habe die Vermisste gegen 13 Uhr im Bereich Silberwald weitestgehend unverletzt aufgefunden. Die Frau aus dem Unterallgäu habe sich in der Krone eines umgestürzten Baumes vor dem Hochwasser in Sicherheit bringen können. In der Baumkrone habe die 32-Jährige mehr als 60 Stunden rund zwei Meter über dem Wasser ausgeharrt, bevor Einsatzkräfte der Polizei sie fanden. "Unter ihr stand das Hochwasser zum Zeitpunkt der Rettung noch immer etwa brusthoch", heißt es in der Mitteilung der Polizei. 

    Der Notfallsanitäter Harald Heinlein war an der Rettung einer 32-Jährigen beteiligt, die bei Hochwasser 60 Stunden auf einem Baum saß.
    Der Notfallsanitäter Harald Heinlein war an der Rettung einer 32-Jährigen beteiligt, die bei Hochwasser 60 Stunden auf einem Baum saß. Foto: dpa

    Weil das Wasser in dem Bereich immer noch zu hoch für eine landläufige Rettung war, kam gegen 14.30 Uhr ein Hubschrauber zum Einsatz. Wie ein Sprecher der ADAC-Hubschrauberstaffel berichtet, habe sich die Frau zwei Meter über dem Hochwasserspiegel an der Baumkrone festgeklammert. Gerettet wurde demnach mit dem am Wochenende aus Nordrhein-Westfalen nach am Augsburg verlegten Spezialhubschrauber Christopher 40B, der für Katastropheneinsätze mit einer Spezialseilwinde ausgerüstet ist. Der Notarzt an Bord habe sich zu ihr abgeseilt, sie dann umgeschnallt und nach oben in den Hubschrauber gezogen. An Bord wurde sie bereits erstversorgt. Der ADAC habe seine beiden Seilwindenhubschrauber für eine jeweils vierköpfige Besatzung am Sonntag nach Augsburg und den anderen nach Ingolstadt verlegt, wo beide derzeit Einsätze fliegen.

    Rettung ist ein "Lichtblick" für die Polizei: Bruder nennt die Vermisste "einen harten Knochen"

    Laut Polizei war die Frau bei ihrer Rettung sichtlich geschwächt und dehydriert. Ihre wenigen Wasservorräte, die sie wohl dabei hatte, waren schon aufgebraucht. Die 32-Jährige kam zur weiteren Abklärung in ein Krankenhaus. Warum die Frau sich dort aufhielt, war zunächst unklar. Eine Befragung durch die Polizei konnte bislang nicht erfolgen, sie sei sofort in die Klinik verbracht worden. In Anbetracht jüngster Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit dem Hochwasser ist diese Geschichte auch für die Polizei ein "Lichtblick", sagt der Polizeisprecher. 

    Der Bruder der 32-Jährigen hatte sich zwischenzeitlich bei unserer Redaktion gemeldet. Über die Hintergründe wisse er noch nicht viel. Er sei nur froh, dass seine Schwester lebend gefunden wurde. Sie sei "hart im Nehmen". Und überhaupt findet er: "Eine unglaublich fröhliche Geschichte." 

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