"Ich erlebe Einsamkeit in jedem Bereich, in dem ich in Neu-Ulm mitarbeite", sagt Gisela Altschäffl vom Beraterkreis Senioren Neu-Ulm. "Und diese Menschen leiden und kommen nicht aus ihrem Loch heraus." Jeder Einzelne sei gefragt, etwas dagegen zu tun. Ein Beitrag zur Bekämpfung der Einsamkeit im Alter ist das in Neu-Ulm entwickelte Konzept "Senderella". Was steckt dahinter?
In Neu-Ulm läuft das Projekt "Senioren und Digitalisierung"
Die Idee dazu entstand im Rahmen des Projekts "Senioren und Digitalisierung". Zusammen mit den städtischen Seniorenberaterinnen und dem Netzwerk Senioren suchte die Stadt Neu-Ulm nach Möglichkeiten, älteren Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Für die technische Expertise wurde das Ulmer Unternehmen Innolizer mit ins Boot geholt. Beteiligt waren aber auch Fachleute aus der Pflege und anderen sozialen Einrichtungen. Und vor allem kamen Seniorinnen und Senioren selbst zu Wort, denn um ihre Bedürfnisse ging es schließlich.
"Das große Thema ist Einsamkeit", erläutert Anna Gaab von Innolizer. Einsamkeit könne jeden treffen. Doch Menschen über 60 seien zunehmend gefährdet, weil bei ihnen oftmals die sozialen Kontakte weniger würden und ihre Fitness abnehme. Die Corona-Krise habe die Situation noch verschärft. "Das Ziel ist eine Plattform für die Gestaltung von Freizeit für Seniorinnen und Senioren", sagt Gaab über "Senderella".
So könnte die Plattform "Senderella" Seniorinnen und Senioren helfen
Die Plattform soll automatische Vorschläge für Aktivitäten in der Region machen, die den eigenen Interessen entsprechen. Nutzerinnen können aber auch eigene Aktivitätswünsche angeben, etwa: "Heute hätte ich Lust auf einen Spaziergang an der Donau." "Senderella" stellt dann eine Verknüpfung mit Gleichgesinnten her. So können über den eigenen Bekanntenkreis hinaus Menschen mit ähnlichen Interessen gefunden werden und der Aufwand für das Organisieren von Aktivitäten wird geringer.
Es können zudem Unterstützerkonten angelegt werden, etwa für Angehörige oder Pflegekräfte, die als "menschliche Brücke" zwischen der Plattform und den Nutzern agieren. Aus Sicherheitsgründen müssen diese allerdings zertifiziert werden, schließlich soll "Senderella" nicht von Betrügern missbraucht werden.
Profitieren sollen von dem digitalen Konzept neben Seniorinnen und Senioren auch Kommunen und Behörden, Vereine und Einrichtungen. Etwa durch den Ausbau von Netzwerken und neuen Angeboten oder bei der Suche nach Ehrenamtlichen. "Es soll keine Partnerbörse à la Tinder werden", betont Ralph Seiffert, Leiter des Dezernats für Bildung, Kultur, Sport und Soziales der Stadt Neu-Ulm.
Wann "Senderella" an den Start geht, ist noch völlig offen. "Es gibt keine Zeitschiene", räumt Seiffert ein. Denn damit aus dem Konzept eine Plattform wird, fehlt vor allem noch eines: Geld. Innolizer schätzt die Kosten auf 350.000 Euro. Und so viel kann die Stadt nicht allein aufbringen. "Wir brauchen Kooperationspartner", sagt Seiffert. Die Vorarbeit ist geleistet. Jetzt sucht die Stadt nach Unterstützern.