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„Papa, nerv nicht“: Wie Lea Bone mit 8 Jahren zur Fallschirmspringerin wurde

Ulm/Tannheim

„Papa, nerv nicht“: Wie Lea Bone mit acht Jahren zur Fallschirmspringerin wurde

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    Schon früh begeisterte sich Lea Bone fürs Fallschirmspringen, im Tandem mit ihrem Vater machte sie den ersten Sprung. Heute ist sie Fallschirmsprung-Lehrerin.
    Schon früh begeisterte sich Lea Bone fürs Fallschirmspringen, im Tandem mit ihrem Vater machte sie den ersten Sprung. Heute ist sie Fallschirmsprung-Lehrerin. Foto: The Flying Bones, privat

    „Wenn man sich präsentiert, dann richtig“, findet Sascha Bone, der zusammen mit seiner Frau den Sprungbund und die Flugschule Flying Bones in Tannheim, Nähe Memmingen, leitet. Am Samstag springen um 15.30 Uhr erfahrene Fallschirmspringer aus etwa 1200 Metern Absprunghöhe während der Verbrauchermesse „Leben, Wohnen, Freizeit“ über dem Ulmer Messegelände ab. Tochter Lea hat sich diese besondere Aktion überlegt.

    Die 22-Jährige hat nämlich zusammen mit einer Kommilitonin im Rahmen ihres Studiums das Rahmenprogramm der Verbrauchermesse gestaltet. Ihr Ziel: „Etwas Cooles, Ausgefallenes machen, was es so vielleicht noch nicht gegeben hat, gerade im Ulmer Kreis.“ Der Vater hatte keine Einwände: „Ich hab’ ja selber Spaß dran“, sagt er.

    „Meine Eltern sagen immer, ich bin ein Zirkuskind“

    Lea ist, wie ihre Eltern, Skydiverin. Auch hat sie eine Lehrberechtigung im Fallschirmsport und ist Fallschirmwart. Sie erzählt, dass sie und ihre Schwester als Kinder an fast jedem Wochenende an verschiedenen Sprungplätzen immer dabei waren. Fallschirmspringen – für Lea als Kind das Normalste der Welt. „Meine Eltern sagen immer, ich bin ein Zirkuskind“, erklärt sie.

    „Papa, nerv nicht!“, sagt sie vor ihrem ersten Sprung

    Ihren ersten Tandemsprung hat sie mit ihrem Vater als Achtjährige gemacht. „Ich wollte eigentlich schon früher in die Luft“, erinnert sich Lea, „aber das hat aufgrund der Gurtzeuggröße nicht hingehauen, sodass mein Papa mich Jahr für Jahr vertrösten musste.“

    Als es dann endlich so weit war, hatte Vater Sascha „übrigens mehr Schiss als sie“. Lea bestätigt das: „Er hat mich mindestens zehn Mal gefragt: ‚Du, willst du das wirklich machen? Du, wir müssen das nicht machen, wir können noch warten.‘“ Darauf erwiderte sie wohl bloß: „Papa, nerv nicht!“

    Fallschirmspringen ist eine Männerdomäne – doch es gibt Ausnahmen.
    Fallschirmspringen ist eine Männerdomäne – doch es gibt Ausnahmen. Foto: The Flying Bones

    Mit 14, dem Mindestalter, saß sie zum ersten Mal in der „Ground School“. Damit gemeint ist der Anteil der Theorie und Praxis, die am Boden stattfindet. Doch dann hat sie beschlossen, dass sie damit noch etwas warten möchte. „Ich hab’ mit 14 irgendwie noch nicht das Mindset gehabt. Etwas hat mich davon abgehalten und ich wollte meinem Gefühl folgen.“ Dass sie erst mit 16 Jahren die Ausbildung zur Skydiverin gemacht hat, findet ihr Vater „ultracool“.

    Ob Lea nach etwa 400 Sprüngen immer noch Angst hat? „Klar, wenn die Tür aufgeht oben, ist es ’ne ganz andere Geschichte, dann kannst du noch so tough sein unten am Boden, aber wenn du dann auf 4000 Meter bist und die Tür geht auf und du guckst runter, da wird’s dir ganz kurz unwohl, sag ich mal.“ Mit acht war das aber „noch nicht ganz so da“, meint sie. Sie vermutet, dass es damit zusammenhängt, dass man mehr Risiken eingeht, wenn man jünger ist und sich noch nicht so viele Gedanken darüber macht, was alles passieren könnte.

    „Dass bei richtiger Anwendung beide Schirme nicht aufgehen, das sind Ammenmärchen“

    Dabei ist Fallschirmspringen tatsächlich sehr sicher. Sascha Bone erklärt, dass die Unfallrate extrem gering ist (unter 0,001%). Beim Tandemspringen gibt es immer zwei Schirme und auch einen elektronischen Öffnungsautomaten, falls der Tandempilot bewusstlos wird. „Dass bei richtiger Anwendung beide Schirme nicht aufgehen, das sind Ammenmärchen.“

    Trotzdem: „Aufgeregt ist jeder.“ Selbst Sascha Bone, der seit 1991 schon Skydiving betreibt, hat beim Steigflug keinen Ruhepuls mehr. Aber einen zu haben, sei auch nicht normal: „Da müsste man sich eher mal untersuchen lassen, weil wir gleich mal ein intaktes Luftfahrzeug verlassen, um da rauszuspringen, und uns dabei darauf verlassen, dass dieses Stück Stoff und Schnüre aufgeht. Also, ein bisschen bescheuert muss man da ja schon sein.“

    „Es ist ein männerdominierter Sport“, sagt Lea. Über die Jahre habe sich noch nicht so viel daran geändert. „Leider“, schiebt Sascha hinterher. Allerdings würden Frauen mehr Tandem springen als Männer, da „sie das von ihren Männern zu Weihnachten, zum Geburtstag geschenkt bekommen, weil die sich selber nicht trauen“. Wenn sie dann aber tatsächlich springen, sind sie „viel entspannter als die Männer“, erklärt Lea.

    Bei der Flugschule Flying Bones sind sie „ein ganz, ganz bunter Haufen“, erzählen beide. „Der eine ist Landschaftsgärtner und der andere ist Gesichtschirurg.“ Bei ihnen ist jeder willkommen, egal, wie viele Sprünge man schon gemacht hat – was sie verbindet, ist die Leidenschaft fürs Fallschirmspringen.

    Nervenkitzel ist bei einem Fallschirmsprung garantiert.
    Nervenkitzel ist bei einem Fallschirmsprung garantiert. Foto: The Flying Bones
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