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Philharmonisches Konzert Ulm bringt Deutsche Erstaufführung mit Prokofiev

Ulm

Philharmonisches Konzert zwischen Verklärung und Maschinenrhythmus

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    Viel Applaus für Orchester und Solistin Asya Fateyeva gab es in Gabriel Prokofievs Saxophonkonzert.
    Viel Applaus für Orchester und Solistin Asya Fateyeva gab es in Gabriel Prokofievs Saxophonkonzert. Foto: Florian L. Arnold

    Seit jeher sucht der Mensch dem Tod Sinn zu verleihen – als Erlösung oder Übergang. Richard Strauss’ Tod und Verklärung ist eine der eindringlichsten musikalischen Antworten darauf. 1888 begonnen, schildert das Werk nach eigenem Bekunden „die Todesstunde eines Menschen, der nach den höchsten Idealen gestrebt hatte“: Fieber, Erinnerung, das unerfüllte Ideal und schließlich die Verklärung der Seele.

    Strauss übersetzt dieses Programm in zwingende Klangrede. Das pochende Motiv der ersten Takte evoziert den unruhigen Atem des Sterbenden; schmerzhaft auffahrende Steigerungen markieren Quälendes. Wenn am Ende die vorzüglich gestimmten Blechbläser in strahlender Apotheose das Verklärungsmotiv erheben, ist das keine sentimentale Geste, sondern die zwingende Konsequenz einer symphonischen Dramaturgie. In der fein abgestuften Dynamik des Philharmonischen Orchesters gewinnt die Partitur Sogkraft, ohne ins Pathetische zu kippen. Generalmusikdirektor Felix Bender lenkt im dritten Philharmonischen Konzert seinen Klangkörper mit sicherem Gespür für Balance zwischen metaphysischem Anspruch und orchestraler Sinnlichkeit.

    Philharmonisches Orchester Ulm begeistert bei Deutschlandpremiere

    Nach so viel Transzendenz wirkt Gabriel Prokofievs 2014 entstandenes Saxophonkonzert wie ein Energiestoß. Der 1975 in London geborene Enkel Sergej Prokofjews, Gründer des Labels und der Clubreihe „Nonclassical“, verbindet Konzertsaal und Clubkultur. Seine Präsenz bei der Deutschlandpremiere in Ulm schien das Philharmonische Orchester zusätzlich zu beflügeln: Mit explosiver Präzision und Hingabe entfaltete es die elektrisierende Partitur. Der Beginn mit seiner rhythmisch zugespitzten Kaskade verweist auf Prokofievs motorischen Zugriff. Schlagwerk und Röhrenglocken treiben, der Maschinenrhythmus stockt und setzt neu an – Reminiszenzen an Alexander Mossolows „Eisengießerei“ blitzen auf, ebenso Strawinskys Ironie. Darüber spannt sich das Saxophon in Frage und Antwort mit dem Orchester. Asya Fateyeva gestaltet diese Partie mit bezwingender Klangfülle: schnarrend und scharf, dann wieder mit weichem, fast singendem Ton.

    Der zweite Satz öffnet lyrischere Räume, erinnert in seiner erzählerischen Gelassenheit an John Adams, ehe ein virtuoses Solo mit tänzerischem Impuls kulminiert. Ein dunkler, gebrochener Walzer und ein rhythmisch hochkomplexes Finale – mit fernen Anklängen an Schnittke oder Bernard Herrmann – beschließen das Werk teuflisch packend. Dass diese Musik mehr ist als Effekt, zeigt die differenzierte Arbeit des Orchesters, das die perkussiven Farben mit bemerkenswerter Detailfreude ausleuchtet. Fateyeva lässt das Saxophon zwischen Noblesse und improvisatorischer Freiheit changieren – und wird am Ende mit frenetischem Applaus gewürdigt, Umarmung des Komponisten inklusive.

    Drittes philharmonisches Konzert der Stadt Ulm überzeugt

    Nach diesem Kraftakt setzt Mozart einen heiteren Kontrapunkt. Die Symphonie Nr. 38 D-Dur, die „Prager“, verbindet dramatische Zuspitzung mit opernhafter Leuchtkraft: eine spannungsvoll ausgreifende Einleitung, ein innig modulierendes Andante, ein Finale von buffonesker Verve. GMD Bender bevorzugt hier großorchestrale Farbigkeit vor dynamischer Schärfe; im akribischen Umgang mit Klangnuancen zeigt das Philharmonische Orchester erneut seine Qualität.

    So erweist sich das philharmonische Orchester der Stadt Ulm im dritten Philharmonischen Konzert als Garant eines erfüllenden Konzerterlebnisses. Drei Werke, drei Perspektiven, ein wahrlich überzeugender musikalischer Bogen.

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