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Radeln, Staunen, Probieren: Regionale Landwirtschaft wird auf Fahrradtour bei Attenhofen greifbar

Attenhofen

Radeln, Staunen, Probieren: Regionale Landwirtschaft wird auf Fahrradtour greifbar

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    Kreisobmann Andreas Wöhrle (links) begrüßte die Gäste gemeinsam mit Kreisbäuerin Christiane Ade und dem Bundestagsabgeordneten Alexander Engelhard (rechts).
    Kreisobmann Andreas Wöhrle (links) begrüßte die Gäste gemeinsam mit Kreisbäuerin Christiane Ade und dem Bundestagsabgeordneten Alexander Engelhard (rechts). Foto: Pia Novak

    Wie wächst eigentlich unser Essen? Viele Menschen haben kaum noch Berührungspunkte zur Landwirtschaft. Die Folge: Viele wissen nur wenig darüber, woher ihr Essen kommt und wie es erzeugt wurde. Solche Wissenslücken führen mitunter zu Vorurteilen und unsachlicher Kritik gegenüber Landwirten. Der Bayerische Bauernverband will gegensteuern und organisiert regelmäßig Veranstaltungen im Rahmen seines Bildungswerks.

    Die „Tour de Flur“, die der Kreisbauernverband am Pfingstmontag organisiert hatte, war jedoch keine nüchterne Lehrstunde, sondern vielmehr ein Erlebnis in geselligem und gemütlichem Rahmen. Auf Fahrrädern erkundeten Interessierte die Anbauflächen rund um Attenhofen. Begleitet von einem Landwirt fuhren die Gruppen ein Gebiet ab und hielten an eigens dafür errichteten Punkten mit Lerntafeln.

    Bei einer Radtour des Neu-Ulmer Kreisbauernverbands gab es viele Infos zur Landwirtschaft

    Zu sehen gab es Felder mit Raps, Gerste, Kartoffeln und vielem mehr. Die Landwirte nahmen sich Zeit für Fragen und gaben viel von ihrem umfangreichen Wissen weiter: Etwa über Fruchtfolgen, Bodenbeschaffenheit, Verwertung und Vermarktung, aber auch über Ernteausfälle und Überschüsse.

    Im Rothtal profitieren die Landwirte von einem fruchtbaren Boden. Einer der Tourführer war Kreisobmann Andreas Wöhrle. Er erklärte etwa, dass ein guter Boden – wie man ihn hier vorfindet – die Pflanzen trotz einer längeren Periode ohne Regen vor dem Austrocknen schützen kann. Selbst zarteste Pflänzchen können tief wurzeln.

    Um dies zu demonstrieren, zeigte Wöhrle, dass unter der ersten Schicht der trocken wirkenden Erde bereits eine dunklere, feuchte Schicht liegt. Weil der Lehmboden hier wie ein natürlicher Schwamm funktioniert, zieht er das Wasser aus der Tiefe wie durch einen unsichtbaren Strohhalm nach oben zu den Wurzeln.

    Auch Bernhard Doser, Landwirt aus Thalfingen und Mitglied der Kreisvorstandschaft, half mit, bei der Tour möglichst viel Wissen weiterzugeben. „Wir wollen den Menschen zeigen, warum wir große Landmaschinen brauchen, oder warum wir Pflanzenschutzmittel einsetzen“, so Doser. „Wenn wir miteinander ins Gespräch kommen, können Vorurteile ausgeräumt werden.“

    Bei der Tour wurde auch offenkundig, dass sich das Dorfleben verändert hat. Wöhrle erklärte, dass es um Attenhofen herum keine Milchkühe mehr gibt. Folglich werde weniger frisches Gras gebraucht. Weil die Wiesen laut Gesetz eine grüne Wiese bleiben müssen und nicht einfach zum Acker umgepflügt werden dürfen, entsteht eine Heuwiese.

    Östlich von Attenhofen gibt es die einzige Haselnuss-Plantage im Landkreis Neu-Ulm

    Dort wachsen Gräser, die kaum jemand mit Namen kennt: zum Beispiel das Knaulgras, die Wiesenrispe, der wilde Fuchsschwanz oder die Wicke. Sie ist ein echter Alleskönner: Sie zieht sich Dünger einfach aus der Luft und füttert den Boden ganz natürlich mit Stickstoff. Später im Sommer wird die Wiese schließlich gemäht und als Heu verkauft.

    Für eine Überraschung auf der Route sorgte eine besondere Kultur: Östlich von Attenhofen gibt es eine Haselnuss-Plantage. Sie ist wohl die Einzige im ganzen Landkreis. Die Anlage wurde vor acht Jahren von der Familie Braun aus Kammeltal gepflanzt. Auf einer Fläche von rund einem Hektar wirft die Plantage jährlich etwa zwei bis drei Tonnen Haselnüsse ab. Die Ernte wird von der Familie selbst geknackt und veredelt, sowie im Direktvertrieb vermarktet.

    Nach der Tour konnten sich die Teilnehmer im Hof der Engelhardmühle mit regionalem Essen im Schatten einer Eiche ausruhen. Auch ein kleiner Essenswagen, das „Genuss-Kisterl“ des Bauernverbands, bot Snacks zum Probieren von regional erzeugten Lebensmitteln an. „An einer Tour wie dieser gibt es Gelegenheit, dass Landwirte erklären, warum was auf den Feldern passiert“, sagte Mühleninhaber Alexander Engelhard. Damit könne das gegenseitige Verständnis gefördert werden.

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